MTV

MTV, Abkürzung von Music Televison, Kette von Fernsehsendern, die von dem Unternehmen MTV Networks mit Sitz in New York betrieben wird; MTV Networks gehört dem amerikanischen Medienkonzern Viacom (Video & Audio Communications). MTV trat im August 1981 erstmals an die Öffentlichkeit.

Das Angebot des Senders bestand zu Anfang aus Video-Clips, die dem Sender von der Schallplattenindustrie zur Verfügung gestellt wurden. Die Clips wurden von so genannten Video Jockeys angekündigt und in Maßen auch kommentiert. Unterbrochen wurde die Kette der Videos von Werbung. Das Konzept wurde in den zahlreichen Ländern, in denen MTV Networks ebenfalls auftrat, je nach regionalen Umständen modifiziert.

Die Idee, Musik zum Inhalt von kleinen Filmen zu machen und dann in einer Art Hit-Parade auszustrahlen, war 1981 nicht neu, wurde von MTV aber aggressiv beworben und schnell international umgesetzt, so dass der Hit der britischen Formation The Buggles »Video Killed the Radio Star« (1979) – das dazugehörige Video war das erste von MTV ausgestrahlte Musikvideo – sich bald zu bewahrheiten schien. MTV selbst nahm sich etwa früher im Kabelfernsehen der USA verbreitete Musik-Sendungen zum Vorbild, vor allem aber die TV-Serie »Pop Clips«, die der Country-Musiker Mike Nesmith (* 1942), früher auch Mitglied der Casting-Band The Monkees, entwickelt hatte. Nesmith hatte schon Ende der 1970er-Jahre die Bedeutung von Video-Clips erkannt und selbst einige kleine Filme produziert.

Der Start von MTV verlief einigermaßen schwerfällig. Nur wenige Abonnenten eines Kabelfernseh-Netzes in New Jersey konnten die ersten Sendungen sehen, mitunter musste das Programm unterbrochen werden, um die auf Kassetten gelieferten Videos auszutauschen. Die Schwierigkeiten zu Beginn der Aktivitäten des Senders waren aber schnell ausgeräumt und MTV wurde für Musiker und Bands eine wichtige Einrichtung, um überhaupt bekannt zu werden. Die Karrieren von etwa Eurythmics, Culture Club, The Police, The Fixx, Prince, Ultravox, Adam Ant, Duran Duran, The Cars und weiteren mehr, wären ohne den Einsatz von Videos, die dann von MTV übernommen wurden, undenkbar. Bald sahen auch etablierte Rock- und Popmusiker die Möglichkeiten des Musikfernsehens und ließen ihre Videos von MTV ausstrahlen. So waren die Videos von neuen Songs etwa von David Bowie, Dire Straits, Rush, Journey, Billy Joel, Robert Palmer, Rod Stewart, The Who und Asia – um nur wenige zu nennen – bald ebenfalls Teil des MTV-Programms. Wie bedeutend MTV in den 1980er-Jahren war, lässt sich auch daran ablesen, dass die Musiker der Heavy-Metal-Band Kiss MTV als Plattform wählten, ihr Make-up erstmals öffentlich abzulegen. Der stetig wachsende Erfolg des Senders, der sein Programm kostenlos ausstrahlte, veranlasst die Leitung dem ohnehin nicht geringen Selbstbewusstsein Taten folgen zu lassen: 1984 wurde der MTV Award eingeführt, ein Musikpreis, der bald einige Bedeutung erhielt. Wichtiger waren zunächst programmatische Neuerungen wie etwa die »Unplugged«-Reihe in den 1990er-Jahren: Rockmusiker und –bands spielten ihre Songs live im Studio vor einem kleinen Publikum – aber ausschließlich auf akustischen Instrumenten. Die fand zahlreiche Nachahmer, führte auch zur Veröffentlichung einiger der Konzert-Mitschnitte als CD, verdeckte aber auch eine Zeit lang, dass das Ausstrahlen von Musikvideos 24 Stunden lang an jedem Tag der Woche sich abzunutzen begann. Die Leitung von MTV weitete deshalb das Programm, das nichts mit Musik zu tun hatte, aus: Trickfilm-Serien (»Beavis and Butthead«, »Daria«) wechselten mit Comedy-Einlagen, so genannte Reality Shows mit Home Stories mehr oder weniger bekannter Musiker, Stars und Sternchen. Längst hatte auch das musikalische Beiwerk gewechselt: War MTV zunächst ein Sender, der vor allem die Pop-Produktionen weißer Bands und Musiker favorisiert und daneben diverse Nischen bis hin zu Heavy-Metal-Einschüben besetzt hatte, stellten nun Hiphop-Musiker einen großen Anteil des Programms – vor allem deren Erfolgs-Insignien: Dicke Goldketten, getunte Autos und leicht bekleidete junge Frauen. An dieser Schraube wurde weiter gedreht, bis die gespielt pubertären Späße der Protagonisten von »Jack Ass« allzu deutlich zeigten, dass der Sender auf seinem Weg zu einem »jugend-zentrierten« Programm ins Irre gelaufen war. Der Entschluss, aus dem mittlerweile in die Bedeutungslosigkeit gesunkenen Sender einen Sender wie jeden anderen zu machen, gipfelte schließlich darin, einerseits nicht mehr kostenlos zur Verfügung zu stehen, andererseits den Hinweis »Music Television« aus der Bezeichnung des Senders zu entfernen. Der Zusammenhang von Musik-Videos und Verkauf von Schallplatten war zu dieser Zeit, 2010, ohnehin nicht mehr erkennbar. Obwohl MTV im Grunde nie etwas anderes war als eine Werbe-Plattform für die Produkte der Musikindustrie, konnte auch etwa »Heavy Rotation« – das häufige Ausstrahlen ein- und desselben Musik-Videos mehrmals am Tag – nicht verhindern, dass der Musikmarkt als Ganzes, wenn auch aus anderen Gründe, in eine dauerhafte Krise geriet.

