Parlophone Records

Parlophone Records, britisches Schallplatten-Label, 1923 aus dem Parlophon-Label der deutschen Carl Lindström AG gebildet. Lindström hatte Parlophon 1896 als weltweit agierende Firma in Berlin gegründet; auf dem internationalen Markt wurde aus Gründen der Aussprache an Parlophon ein e angehängt. Das L im Signet des Parlophone-Labels nimmt auf die Historie des Labels Bezug, ist also nicht etwa vom britischen Pfund übernommen, sondern deutet den Namen Lindström an.

Bei Parlophon wurden entsprechend der technischen Gegebenheiten zunächst Zylinder für Edison Phonographen hergestellt. Da die Firma ihre Aufnahmen weltweit vertrieb, wurde während des Ersten Weltkriegs in den Niederlanden mit der Transoceanic Trading Company eine Handelsgesellschaft eingerichtet, die den Internationalen Warenverkehr der Lindström AG gewährleisten sollte. 1923 wurde die britische Filiale des Labels in Parlophone Records umbenannt und unter der Leitung von Oscar Preuss in die Selbstständigkeit entlassen. Der für das Repertoire des Labels zuständige Preuss ging eine Verbindung mit dem amerikanischen Label Okeh Records ein und brachte Aufnahmen führender amerikanischer Jazzmusiker auf den Markt.
Schon 1927 erregte der Erfolg Parlophones die Aufmerksamkeit der Columbia Graphophone Company, die das Label erwarb. 1931 fusionierte die Columbia mit der Gramophone Company zur Electric & Musical Industries – abgekürzt EMI. Der Name Parlophone blieb erhalten und das Label veröffentlichte weiterhin vornehmlich Jazz-Aufnahmen, neben denen von Brunswick nunmehr auch Aufnahmen von Brunswick sowie von Musikern, die bei den amerikanischen Dependancen von Columbia und Decca entstanden waren. Für die Platten etwa von Louis Armstrong, Bix Beiderbecke und Duke Ellington wurde die so genannte Rhythm-Style-Serie eingerichtet.
Dennoch änderte sich der Charakter des Labels in den 1940er- und 1950er-Jahren allmählich: Es wurden Sprechplatten, so genannte leichte Klassik und schließlich auch Comedy-Platten veröffentlicht. 1950 war George Martin, ein junger Musiker, als Assistent Oscar Preuss’ eingestellt. Martin war aber so etwas wie ein »Mädchen für Alles«, war also nicht nur in die Geschäfte der Firma eingebunden, sondern überwachte auch die Aufnahmen und lernte bald den technischen Prozess der Plattenaufnahmen und Herstellung im Detail kennen. Als Preuss 1955 ausschied, wurde Martin mit der Leitung des Labels betraut.
Martin hatte es in den 1950er-Jahren mit einem sehr »bunten« Repertoire ans einem Arbeitsplatz zu tun: Bei Parlophone standen etwa der Oberkircher Kinderchor, der Jazzmusiker Humphrey Lyttelton, die Vipers Skiffle Group, die Pianistin Mrs. Mills, der Komiker und Schauspieler Peter Sellers, der Schauspieler Bernard Cribbins, die Nostalgic Jazzband The Temperance Seven und weitere mehr unter Vertrag. Am erfolgreichsten war der Sänger Adam Faith, der 1959 von Parlophone unter Vertrag genommen worden war.
Dennoch versuchte Martin, dem Label ein moderneres Gesicht zu geben und sah in Rock und Pop eine Möglichkeit dazu. Es gelang ihm zunächst nur unzureichend, indem er amerikanische Aufnahmen, darunter auch etwa von James Brown, übernahm.
1962 lernte er mit Brian Epstein den jungen Manager einiger Rockbands und Musiker aus der Merseyside kennen. Epstein hoffte, vor allem für seine Schützlinge, die Liverpooler Band The Beatles, einen Vertag abschließen zu können. Ohne allzu große Begeisterung verpflichtete Martin die Band tatsächlich, bestand noch auf einem Wechsel in der Position des Schlagzeugers und begann, geeignete Songs für die Band zu suchen. Die vier Musiker indes bestanden bald darauf, auch eigene Songs aufnehmen zu können und veränderten damit – unter kongenialer Mitwirkung Martins – die Rockmusik nachhaltig. Martin nahm Anfang der 1960er-Jahre auch die Sängerin Cilla Black, den Sänger Billy J. Cramer – beide aus Liverpool – und später die Rockband The Hollies unter Vertrag. Bei Parlophone erschienen die ersten neun LPs der Beatles.
1965 gründete Martin mit Air (Abkürzung für Associated Independent Recording) ein eigenes Studio; er war verbittert über die sture Haltung der EMI, die ihn trotz der immensen Erfolge seiner Produktionen weiterhin wie einen Angestellten zu behandeln und zu honorieren. Parlophone Records verlor danach durch die engere Einbindung in den Geschäftsbetrieb der EMI zwar seine relative Unabhängigkeit, doch blieb der Name erhalten.
Parlophone gehört seit Beginn der 1960er-Jahrezu den bedeutenden Labels der Rock- und Popmusik. So standen bei der Firma im Lauf der Jahrzehnte für längere oder kürzere Zeit Musiker und Bands wie Alice in Chains, All Saints, Babyshambles, Beverley Knight, Bliss, Blur, The Chemical Brothers, Coldplay, Duran Duran, Dusty Springfield, Gorillaz, Interpol, Kylie Minogue, Lily Allen, Love Sculpture, Paul McCartney, Pet Shop Boys, Queen, Supergrass, Tina Turner und The Verve unter Vertrag.



Literatur

Rust, Brian: The American Record Label Book – From the 19th Century Through 1942; New York 1978
Martin, George (mit Jeremy Hornsby): All You Need Is Ears; London 1979