RCA Records

RCA Records, Abkürzung von Radio Corporation of America, 1901 unter dem Namen Victor Talking Machine Company von Eldridge R. Johnson in Camden, New Jersey, gegründet; das Label gehört als Teil der RCA/Jive Label Group mittlerweile zu Sony Music Entertainment.

Die Anfänge des Labels haben ihre Wurzeln tief in der Geschichte der Tonträger: In Europa hatte Emile Berliner eine Lizenz für die Nutzung seiner Patente auch an William Barry Owen und Trevor Williams gegeben. Die von Owen und Williams 1897 gegründete Gramophone Company war eine Art Filiale der 1892 gegründeten United States Gramophone Company. Diese Firma unterlag 1900 in einem Rechtsstreit um Patente und durfte in den USA keine Platten mehr herstellen.

In den USA hatte der Mechaniker und Tischler Johnson, überzeugt von Berliners Konzept einer flachen Schallplatte, Abspielgeräte für diese Platten hergestellt. Als 1900 die Platten der Gramophone Company nicht mehr erhältlich waren, drohte seiner Firma der Konkurs. So entschloss er sich, selbst Platten herzustellen und zu verkaufen. Hergestellt wurden die Platten ab 1900 von der Consolidated Talking Machine Company of Philadelphia. Johnson hatte sich um bestehende Patente allerdings wenig gekümmert und wurde von Frank Seaman, der seinerseits unter dem Namen Zon-O-Phone nach Berliners Patenten Plattenspieler und Platten verkaufte, verklagt. Die weitere, auch juristisch ausgefochtene Geschichte ist nicht recht zu klären, doch konnte Johnson weiterhin Platten und Plattenspieler herstellen, musste aber zumindest in den USA den Namen Gramophone, den er auf das Label seiner ersten Platten hatte drucken lassen, aufgeben. In die Gründung der Victor Talking Machine Company im Jahr 1901 muss in irgendeiner Weise auch Emile Berliner selbst involviert gewesen sein, jedenfalls war es Johnson erlaubt, dessen Patente zu nutzen. Auch eine Auseinandersetzung mit der Schallplattenfirma Columbia, die Johnsons Methode, Aufnahmen in Wachs zu schneiden statt – wie Berliner es getan hatte, in eine Acetat-Folie – als eine Verletzung ihrer Patente ansah, konnte Johnson für sich entscheiden. Johnson gelang es auch, Zonophone zu kaufen und erreichte damit eine Vormachstellung auf dem Markt von flachen Tonträgern. Gleichzeitig standardisierte er die Schallplatten auf eine Größe von zehn Inch Durchmesser. Über die Verbindung mit der United States Gramophone Company hatte Johnson auch Zugriff auf die in Großbritannien beheimate Gramophone Company erhalten und übernahm das Bild »His Master’s Voice«, das der Maler Francis Barraud in den 1890er-Jahren gemalt hatte – unklar ist, ob es 1893 mit einem Edison-Abspielgerät gemalt wurde und 1898 mit einem Berliner-Plattenspieler übermalt wurde, oder erst 1898 entstand. Das Bild mit dem aufmerksam einer Schallplatt lauschenden Hund namens Nipper wurde zu einem Markenzeichen der Plattenfirma, ebenso wie der Name des Abspielgeräts für die Platten: Victrola.

Bei Victor, wie die Firma bald kurz genannt wurde, waren viele seinerzeit berühmte Künstler unter Vertrag, so etwa Nelly Melba, Enrico Caruso, Jascha Heifetz, Leopold Stokowski, Fritz Kreisler und Sergej Rachmaninoff, um nur einige wenige zu nennen. Zuzuschreiben sind der Firma Johnsons aber auch die in den 1920er-Jahren auf den Markt gebrachten ersten als solche zu bezeichnenden Country-Aufnahmen – so von Jimmy Rodgers und der Carter Family –, wie auch die in derselben Zeit veröffentlichten Race Records, Schallplatten, die für den Markt schwarzer Plattenkäufer gedacht waren.

Victor hatte stets auch ein Augenmerk auf die technische Entwicklung gerichtet und war selbst an der Etablierung diverser damals gültiger Standards maßgeblich beteiligt. 1924 gab die Firma die bis dahin übliche mechanische Aufzeichnung von Musik auf und wechselte zur elektrischen Aufnahmetechnik; die auf Grundlage dieser Technik – die aus kaum mehr als dem Ersatz des Aufnahmetrichters durch ein Mikrofon samt Verstärker bestand – produzierten Platen kamen 1925 auf den Markt.

Johnson übertrug die Geschäftsführung seiner Firma 1926 an die Bank Seligman & Spyer, die ihrerseits die Firma an die Radio Corporation of America, kurz RCA verkaufte. Zunächst trug die neue Firma den Namen Radio-Victor Division of the Radio Corporation of America, wurde bald aber in RCA Victor umbenannt.

1931 fusionierten die in Großbritannien noch bestehende Gramophone Company mit der Columbia Gramophone Corporation zu EMI; dabei kam die Marke His Master’s Voice zu der neuen Firma, an der RCA weiterhin Anteile hielt. 1935 wurde aber auch dieser Anteil an die EMI verkauft, die unter dem Label HMV aber weiter Produktionen von RCA in Europa übernahm.

