Teldec Schallplatten GmbH

Teldec Schallplatten GmbH, Kunstwort, zusammengesetzt aus Bruchstücken der Firmennamen Telefunken und Decca, deutsches Schallplatten-Label, 1950 in Hamburg gegründet.

Telefunken hatte nach dem Zweiten Weltkrieg wieder begonnen, Schallplatten herzustellen, war durch Auflagen der Alliierten aber bis 1947 gezwungen, lediglich die vor dem Krieg produzierten Platten wieder zu veröffentlichen. 1948 schloss die Firma mit der amerikanischen Firma Capitol Records einen Vertrag zur Übernahme von Lizenzen. 1950 kam die Leitung Telefunkens mit der britischen Decca überein, gemeinsam ein deutsches Unternehmen zu gründen, das unter dem Namen Telefunken-Decca Schallplatten GmbH in Hamburg eingerichtet wurde. Telefunken gliederte zu diesem Zweck sein Schallplattenunternehmen aus dem Konzern aus und Decca brachte die von seiner schweizerischen Dependance veröffentlichten deutschsprachigen Aufnahmen etwa der Sängerin Lys Assia und der Sänger Hans Albers und Vico Torriani in die neue Firma, auf deren Label allerdings nach wie vor Telefunken stand; erst im folgenden Jahr kamen auch die ersten Platten unter dem Label Decca auf den Markt.
Die Teldec veröffentlichte Musik jeder Art. Besondere Beachtung fand die Archiv-Produktion mit seinerzeit mustergültigen Aufnahmen von Musik historisch vergangener Epochen, wie auch die Reihe »Das Alte Werk« Maßstäbe setzt: Die führenden Vertreter einer historisch begründeten Aufführungspraxis der ersten Generation, Nikolaus Harnoncourt und Gustav Leonhardt standen bei Teldec unter Vertrag.
Bis 1983 gehörte die Teldec Telefunken einerseits, Decca anderseits, wenn auch Teldec frei agieren konnte; beide Firmen beendeten in diesem Jahr ihr Engagement. 1987 kaufte der Time-Warner Konzern die Teldec, beließ ihr aber nicht ihre Unabhängigkeit, sondern ordnete sie dem neu gegründeten Unternehmen EastWest Records unter. Als Time Warner wiederum 2001 mit AOL zusammenging, bedeutet dies das Ende der Namen Teldec und Telefunken, soweit es den Schallplattenmarkt betraf; lediglich Aufnahmen der Reihe Das Alte Werk wurden noch unter Teldec veröffentlicht. Bereits 1997 war die Tonträger-Herstellung in Nortorf verkauft worden, 2002 wurde auch das Telefunken-Tonstudio in Berlin veräußert; es wird seitdem unter dem Namen Teldex Studio Berlin betrieben.
Das Label Telefunken spielte vor allem für die deutsche Rockmusik eine Rolle, wurden unter dem Label doch die Platten Udo Lindenbergs veröffentlicht. Die Decca lizenzierte Aufnahmen der Rolling Stones und Ten Years Afters. Einer besonderen Aufgabe widmete sich das Unter-Label Pool Records, bei dem in den 1950er- und 1960er-Jahren etwa Aufnahmen von Drafi Deutscher und Ted Herold verlegt worden waren: In den 1970er-Jahren, als die DDR-Führung die Bedeutung der Rockmusik erkannt hatte, bemühte sich Pool hartnäckig um Lizenzen des DDR-Labels Amiga. In der Bundesrepublik Deutschland waren daher die Bands Puhdys, City und Karat nicht unbekannt.
Von besonderer Bedeutung war lange der Teldec Import Service, kurz TIS. Unter diesem Kürzel wurden in der Bundesrepublik Deutschland Schallplatten verkauft, die der heimische Mutterkonzern mangels halbwegs kommerzieller Erfolgswahrscheinlichkeit nicht lizenzieren, also ins eigene Programm nehmen wollte. TIS bot den Ausweg, dass die fertigen Schallplatten aus anderen Ländern in meist eher geringer Anzahl importiert und in einen Katalog übernommen werden konnten, der Lieferbarkeit zumindest für einige Zeit garantierte. Auf diesem Wege waren – vor Zeiten des Internets – in der Bundesrepublik Deutschland auch Schallplatten im Laden käuflich zu erwerben, die ansonsten nur sehr schwer zu bekommen waren. Mitunter nahm TIS auch selbst Musiker un Bands unter Vertrag. Gerade für Schallplattensammler war TIS von einiger Bedeutung.