Billboard Magazine

Billboard Magazine, englisch für »Werbetafel«, amerikanische Musikzeitschrift, 1894 von William H. Donaldson und James H. Hennegan unter dem Titel Billboard Advertising in Cincinnati gegründet; die Zeitschrift widmet sich dem Schallplattengeschäft und gilt wegen seiner Hitparaden als das wichtigste Blatt der Branche.

Das Magazin war zunächst als Unterhaltungsblatt gedacht, in dem der redaktionelle Teil das Beiwerk für die Inserate war. Zunehmend widmete sich die Zeitschrift der Unterhaltungsindustrie, in der die Schallplatte als Wirtschaftsgut eine schnell wachsende Rolle spielte. Die Leitung des Magazins erkannte die Bedeutung dieser Entwicklung und legte einen Schwerpunkt auf die Berichterstattung aus diesem Bereich. Dabei ging es weniger um Musik und deren Urheber, als um die Musik als Ware, um Neuerscheinungen auf dem Plattenmarkt und letzten Endes um den geschäftlichen Erfolg, den man im Musikgeschäft haben konnte.

Der Erfolg von Schallplatten wurde Mitte der 1930er-Jahre statistisch gemessen, in dem die Verkaufszahlen von Schallplatten erfasst wurden. 1936 veröffentlichte Billboard die erste Hitparade, Chart genannt. Im Laufe der Jahre wurden diese Statistiken ausgedehnt und aufgefächert, so dass Billboard Charts in diversen Kategorien unter diversen Themen veröffentlicht, darunter auch Charts aus dem Ausland. Von Bedeutung sind indes im Grunde genommen nur zwei: Die Top 100, in denen die Single-Verkäufe erfasst wurden, und die Top 200 in denen sich die Verkaufszahlen von LPs widerspiegeln. Aus den Top 100 werden weitere Charts gezogen, etwa die Top 10, die Top 20 und die Top 40. Von Gewicht sind auch die so genannten Hot 100, eine Hitparade der Singles, die am häufigsten im Rundfunk gespielt und verkauft wurden. Interessant für die Statistik ist dabei nur die A-Seite der Single. Bei thematisch anders angelegten Charts kann es dagegen durchaus sein, dass der Tonträger als Ganzes zählt. Die Top 100 werden seit November 1955 wöchentlich veröffentlicht.

Der nüchterne Blick auf die Verkaufszahl bezog sich dabei stets auf die ausgelieferten Platten, nicht aber auf die, die tatsächlich verkauft wurden. Dennoch gelten die Billboard-Charts als Maßstab der gesamten Schallplatten-Branche, wenn auch außerhalb der USA ähnliche Charts zu abweichenden Gewichtungen kommen. Seit 1990 wird allerdings ein genaueres System verwendet, das nicht auf dem Ausfüllen von Fragebogen – die die Schallplattenhändler und Rundfunkredakteure erhielten –, sondern eine technische Basis hat: Beim Verkauf werden über den Strichcode auch Daten für Billboard erfasst, beim Rundfunk ist es eine Kennzeichnung des jeweiligen Songs, die im Rahmen des Broadcast Data Systems ermittelt und an Billboard gesandt wird.

Für die Schallplattenindustrie sind die Charts von erheblicher Bedeutung, gestatten sie doch einen einigermaßen neutralen Blick auf die Konkurrenz und die eigene Stellung im Markt. Für den Musikhistoriker sind die Hitparaden von größtem Wert, denn sie geben abseits der Propaganda für Musiker, Bands und einzelne Schallplatten die tatsächliche Resonanz beim Publikum wieder. So kann es durchaus sein, dass eine Single im Rundfunk oft gespielt wird – also auf den vorderen Rängen der Hot 100 landet –, aber weniger verkauft wird und sich daher in den Top 100 weiter unten auf der Liste befindet. Die Auffächerung in viele, thematisch oft sehr begrenzte Charts, ist daher nicht detailbesessene Leidenschaft für die Musik, sondern Verfeinerung der Marktforschungsinstrumente. Kein Zufall auch, dass die Messmethoden immer wieder mal modifiziert werden. Seit 2005 werden beispielsweise auch Verkäufe über Online-Portale registriert und ausgewertet.

Billboard ist daher auch weniger für den Schallplattenkäufer, als vielmehr den Schallplattenverkäufer gedacht und unentbehrliches Informationsmittel für Manager der Schallplattenindustrie, Schallplattenhändler und Mitarbeiter von Medien. Lange Zeit erschien das nunmehr in New York ansässige Blatt monatlich, längst aber schon wöchentlich. Dependancen der Zeitschrift befinden sich in Los Angeles, Washington, Tokio und London. Alljährlich vergibt das Magazin den Billboard Music Award in mehr als 30 Kategorien. Entsprechend der Entwicklung der Industrie beschränkt sich Billboard auch nicht mehr nur auf Musik, sondern berücksichtigt auch den Film-Markt und den Verkauf von audiovisuellen Medien im Internet.

Billboard wurde 2005 von der niederländischen Nielsen Company gekauft, die vor allem in der Marktforschung tätig ist und entsprechende Instrumente in vielen Bereichen der Industrie anbietet. Nielsen führte auch die Scan-Technik für die Datenerfassung wie das Broadcast Data System ein. Billboard gehörte zu dem Bereich Nielsen Business Media. Nielsen verkaufte den Unternehmensteil und damit Billboard 2009 an die Investorengruppe e5 Global Media, die sich noch im selben Jahr in Prometheus Global Media umbenannte. Zu Billboard gehört auch ein Verlag, der unter dem Namen Billboard Books ein Imprint der Crown Publishing Group ist, die ihrerseits zu Random House gehört. In dem Verlag werden unter anderem Charts vergangener Tage in Buchform veröffentlicht, aber auch Anleitungen, wie man mit Musik im Schallplattengeschäft erfolgreich sein kann – bis hin zu Ratschlägen, wie man Songs schreibt, die sich gut verkaufen.

Literatur

Miles, Betty T./Miles, Daniel J./Miles, Martin J.: The Miles Chart Display Volume 1 1955-1970; Boulder 1973
Miles, Daniel J./Miles, Martin J.: The Miles Chart Display Volume 2 1971-1975; New York 1977
Whitburn, Joel: The Billboard Book of Top 40 Hits: Complete Chart Information about American’s Most Popular Songs and Artists 1955-2003; New York 2004

Weblink

www.billboard.com (Website des amerikanischen Musikmarkt-Magazins Billboard)