Pop Idol

Pop Idol, britische Fernsehserie, seit 2001 von dem britischen Sender ITV ausgestrahlt; die Serie bietet in Form eines Wettbewerbs musikalischen Talenten die Möglichkeit, eventuell im Musikgeschäft Fuß zu fassen.

Urheber der Idol-Serie ist der britische Manager Simon Fuller (* 1960), der bereits die Karriere der Vokalgruppe Spice Girls in die Wege leitete. