Beat-Club

Beat-Club, deutsche Fernsehserie, die sich der seit 1965 der Rock- und Popmusik widmete, die Serie wurde von dem ARD-Mitglied Radio Bremen produziert und war die erste von einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender der Bundesrepublik ausgestrahlte Musiksendung für ein vornehmlich jugendliches Publikum; die Sendereihe wurde 1972 eingestellt.

Während in den 1950er-Jahren Rockmusik von dem öffentlich-rechtlich organisierten Medien – also Rundfunk und Fernsehen – weitgehend als überflüssiger, vielleicht sogar gefährlicher Klamauk abgetan wurde, sah sich die Leitung der ARD Anfang der 1960er-Jahre durch den Erfolg britischer Beat- und amerikanischer Pop- und Rockmusik unter Druck gesetzt, selbst entsprechende Angebote zu präsentieren. Bis dahin waren Jugendliche nicht als eigene Zielgruppe erkannt worden und daher auch nicht auf ihre Bedürfnisse Rücksicht genommen worden. Noch Mitte der 1960er-Jahre gab es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen lediglich einige Hitparaden, einmal wöchentlich ausgestrahlt, beziehungsweise überhaupt keine Musiksendungen für Jugendliche. Die Ignoranz von ARD und später ZDF führte dazu, dass das jugendliche Publikum je nach Region zum britischen Soldatensender BFBS, dem amerikanischen Pendant AFN oder zu Radio Luxemburg abwanderte. An den üblichen Schlagersendungen zeigten sich Jugendlich nicht interessiert.

So wurde der 1965 entwickelte Plan von Michael Leckebusch, seinerzeit Redakteur bei Radio Bremen, und dem Disc Jockey Gerhard Augustin noch im selben Jahr in die Tat umgesetzt. Leckebuschs Konzept orientierte sich an ähnliche Fernsehsendung etwa aus den USA – »American Bandstand« und der britischen »Ready Steady Go!«, weniger an »Top of the Pops« der BBC; in den USA und in Großbritannien waren diese Sendungen äußerst beliebt.

Die live produzierte Sendung war American Bandstand und RSG! angeglichen: Die engagierten Bands traten vor jugendlichen Zuhörern auf, die wie in einer Diskothek im Raum stand oder saß und die Möglichkeit zum Tanzen hatte; bis 1970 wirkten auch Go-Go-Girls an der Sendung mit. Die für den Auftritt in der Sendung verpflichteten Bands mimten ihre Musik nur und bewegten sich mit ihren Instrumenten zum Playback. Als Ansager der Bands – von Moderation konnte keine Rede sein – fungierte neben Augustin die Studentin Uschi Nerke; Augustin räumte 1966 seinen Platz für den Briten Dave Lee Travis, der durch seinen Einsatz bei dem Piratensender Radio Caroline die nötige Medienerfahrung mitbrachte. Nerke wurde gleichermaßen von weiblichen wie männlichen Zuschauern der Sendung als Maßstab betrachtet, wie eine junge Frau Mitte der 1960er-Jahre auszusehen hatte und nicht wenige Zuschauerinnen eiferten ihr nach. Travis wechselte 1969 zur BBC und wurde für einige Zeit durch Dave Dee von der britischen Rockband Dave Dee, Dozy Beaky Mick & Tich ersetzt. Zwischen den Auftritten der tatsächlich anwesenden Rock- und Popmusikern wurden kleine Promotion-Filme an Rockgruppen eingestreut. Mitunter – etwa wenn Uschi Nerke in Swingin’-London begleitet von einem Kamerateam auf Shopping-Tour geschickt wurde – näherte sich der Beat-Club einer Magazinsendung an. Als gegen Ende der 1960er-Jahre elektronische Bildsteuerungs- und Bildeffektgeräte aufkamen, machte Leckebusch von den sich bietenden Möglichkeiten vehement Gebrauch, sich dabei an der Bildwelt des Psychedelic Rock orientierend. Ab 1970 wurde die einmal monatlich ausgestrahlte Sendung in Farbe produziert.

Natürlich war es Mitte der 1960er-Jahre noch ein Wagnis, eine derartige Sendung ins öffentlich-rechtliche Fernsehen zu heben, zumal gerade in den Magazinbeiträgen durchaus auf die Gedankenwelt der jungen Zuschauer eingegangen wurde. So erhielt der Sender Radio Bremen, dem in späteren Jahren der finanziell potente WDR zur Seite stand, auch eine Reihe von Zuschauerbreifen, die wenigstens Ablehnung verrieten – wenn nicht Schlimmeres.

Gegen Ende des Jahrzehnts wurde der Beat-Club der sich verändernden Rezeption von Rockmusik angepasst. Es wurde auf das Publikum verzichtet, und die Musiker traten in einer Art Arbeitsatmosphäre auf, angehalten, live zu musizieren. 1972 wurde die Reihe nach der 83. Folge beendet. Danach musste das jugendliche Publikum mit dem Musikladen zufrieden geben, der nicht so eindeutig auf jüngere Fernsehzuschauer zugeschnitten war.

Im Beat-Club, dessen Folgen im Übrigen auf einer Reihe DVDs dokumentiert ist, traten zahlreiche Größen der Rock- und Popmusik auf, so etwa The Liverbirds, Ian & The Zodiacs, Gerry & The Pacemakers, The Rattles, The Lords, Chris Andrews, Sandie Shaw, The German Bonds, The Pretty Things, The Hollies, The Monks, Sonny & Cher, Easybeats, The Who, The Animals, Cream, Percy Sledge, Jimi Hendrix, Smoke, Jimmy Cliff, Bee Gees, The Kinks, The Small Faces, The Herd, Amen Coner, Canned Heat, Juie Driscoll & Brian Auger, Manfred Mann, Gene Pitney, Deep Purple, Humble Pie, The Beach Boys, Procol Haurm, Status Quo, Free, Atomic Rooster, Jethro Tull, Santana, Family, Black Sabbath, Renaissance, Johnny Winter, The Move, Led Zeppelin, Mott The Hoople, Beggars Opera, Caravan, Osibisa, Fleetwood Mac. Frumpy, Kraftwerk, Rory Gallagher, Yes, Emerson, Lake & Palmer, Soft Machine, Ike & Tina Turner, Joe Cocker, Chuck Berry, Captain Beefheart, Grateful Dead, MC5, Poco, Flo and Eddie, Alice Cooper, Byrds, Johnny Cash und weitere mehr.

Literatur

  • Schmidt, Thorsten (Hrsg.): Beat-Club – alle Sendungen – alle Stars – alle Songs; Bremen 2005
  • Nerke, Uschi: 40 Jahre mein Beat-Club – Meine persönlichen Erlebnisse und Erinnerungen; Braunschweig 2005

Weblink

http://www.tv.com/shows/beat-club/episodes/ (Website mit Auflistung sämtlicher Folgen der Musiksendung Beat-Club