Stiff Records

Stiff Records, britisches Schallplatten-Label, 1976 von Dave Robinson und Jake Riviera, eigentlich Andrew Jakeman, in London gegründet.

Robinson und Riviera hatten das Label zwar Mitte der 1970er-Jahre gegründet, als das Publikumsinteresse am Punk-Rock am größten war, sie selbst aber waren keine Unbekannten im Musikgeschäft: Robinson hatte bereits in den 1960er-Jahren im Konzertwesen gesammelt und die Geschäfte der Pub-Rock-Band Brinsley Schwarz gemanaged, er und Jakeman Anfang der 1970er-Jahre für die Pub-Rock-Band Dr. Feelgood gearbeitet. In der Punk-Welle sahen sei die Gelegenheit, unter dieser Bezeichnung die Musik längst bestehender, aber eben mehr oder weniger erfolglose Pub-Rock-Bands zu vermarkten. Dabei setzten sie weniger auf die musikalische Überzeugungskraft der von ihnen unter Vertrag genommenen Bands als auf aggressive PR-Kampagnen. Zunächst veröffentlichte Stiff Sampler, 1977 etwa die später geradezu legendär gewordene Sammelplatte »A Bunch of Stiff Records«, auf der sich Songs von Nick Lose, Wreckless Eric, Motörhead – auf der Erstausgabe der LP noch Motorhead – Elvis Costello Magic Michael, The Takeaways, The Tyla Gang, Dave Edmunds, Jill Read und Stones Masonrey – also keine einzige originäre Punk-Band dabei. Das Kalkül der beiden Label-Betreiber ging allerdings auf: Pub-Rock wurde nunmehr als Teil der New Wave gesehen, obwohl die von Robinson und Jakeman betreuten Bands und Musiker zum Teil schon in den 1960er-Jahren ihre Karriere begonnen hatten, etwa Dave Edmunds oder die Musiker von Motörhead. Andererseits hatte Stiff mit »New Rose« 1976 von The Damned auch eine der ersten Punk-Singles auf den Markt gebracht. Daneben aber standen schon Anfang 1977 Wreckless Eric, Elvis Costello und Ian Dury bei dem Label unter Vertrag. So verkauften Robinson und Jakeman die bei Stiff veröffentlichte Musik mit frechen, respektlosen Sprüchen und bedienten nebenbei den Sammlermarkt: Ian Durys LP »Do It Yourself« etwa wurde 1979 in Hüllen aus Tapetenpapier gesteckt, insgesamt mehr al zwei Dutzend Muster fanden Verwendung. Sehr erfolgreich verliefen auch die so genannte Package-Touren des Labels, bei denen das Label unter Bezeichnungen wie »Live Stiffs Tour« oder »5 Live Stiffs« seine Musiker auf Konzertreise schickte. Eine Eindruck von der Atmosphäre dieser Konzerte gibt die LP »Live Stiffs Live« (1978).
Zu dieser Zeit hatte Jakeman Stiff schon verlassen. 1978 hatte er Radar Records gegründet und neben Nick Lowe und der Band Yachts auch Elvis Costello überreden können, seine Musik zukünftig bei Radar zu veröffentlichen. So blieb Robinson zunächst nur der Erfolg von Ian Dury, der mit den Verkäufen seiner Alben auch Stiff das Überleben eine Zeit lang sicherte. 1979 nahm Robinson mit Madness eine der seinerzeit gerade aktuellen Ska-Bands unter Vertrag. Der Erfolg der quirligen Ska-Musiker wie des unkonventionellen Ian Durys – der dem Label 1978 mit der Single »Hit Me With Your Rhythm Stick« den einzigen Nr.-Eins-Hit gebracht hatte – ermöglichte dem Label zwar das Fortbestehen, seltsame Aktionen wie die Veröffentlichung einer LP mit dem Titel »The Wit & Wisdom of Ronald Reagan«, die buchstäblich nichts enthielt, erfreuten aber vor allem Sammler.
Rettung kam in Form eines Vertrags mit Island Records. Island hatte die Platten von Stiff Records vertrieben, kaufte nun nicht nur 50 Prozent des Labels, sondern setzte Robinson auch als Geschäftsführer von Stiff wie von Island ein. Für seien neue Firme verpflichtete Robinson etwa Frankie Goes To Hollywood und The Pogues und konnte sich die Rechte an den LPs »Legend« von Bob Marley und »The Unforgettable Fire« von U2 sichern. Der kommerzielle Erfolg dieser Neuerwerbungen genügte allerdings nicht, und als auch Madness das Label verließ, trennte sich Robinson wieder von Island und betrieb Stiff Records wieder als Independent-Label, wenn auch nur noch für Monate. 1985 verkaufte er Stiff Records an ZTT Records, das Label von Trevor Horn. ZTT übertrug dem Label für Jahre keine neuen Aufgaben.
2007, ZTT gehörte nunmehr zu SPZ, wurde der Name wieder belebt. Stiff nahm unter anderem die Band The Enemy und Chris Difford, früher bei Squeeze, unter Vertrag, erinnerte sich aber auch seiner früheren Größen wie Wreckless Eric, Any Trouble und Henry Priestman.
Wenn auch die Namen nur weniger der Musiker, die bei Stiff unter Vertrag standen, im Gedächtnis der Rockhörer haften blieben, so repräsentieren diejenigen Musiker und Bands, die bei Stiff Platten veröffentlichen konnten geradezu idealtypisch die Zeit zwischen Punk und New Wave, als unvermittelt auch Musiker ihre Chance bekamen, die zum Teil schon jahrelang in der zweiten oder dritten Reihe gestanden hatten, oder aber weder Hippies, noch Punks waren und auch mit der ästhetisierenden New Wave nichts im Sinn hatten. Dazu gehören etwa The Adverts, Alberto Y Lost Trios Paranoias, The Belle Stars, Devo, Richard Hell & The Voidoids, Mickey Jupp, Lene Lovich, Kirsty McColl, Pink Fairies, Plasmatics, Rachel Sweet, Tenpole Tudor und Tracey Ullman.



Diskografie

Live Stiffs Live (1978)
The Big Stiff Box Set (2008)



Weblink

http://www.stiff-records.com/ (Offizielle Website des britischen Schallplatten-Labels Stiff Records)