Pye Records

Pye Records, britisches Schallplattenlabel, seit 1955 von dem Unterhaltungselektronik-Hersteller Pye Company betrieben; die Firma hatte die Grundlage für Pye Records durch Kauf des Labels Nixa Records gewonnen.

Die Pye Company stellt Fernseh- und Rundfunkgeräte her, sah aber in der nach dem Zweiten Weltkrieg nur langsam prosperierenden Wirtschaft Großbritanniens auf dem Musikmarkt die Möglichkeit wirtschaftlichen Erfolges. !955 kaufte die Firm auch das Label Polygon Records, das der Vater der Sängerin Petula Clark gegründet hatte, um die Schallplatten seiner Tochter vermarkten zu können. Die Pye Company fasste die beiden Labels zu Pye Nixa Records zusammen. Bereits 1958 bemühte sich Pye um internationale Lizenzrechte und konnte schließlich Produktionen von Chess Records, A & M, Kama Sutra, Colpix, Warner Bros. Buddah, 20th Century und King in den eigenen Katalog übernehmen.
1959 kaufte die Fernsehgesellschaft ATV einen Anteil von 50 Prozent des Labels, das im Zuge des Verkaufs in Pye Records umbenannt wurde; 1966 übernahm ATV auch die andere Hälfte des Labels. Das Label wurde um das Label Picadilly Records und das Niedrig-Preis-Label Marble Arch erweitert. Bei Picadilly sollte sich vor allem der gerade stürmischen Entwicklung auf den Markt der Popmusik widmen und jüngere Bands unter Vertrag nehmen. Als 1980 die Rechte an dem Namen Pye vertragsgemäß ausliefen, nannte ATV das Label PRT, Abkürzung für Precision Records and Tapes. Bereits Ende des Jahrzehnts, 1989, beendete PRT indes seine Tätigkeit. Der Name Pye hingegen wurde 2006 noch einmal als Unterlabel der Firma Sanctuary Records wieder belebt.
Auf dem internationalen Markt tat Pye Records sich schwer: Bereits 1964 war man Partnerschaften etwa mit Liberty Records und Reprise Records eingegangen, die die Produktionen im Gegenzug von Lizenzierungen der eigenen Veröffentlichungen in den USA veröffentlichten. Unter eigenem Namen trat das Label für kurze Zeit in den USA auf, als Bell Records für die Veröffentlichungen der britischen Muttergesellschaft das Tochterlabel Pye Records gründete. 1974 versuchte es die britische Pye Records erneut mit einem gleichnamigen eigenen Label, musste aufgrund mangelnden wirtschaftlichen Erfolges die Tätigkeiten des Labels aber wieder einstellen. Zeitweise recht erfolgreich war das 1970 gegründete Unterlabel Dawn Records, bei dem etwa Platten von Donovan und Mungo Jerry verlegt wurden.
Der Katalog von Pye Records repräsentiert in gewisser Weise die Entwicklung der Popmusik in Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg: Standen in den 1950er- und 1960er-Jahren der Skiffle-Musiker Lonnie Donegan und die Sängerin Petula Clark bei dem Label unter Vertrag, so waren es später Bands wie The Ivy League, The Searchers, The Kinks, dann David Bowie, Sandie Shaw und Status Quo,bei Dawn außer Donovan und Mungo Jerry Brotherhood of Man, Atomic Rooster und Fruup.