RCA Victor sah sich in den 1930er-Jahren einer starken Entwicklung und Diversifikation im Musikgeschäft gegenüber und reagierte mit der Gründung von Sub-Labels; dies waren Bluebird Records, 1932 gegründet, Electradisk und Sunrise. Ebenfalls Anfang der 1930er-Jahre versuchte RCA eine Langspielplatte, die mit einer Umdrehungsgeschwindigkeit von 33 1/3 Umdrehungen je Minute abgespielt werden musste, durchzusetzen; dies misslang. 1949 präsentierte RCA eine Schallplatte, die mit einer Umdrehungszahl von 45 Umdrehungen je Minute abgespielt werden musste. Diese Schallplatte sich als Single-Schallplatte durchsetzen und war der klassische Tonträger der Rock’n’Roll-Ära. Für »klassische« Musik war das gleiche Format gedacht, das als Extended Play (EP) eine Spieldauer von bis zu sieben Minuten hatte, sich aber auf diesem Markt nicht gegen die nun von Columbia vorgestellte LP mit 33 1/3 U/min behaupten konnte. Die Leitung von RCA Victor zog daraus den Schluss, ab 1950 ebenfalls Langspielplatten nach den Maßgaben Columbias herzustellen. So wurde der Markt nach Formaten geteilt: Die LP war für die Veröffentlichung »klassischer« Musik gedacht, die Single für den Bereich der Pop Music. Für die neu entstehenden Märkte gründete RCA Victor weitere Tochter-Labels, so X Records, Groove Records für Rhythm’n’Blues und Vik Records.

Bereits Anfang der 1950er-Jahre experimentierte RCA Victor mit stereophonischen Aufnahmen; die ersten Stereo-Schallplatten brachte die Firma 1958 auf den Markt. Neben diesen »großen« Änderungen führte RCA auch wichtige kleinere ein, etwa die, Rand und Zentrum der Platten zu verstärken, damit Plattenwechsler die bespielte Fläche nicht beschädigen konnten.

Die Bedeutung der Rockmusik erkannte RCA Victor zwar nicht auf Anhieb, reagierte dann aber umso gründlicher: Sie übernahm 1955 von Sun Records einen jungen Rock’n’Roll-Sänger namens Elvis Presley und hatten damit den Star, der dem Unternehmen die größte Plattenverkäufe ermöglichte. In die 1950er-Jahre fiel aber auch das Ende der noch immer existierenden Beziehungen zur EMI; RCA ließ in Großbritannien seine Platten nunmehr von Decca vertreiben. Umgekehrt gründete EMI in den USA Capitol Records.

Die 1980er-Jahre leiteten größere Veränderungen für das RCA Victor ein: 1983 verkaufte Bertelsmann die Hälfte seines Label Arista Records an RCA, beide Firmen gründeten 1985 aber die gemeinsame Firma RCA/Ariola International; Ariola war ein Label Bertelsmanns. Schon ein Jahr später kaufte das amerikanische Unternehmen General Electric RCA; im Zuge dieses Eigentümerwechsels ging RCA/Ariola International komplett an Bertelsmann. Bertelsmann seinerseits konstruierte darauf aus seinen Unternehmen BMG Music. So nutzte BMG das RCA-Log, während General Electric die meisten Firmen der Neuerwerbung schloss und lediglich die National Broadcasting Company weiter betrieb. Als es 2004 zu einem Zusammenschluss von BMG und Sony zu Sony BMG kam, war auch RCA Teil des Geschäfts. 2008 ging der Anteil von Bertelsmann endgültig an Sony. Sony gründete 2009 Sony Music Entertainment und richtete den Unternehmenszweig RCA/Jive Label Group ein. Zu dieser gehören die RCA Music Group mit RCA Records Nashville und RCA Red Seal Records sowie einige auf nationalen Märkte wie Großbritannien, Frankreich, Italien und Australien agierende Labels, die allesamt den Namen RCA Records tragen.

Bei RCA oder einem seiner Unterlabels wurden etwa Platten von ABBA, Christina Aguilera, Paul Anka, Chet Atkins, Joséphine Baker, Harry Belafonte, Clint Black, Boney M., Natasha Bedingfield, Kelly Clarkson, Perry Como, Dido, John Denver, Tommy Dorsey, The Equals, Eurythmics, Foo Fighters, Dizzy Gillespie, Benny Goodman, Daryl Hall & John Oates, Jennifer Hudson, Natalie Imbruglia, Etta James, Kesha, The Kinks, Kings of Leon, Eartha Kitt, Avril Lavigne, Henry Mancini, Miriam Makeba, Don McLean, Glenn Miller, The Monkees, Harry Nilsson, Dolly Parton, Iggy Pop, The Pointer Sisters, Lou Reed, Kenny Rogers, Diana Ross, Artie Shaw, Nancy Sinatra, Sad Cafe, Bonnie Tyler, Vangelis, Fats Waller, Wu-Tang Clan, The Youngbloods und ZZ Top veröffentlicht.

Literatur

Rust, Brian: The American Record Label Book – From the 19th Century Through 1942; New Rochelle 1978

Weblink

www.rcamusicgroup.com (Offizielle Website der RCA Music Group)