Alan Aldridge

Aldridge, Alan, britischer Illustrator und Buchautor, * London 1943; Aldridge lebt seit 1980 in Los Angeles (Kalifornien).

Aldridge hat nie eine formelle Ausbildung zum Grafiker genossen, sondern lernte sein Handwerk autodidaktisch. Als Jugendlicher verkaufte er an Schulkameraden ausgetüftelte Nachzeichnungen von Büstenhaltern und Korsagen, die er in Modezeitschriften fand, sah seine berufliche Zukunft aber eher im Journalismus. Im Alter von 20 Jahren wandte er sich dennoch intensiver dem Zeichnen zu. 1965 gelang es ihm, vom Penguin-Verlag einen Auftrag zur Gestaltung eines Taschenbuchumschlags zu erhalten. Angetan von seiner Arbeit, gab ihm der Verlag weiter Aufträge. Bald bestimmten Aldridges Grafiken das Aussehen der Krimi- und Science-Fiction-Buchreihen von Penguin, so dass die Leitung des Verlages ihn 1967 schließlich als Art Director einstellte. Aldridge war zu dieser Zeit schon eine bekannte Größe im Swingin London und hatte die Bekanntschaft diverser Rockmusiker und Rockbands gemacht, darunter Jimi Hendrix, The Beatles, The Who, Cream und Pink Floyd. Für The Who gestaltete er 1966 das Cover deren zweiter LP, »A Quick One«. Selbst nunmehr Teil der damaligen Pop-Kultur, eröffnete er 1968 unter dem Namen INK sein eigenes Grafik-Design-Studio. Zu seinen ersten Auftraggebern gehörten die Beatles, die gerade ihre Firma Apple eröffnet hatten. Aldridge entwarf für Apple unter anderem einen Plattenspieler in Form eines grünen Apfels. Er wurde auch von den Rolling Stones engagiert, von The Cream – die Cover-Gestaltung deren letzter LP stammt von ihm –, und von dem amerikanischen Regisseur Andy Warhol, der für seinen Film »The Chelsea Girls« (1966) ein Plakat in Auftrag gab. Aldridge entwarf ein erotisch offensives Schwarz-Weiß-Poster, das einiges Aufsehen erregte, gleichwohl zum gesuchten Sammlerstück wurde, für das vierstellige Dollarsummen bezahlt werden.

Einem größeren Publikum wurde Aldridge durch sein Buch »The Beatles Illustrated Lyrics«: Der Grafiker hatte mehr als 70 Maler und Grafiker gebeten, Texte von Songs der Beatles zu illustrieren; er selbst steuerte Bilder für die Texte bei, für die sich kein anderer der Künstler interessiert hatte. Das Ende der Beatles bedeutete auch das Ende für Aldridges Studio. Als letzte Arbeit hatte er ein Plakat für die Labour Party entworfen, das aufgrund seiner Veralberung von Oppositionspolitikern einmal mehr eine Kontroverse hervorrief. Aldridge kaufte ein großes Haus auf dem Land. In der ländlichen Abgeschiedenheit widmete er sich dem Studium englischer Kinderbücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert und fasste dann den Plan, das Buch »The Butterfly Ball and the Grasshopper’s Feast« von 1807 neue zu illustrieren. Als das Buch nach jahrelanger Arbeit erschien, entwickelte es sich in kürzester Zeit zum Bestseller; später veröffentlichte Aldridge mit »The Peacock Party« und »The Lion’s Cavalcade« weitere opulent illustrierte Bücher. In gleicher Manier zeichnete er das Cover für Elton Johns LP »Captain Fantastic and the Brown Dirt Cowboy« (1975). Mit Elton John wollte er auch einen Film aus dem Stoff machen, die Arbeiten daran waren bereits weit gediehen, als John seine Bisexualität öffentlich machte und die amerikanische Filmgesellschaft daraufhin den Film aufgab. Aldridge wandte sich wieder dem Grafik-Design zu und wurde von den Betreibern der Hardrock-Cafe-Kette mit der Gestaltung des grafischen Erscheinungsbildes des Unternehmens beauftragt; von Aldridge stammt das bekannte Logo der Lokale. Aldridge blieb bis in jüngste Zeit dem Musikgeschäft verbunden und wurde beispielsweise von Michael Wainwright wie der Metalband Incubus für die Gestaltung von CD-Covers und –Booklets engagiert.

Alan Aldridge gehört zu den wenigen Künstlern, die in den 1960er-Jahren das Grafik-Design maßgeblich bestimmten und über die Zeit der Swingin’ Sixties hinaus bekannt blieben. Mit anderen ist Aldridge auch dafür verantwortlich, dass das Grafik-Design vom Ruch der bloßen »Gebrauchs-Grafik« befreit wurde und zu einer eigenständigen Kunstform werden konnte. Aldridges Arbeiten sind zwar Zeugnisse ihrer Zeit, da er aber auf die Werke von Illustratoren früherer Zeiten zurückgriff – allen voran John Tenniel –, und an der Malerei der Surrealisten ebenso interessiert war wie an den typografischen Spezialitäten unbekannter Maler von Zirkus- und Jahrmarktsplakaten, reichen sie über gängige Flower-Power-Illustrationen hinaus – er gab vielen Nachahmern Inspiration. Seine Bilder zeigen immer barocke Überfülle, sind mal offen, mal versteckt provokativ und technisch von höchster Raffinesse. Die Illustrationen entstehen in einem komplizierten Wechselspiel von schwarz-weißer Zeichnung, vorläufiger Colorierung mit Brush Pens, am Computer bearbeiteten Scans und überlegter Farbgebung. Der mehrfach ausgezeichnete Aldridge – unter anderem erhielt er 1973 den Whitbread Children’s Book Award – wurde 2008 mit einer Ausstellung im Londoner Design Museum geehrt.

Zu Aldridges acht Kindern gehören der Fotograf Miles Aldridge und die Models Saffron Aldridge, Lily Aldridge und Ruby Aldridge.

Diskografie

The Who: A Quick One (1966)
Elton John: Captain Fantastic and the Brown Dirt Cowboy (1975)

Literatur

Aldridge, Alan (Hg.): The Beatles Illustrated Lyrics 1; London 1969
Aldridge, Alan (Hg.): The Beatles Illustrated Lyrics 2; London 1971
Aldrige, Alan: Man with Kaleidoscope Eyes: The Art of Alan Aldridge; London 2008; Dt.: Mein Design; Hamburg 2009

Website

alanaldridge.net (Offizielle Website des britischen Illustrators und Buchautors Alan Aldridge)