Nach wie vor aber ist MTV auf dem Medienmarkt natürlich präsent: Die zu Viacom gehörende Firma hat neben den ohnehin zahlreichen regionalen Ablegern von MTV diverse andere Sender gegründet oder übernommen. So gehören zu dem Sender-Konglomerat MTV2, mtvU, VH1, Nickelodeon und weitere mehr. Der 1993 von Dieter Gorny in Köln gegründete Musiksender Viva war als Konkurrenz zu MTV gedacht, konnte mit dem amerikanischen Vorbild Anfang der 1990er-Jahre auch gleich ziehen. 2004 übernahm MTV die Viva-Gruppe, zu der mittlerweile neben Viva2 – später viva Plus – auch weitere Viva-Ableger in Österreich, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern gehörten. Empfangen werden kann MTV über Satellit, Kabel und Internet, doch seit 2011 ist das MTV-Programm nicht mehr gratis zu sehen und zu hören. Einige etablierte Reihen MTVs gingen an Viva.

Sowohl bei MTV als auch bei Viva haben einige der dort beschäftigten VJs später Karriere machen können; in erster Linie sind hier die Schauspielerin Heike Makatsch, die Rundfunkmoderatorin und Schriftstellerin Sarah Kuttner, die Schauspielerin Jessica Schwarz, die Schriftstellerin und Moderatorin Charlotte Roche, die Schauspielerin Nora Tschirner, der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre und der Comedian Oliver Pocher zu nennen. Populär beim deutschen Publikum wurde auch die in Hamburg geborene Moderatorin Kristiane Backer (* 1965), von 1989 bis 1994 bei MTV Europe als Moderatorin engagiert.

Literatur

Altrogge, Michael: Tönende Bilder: Interdisziplinäre Studie zu Musik und Bildern in Videoclips und ihrer Bedeutung für Jugendliche, Bände 1-3, Berlin 2001
Kirsch, Arlett: Musik im Fernsehen. Eine auditive Darstellungsform in einem audiovisuellen Medium; Berlin 2002
Helms, Dietrich/Phleps, Thomas (HG.): Clipped Differences – Geschlechterrepräsentation im Musikvideo, Bielefeld 2003