Blindfold-Test

Blindfold-Test, auch nur Blindfold, von Mittelenglisch blindfellen etwa für »Augenbinde« und test für »Prüfung«, Interview-Form in Musikzeitschriften, bei denen der Interviewte – meist ein Musiker – von Schallplatten vorgespielte Musik erkennen und beurteilen soll; es handelt sich also im Grunde um eine journalistische Form.

Dabei wird dem Musiker die jeweilige Platte natürlich nicht gezeigt. Meist werden ihm Ausschnitte aus zehn verschiedenen Alben vorgespielt. Nach jedem Beispiel kann er zunächst versuchen, die Urheber des Gehörten zu identifizieren. Gleichgültig, ob ihm das gelingt oder nicht – in letzterem Falle wird ihm natürlich der Urheber mitgeteilt – muss er noch Stellung zu dem Gehörten nehmen.

In Anlehnung an die amerikanische Jazz-Zeitschrift »Down Beat« enthielt die deutsche Musikzeitschrift »Sounds« – seinerzeit noch eine Zeitschrift für Rock und Jazz – häufig Blindfold Tests, denen bekannte Rockmusiker unterzogen wurden. Die deutschsprachige Musikzeitschrift »Musik Express/Sounds« führte in Fortsetzung dieser Einrichtung regelmäßig Blindfold-Tests mit Rockmusikern durch, denen allerdings das mitunter bierernste Gehabe mancher von Jazz-Zeitschriften veranstalteten Blindfolds fehlt.

Für den Leser sind die keineswegs einfach zu absolvierenden Blindfold-Tests allemal interessant, oft aber auch aufschlussreich. Musiker decken nämlich einerseits ihre Kenntnisse mehr oder weniger aktueller Musik auf, häufig aber auch sehr eigenwillige Ansichten über das Gehörte. Oft genug wird auch die Beobachtung bestätigt, dass es Musiker gibt, die sich sehr genau in dem Bereich von Rockmusik auskennen, dem sie selbst angehören, während andere ein ausgesprochen geringes Interesse an der Musik anderer erkennen lassen – oder erkennen lassen wollen.