Fanzine

Fanzine, Kunstwort, zusammengesetzt aus englisch fan für »Fan, Anhänger« und magazine für »Magazin« im Sinne von Zeitschrift, Zeitschrift, die von Anhängern einer bestimmten kulturell aktiven Gruppe oder eines kulturellen Phänomens auf nicht-professioneller Basis herausgegeben wird: der Terminus ist nicht auf die Musik beschränkt, doch spielten zumal in der Rock und Popmusik Fanzines eine Rolle.

In der Musik widmen sich Fanzines entweder einem bestimmten einzelnen Musiker oder einer Band oder aber einem Genre, wie beispielsweise Rock’n’Roll, Psychedelic Rock oder Punk. In diesen früher mittels Umdruckverfahren, später per Fotokopie vervielfältigten Zeitschriften schreiben Fans für Fans, eine Redaktion im eigentlichen Sinne wird mitunter als überflüssig erachtet, die Artikel erscheinen also so wie vom Autor geliefert. Oft lehnen sich die Fanzines in Typografie, Layout, Format an die Machart etablierte Musikzeitschriften an, mitunter wird aber gerade deren Gestaltung als zu starr und schematisch abgelehnt und radikal andere Gestaltungen favorisiert. Fanzines der 1970er- und beginnenden 1980er-Jahren etwa, deren Thema Punk und New Wave war, hoben sich in ihrem äußeren Auftreten vollkommen von den gängigen professionellen Magazine ab. Oft allerdings wurden diese Neuerungen von den professionellen Magazinen übernommen und gelangten auf diesem Wege in den Kanon der Gestaltungsmöglichkeiten von Druckerzeugnissen überhaupt. In diesem Sinne können Fanzines also durchaus innovativ und avantgardistisch sein.

Da Fanzines billig produziert sein müssen – ihre Urheber verfügen in der Regel nicht über die finanziellen Mittel, die Zeitschriften professionell drucken zu lassen – werden sie meist auf einem gängigen Papierformat mittels Kopiergeräten vervielfältigt. Als Farbe kommt daher meistens lediglich Schwarz in Frage, so dass auch Abbildungen stets in Schwarz-Weiß gehalten sind. Mitunter wurde und wird farbiges Papier als Druckmedium benutzt. Die Texte wurden früher mit der Schreibmaschine geschrieben, später natürlich mithilfe des Computers, wie ohnehin die technischen Möglichkeiten des Desktop Publishings auch von den Herausgebern von Fanzines genutzt wurden und werden. Fotos entnahmen die Autoren von Fanzines von anderen Medien, also professionellen Zeitschriften oder Platten-Covers; Urheberrechte werden dabei nicht weiter beachtet.

Problematisch war und ist der Vertrieb von Fanzines. Es gab Fanzines, die nur für einen kleinen Kreis untereinander bekannter Fans gemacht wurden. Andere waren in bestimmten Plattenläden zu bekommen oder wurden auch auf Plattenbörsen oder im Umfeld von Konzerten verkauft, wieder andere waren über Mailorder-Plattenhändler zu erhalten. Manche Fanzines erreichten einen semiprofessionellen Status und waren etwa in politisch links ausgerichtete Buchhandlungen zu bekommen. Manche Fanzines werden von Fan-Clubs herausgegeben und sind dann nur den Mitgliedern des Fan-Clubs zugänglich. Einige wenige Fanzines wurden nach einigen Jahren zu professionellen Zeitschriften, oft genug aber um den Preis, dass der ursprüngliche Charakter verloren ging. Fanzines erscheinen unregelmäßig, mitunter über Jahre, erreichen aber wegen der Unregelmäßigkeit ihres Erscheinens dennoch keine hohe Zahl an Ausgaben, oft stellt ein Fanzine schon nach wenigen Ausgaben sein Erscheinen ein. Insgesamt sind Fanzines immer Ausdruck einer sich bildenden Subkultur.

Zeitschriften, die von Amateuren herausgegeben wurden und alle Kriterien für ein Fanzine erfüllen, gab es schon im 19. Jahrhundert. Die Voraussetzung für das Entstehen eines Fanzines ist die Existenz eines professionellen Zeitschriftenmarktes, durch dessen Erzeugnisse sich die Urheber von Fanzines sich nicht berücksichtigt fühlen; dieser Markt entstand eigentlich erst im 19. Jahrhundert und so waren die ersten Fanzines – wenn auch nicht unter dieser Bezeichnung – privat herausgegebene Literaturzeitschriften. Im 20. Jahrhundert erschienen die meisten Fanzines allerdings im Bereich der so genannten Pop-Kultur, widmeten sich als neben verschiedenen Strömungen der Rock- und Pomusik etwa Science Fiction, in jüngerer Zeit auch Computer-Spielen.

Viele Fanzines blieben und bleiben einem größeren Publikum unbekannt. Einige wenige allerdings gingen in die Geschichte der Rockmusik ein, so etwa das Punk-Fanzine »Sniffin Glue’«, das in Deptfort von Mark Perry herausgegeben wurde. Andere halbwegs bekannte Fanzines waren etwa »Blam!« in Großbritannien, »Peroxide« (GB), »Rox« (GB), »Chainsaw« (GB), »Dead Relix« (USA), »Flipside« (USA), »Slash« (USA), »Maximum RocknRoll« (USA), später »Fracture« (GB), »Reason To Believe« (GB), »Controversy« (USA), »Madonnale« (USA) und »Real Shocks« (D). In der Bundesrepublik werden Fanzines von dem 1988 gegründeten Verein »Archiv der Jugendkulturen« in Berlin gesammelt. Ein Fanzine, »Rocking Regards« gab einst auch Götz Alsmann heraus.

Seitdem sich das Internet als Plattform für Texte jeder Art etablieren konnte, sind Fanzines – dann E-Zine genannt – auch hier in großer Zahl zu finden. Sie sind wie die Fanzines entweder einem kompletten Genre gewidmet oder aber einzelnen Musikern oder Bands. Als E-Zine geben sich allerdings auch einige von etablierten professionellen Musikzeitschriften eingerichtete Blogs aus.

Literatur

Niknam, Mansur: Fanzines, in: Rock Session 4 – Magazin der populären Musik; Reinbek 1980

Weblinks

www.jugendkulturen.de (Website des Archivs für Jugendkulturen)
musicmoz.org/Styles/rock/Magazines_and_E-zines/ (Website mit einer umfangreichen Link-Liste zu e-Zines)