Napster

Napster, von englisch nap für »Nickerchen«, Software für eine Musiktauschbörse, 1998 von dem Amerikaner Shawn Fanning (* 1980) programmiert. Der Name geht auf die laxe Haltung Fannings hinsichtlich seiner Frisur zurück, die stets den Eindruck erweckte, ihr Besitzer habe gerade ein Nickerchen gehalten; der daraus resultierende Spitzname Fannings ging auf die Software über.

Bei der von Fanning ersonnenen Software geht es darum, komprimierte Musikdateien auszutauschen. Das Prinzip ist einfach: Die Software musste der interessierte Nutzer auf seinem Computer installieren; die Software suchte auf dem Computer abgelegte mp3-Dateien und meldete deren Existenz an eine zentralen Server, dies mitsamt der IP-Adresse des Computers. Andere Nutzer der Software, die auf der Suche nach einem bestimmten Musikstück waren, konnten sich auf diese Weise informieren, wo dieses Musikstück als mp3-Datei vorlag und sich – quasi »von Kumpel zu Kumpel« mit dem anbietenden Computer verbinden und die Datei auf den eigenen Rechner kopieren. Derartige Peer-to-peer-Netzwerke funktionieren um so besser, je mehr Peers, also Teilnehmer, die Software nutzen, sich anmelden und das Angebot nicht nur nutzen, sondern selbst auch etwas beisteuern. Da das Angebot von Napster kostenlos war und viele Computer-Besitzer offensichtlich stark daran interessiert waren, Musik kostenfrei erhalten zu können, wuchs die Teilnehmerzahl von Napster in kurzer Zeit bis 2001 auf eine zweistellige Millionenzahl.

Es war abzusehen, dass der Schallplattenindustrie dieses Netzwerk nicht genehm sein konnte. Dennoch verhielt sich die Industrie indifferent: Während einige Firmen von Urheberrechtsverletzung und Diebstahl sprachen, versuchte Bertelsmann unter seinem Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff, die Akzeptanz der Tauschbörse für zukünftige Kundenakquise eines Online-Musikhandels zu nutzen und gab Fanning 2000 einen Kredit, nicht zuletzt, um es diesem zu ermöglichen, Napster zu einer legalen Musikplattform umzugestalten. Als Gegenleistung sollte der Kredit später in einen Anteil Bertelsmanns an Napster umgewandelt werden. Dieser Plan schlug fehl, so dass Napster in der ursprünglichen Form 2001 seine Aktivitäten beendete und 2002 Konkurs anmeldete.

Die der Plattform kritisch gegenüberstehende Phonoindustrie hatte in der Organisation Napsters selbst einen Punkt gefunden, der juristisches Einschreiten möglich machte: Der Napster-Server fungierte quasi als Makler, der illegales Handeln erst möglich machte.

Die Idee des Peer-to-peer-Sharings blieb natürlich bestehen, wurde und wird von diversen Nachfolgern Napsters in abgewandelter Form kopiert; meist wird es dabei vermieden, einen zentralen Dienst bereit zu stellen. Die Software Fannings ging im so genannten OpenNap auf; mit Hilfe der Software ist es nunmehr möglich, nicht nur mp3-Dateien, sondern beliebige Daten von Peer-to-peer auszutauschen.

Der Name Napster wie auch das Logo – ein Katzenkopf mit Kopfhörer – blieb erhalten, und gehört zu der amerikanischen Elektronik-Einzelhandelskette Best Buy mit Sitz in Los Angeles; die deutsche Dependance des Unternehmens ist in Frankfurt am Main ansässig.