RSO Records

RSO Records, britisches Schallplattenlabel, 1973 von dem Konzertveranstalter Robert Stigwood (* 1934) in London gegründet; Der Name ist die Abkürzung von Robert Stigwood Organization.

Robert Stigwood stammte aus Australien, war 1955 nach England gekommen und gründete mit dem Geschäftsmann Stephen Komlosy eine Theateragentur. Bei dieser Tätigkeit lernte er auch den Sänger John Leyton und damit das Musikgeschäft kennen. Gemeinsam mit dem Toningenieur Joe Meek bot bald darauf seine Dienste als erster unabhängig von der etablierten Industrie arbeitender Schallplattenproduzent an. Meek machte sich 1960 mit RGM Sound Ltd. selbständig, so dass Stigwood allein auf sich gestellt war. Bereits 1961 aber konnte er einen Vertrag mit der EMI schließen und fortan die Platten seiner Schützlinge bei der renommierten Schallplattengesellschaft produzieren. Mitte der 1960er-Jahre veranstaltete er außerdem diverse Rock- und Pop-Konzerte, kam aber in finanzielle Schwierigkeiten, als er eine Tour mit Chuck Berry, The Five Dimensions, The Graham Bond Organization und The Moody Blues organisierte. Seine Kontakte in die Musikwelt litten darunter nicht, zumal er die tatsächlich finanzielle Situation seines Unternehmens hinwegtäuschen konnte. Er arbeitet weiterhin als Künstlermanager und Produzent. 1966 übernahm er das Konzertmanagement der Band The Who, überredete die Musiker, von Brunswick Records zu seinem gerade gegründeten Label Reaction Records zu wechseln und veröffentlichte deren Single »Substitute«. Kurze Zeit später übernahm Stigwood auch das Managment von The Cream und eröffnete der Band den Weg zum Erfolg in den USA. Als der EMI-Manager Roland Rennie zu Polydor Records wechselte, arbeitete auch Stigwood mit Polydor zusammen. Er knüpfte Kontakt zu Brian Epstein und brachte diesen dazu, seine Firma NEMS Enterprises mit Stigwoods Firma zu verbinden, was allerdings nur teilweise gelang: Ausgerechnet The Beatles mochten nicht mit Stigwood zusammenarbeiten, so dass Epstein gezwungen war, die Fab Four aus dem Vertrag mit Stigwood herauszulassen. Bei NEMS gelang es Stigwood, die junge und in Großbritannien noch unbekannte Band The Bee Gees unter Vertrag zu nehmen und brachte deren Songs »New York Mining Desaster 1941« und »Massachusetts« in die Top ten Großbritanniens und der USA.
Nach dem Tod Epsteins verließ Stigwood NEMS und gründete die Robert Stigwood Organization, die er in wenigen Jahren zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Rock- und Pop-Geschichte machte. Mit RSO hatten etwa Mick Jagger, Rod Stewart, David Bowie, The Cream, Blind Faith, Eric Clapton und Andy Gibb Promotion-Verträge. Bei RSO Records veröffentlichten neben Eric Clapton etwa die Sängerin Yvonne Elliman und Paul Nicholas ihre Platten. Als gegen Ende der 1960er-Jahre auch Musicals ein großes Publikum anzogen, beteiligte sich Stigwood an der Produktion von »Hair«, später an denen von »Oh! Calcutta!«, »The Dirtiest Show In Town« und »Sweeny Todd« und Andrew lloyd Webbers »Evita«. Zu Beginn der 1970er-Jahre sah Stigwood auch Verdienstmöglichkeiten in der Filmindustrie, musste aber gerade im Musikgeschäft Rückschläge hinnehmen: The Cream lösten sich wie The Bee Gees als Band auf, Clapton geriet in eine jahrelange Drogenabhängigkeit. So wandte sich der umtriebige Manager dem Filmgeschäft zu und produzierte Filme wie »Jesus Christ Superstar« (1973), dann »Tommy« (1975) nach der Rock-Oper der Who und schließlich den Disco-Film »Saturday Night Fever« (1977); der von den wieder erstandenen Bee Gees verantwortete Soundtrack war immens erfolgreich und ist der meistverkaufte Soundtrack überhaupt. Im Jahr darauf folgte der beinahe ebenso erfolgreiche Film »Grease« mit Olivia Newton-John und John Travolta.
»Grease« war der letzte große Erfolg Stigwoods. Der Film »Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band« mit Peter Frampton und den Bee Gees fiel nicht nur bei der Kritik, sondern auch beim Publikum durch. Stigwood setzte seine Arbeit indes unverdrossen fort und präsentierte dem Publikum Filme wie »Times Square«, »Grease 2« und »Evita« (1996), Madonna spielte die Titelrolle.
Bei RSO wurden viele Soundtracks bekannter Filme veröffentlicht: »Fame« (1980), »Star Wars Episode V« (1980) und »Star Wars Episode VI« (1983). Der Film »Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band« stellte für das Label zwar eine Katastrophe dar, doch konnte sich RSO Records durch das 1979 von The Bee Gees veröffentlichte Album »Spirits Having Flown« einigermaßen erholen. Die Bee Gees allerdings auch waren es, die Stigwood 1998 wegen Missmanagements verklagten. Manager und Band einigten sich und The Bee Gees bleiben bei RSO. 1981 trennte sich Stigwood von dem Label.
Die Platten des Labels hatte zunächst Atlantic Records vertrieben, später besorgte Stigwood den Vertrieb selbst. Nachdem das Label an Polydor ging, wurde es später Teil des Polygram Konzerns und war dann viele Jahre lang inaktiv. Später wurde das Label für einige Wiederveröffentlichungen (Bee Gees, Clapton, Blind Faith, Cream) reaktiviert.