Stax Records

Stax Records, amerikanisches Schallplatten-Label, 1957 von Jim Stewart (* 1930) und seiner Schwester Estelle Axton (* 1918, † 2004) unter dem Namen Satellite Records in Memphis gegründet; der seit 1961 geführte Name Stax setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Geschwister zusammen. Das Stax-Label veröffentlichte Musik, die zusammenfassend unter dem Namen Memphis-Soul bezeichnet wird.

Stewart hatte die Hoffnung, mit von ihm komponierter Musik und mit der Musik von lokal bekannten Musikern, denen er eine Plattform bieten wollte, wenigstens regional erfolgreich sein zu können. Der Aufstieg des Labels zu internationaler Bedeutung begann 1960, als einer der Manager von Atlantic Records, Jerry Wexler, das Label auf der Suche nach neuen Künstlern für Atlantic entdeckte und mit seinen Besitzern einen Vertriebsvertrag schloss; Wexler hatte die im Sommer 1960 veröffentlichte Single »Cause I Love You« von Rufus und Carla Thomas gehört. Bereits mit der 1961 präsentierten Single »Gee Whiz (Look At His Eyes« – dieses Mal von Carla Thomas allein gesungen – war die neue Partnerschaft erfolgreich und erreichte eine Notierung in den Rhythm & Blues-Charts. 1962 folgte mit dem Sänger Otis Redding ein noch erfolgreicherer Interpret.

Stewart, einst Fiddler einer Country-Gruppe, hatte kaum Erfahrung mit »schwarzer« Musik – noch für Thomas’ »Gee Whiz« hatte er eine Fiddle ins Arrangement geschrieben – verpflichtete eine Reihe von schwarzen und weißen Musikern für die Session-Band seines Labels, die sich The Mar-Keys nannte. Aus dieser Band ging das Quartett Booker T. & The MGs hervor: Neben dem Organisten Booker T. gehörten der Gitarrist Steve Cropper, der Bassist Donald »Duck« Dunn und der Schlagzeuger Al Jackson; Jones und Jackson waren Schwarze, Cropper und Dunn Weiße. Die Band veröffentlichte bald unter eigenem Namen leidlich erfolgreiche instrumentale Rhythm ’n’ Blues-Aufnahmen. Bedeutender war, dass der Klang dieser Band die Aufnahmen des Labels stark prägte und zur Entstehung des Memphis-Sounds wesentlich betrug. Der Einfluss des Quartetts auf die spätere Rockmusik bis hin zum R & B jüngerer Prägung ist kaum zu überschätzen.

Wexler gelang es, für den Memphis-Soul auch das junge Rock-Publikum, das überwiegend aus Weißen bestand, zu interessieren. Redding trat in den großen Hallen Europas auf, 1967 beim Monterey Pop Festival; im gleichen Jahr nahm er seinen Song »(Sittin’ In) The Dock Of The Bay« (veröffentlicht 1968) auf, einer der Klassiker des Soul. Otis Redding kam wenig später bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, so auch die Mitglieder seiner Band The Bar-Keys.

Mitte der 1960er-Jahre gehörten noch andere stilprägende Musiker zu Stax, so etwa der Gitarrist Albert King, das Gesangsduo Sam & Dave, Isaac Hayes – er verfasste zahlreiche Songs für Sam & Dave, bevor er selbst mit eigenen Produktion erfolgreich war –, The Staple Singers und der Song-Schreiber David Porter (* 1941) . Zum Teil veröffentlichten diese Künstler ihre Musik nicht direkt auf Stax, sondern auf einem der von Stewart eingerichteten Unterlabels, etwa auf Volt Records oder Enterprise Records.

1968 kaufte der Mischkonzern Gulf & Western Stax Records; wenige Wochen später wurde auch die Zusammenarbeit mit Atlantic Records aufgekündigt. Die nächsten Jahre verliefen für das Label eher chaotisch: Gemeinsam mit Al Bell kaufte Stewart sein Label 1970 zurück, blieb mit seiner Firma aber unabhängig. 1972 erwarb Bell Stewarts Anteile und ging mit CBS einen Vertrag zum Vertrieb der Platten ein. Die Zusammenarbeit verlief wenig friedvoll: 1975 musste Bell mit Stax Records das Konkursverfahren einleiten. Zum Verkauf an Fantasy Records standen aber nur die zwischen 1968 und 1975 entstandenen Aufnahmen – die Aufnahmen der Jahre bis 1968 blieben im Besitz Atlantics. Die Geschichte des Labels schien beendet, der Stax-Katalog gehörte seit 2004 nunmehr Concord Records. Die Firma belebte 2006 den Namen wieder, veröffentlichte eine Jubiläumsbox und nahm junge Künstler wie Angi Stone unter Vertrag.

Neben den vielen Schallplatten des Labels, die idealtypisch präsentieren, was Soul ist, sind die Studios in Memphis – mittlerweile ein Museum – von herausragender Bedeutung für die Rock- und Popmusik. Hier nahmen nicht nur die Stars des Labels auf, sondern auch viele andere Künstler bis hin zu Elvis Presley, der 1973 einige Titel bei Stax einspielte. Auch die Session-Bands des Labels waren gesucht: Booker T. & The MGs sind auf einer unüberschaubaren Zahl von Platten zu hören, veröffentlichten aber auch unter eigenem Namen; The Memphis Horns – ursprünglich ein Sextett, später zum Duo geschrumpft – waren jahrelang die Bläser-Section erster Wahl, wurden etwa auch von The Doobie Brothers, U2, Al Green, Neil Diamond, Sting und Peter Gabriel gebucht und trugen mit ihrem kompakten Klang wesentlich zur Wirkung der Songs bei. Dieser wiederum wirkte vorbildhaft auf die Rockmusik: Bläserbands wie Chicago, Blood, Sweat & Tears und weitere mehr bis hin zu Earth, Wind & Fire bezogen für ihre Arrangements wesentliche Anregungen aus den Aufnahmen der Memphis Horns.

Literatur

Bowman, Rob/Bowman, Robert M.J.: Soulsville, U.S.A.: The Story of Stax Records; London 1997

Weblinks

http://www.soulsvilleusa.com/ (Website des Stax Museums in Memphis)
http://www.history –of-rock.com/stax_records.htm (Website mit ausführlicher Biographie des Labels Stax Records)
http://www.bsnpubs.com/stax/staxvolt.html (Website mit Diskografie von Stax/Volt)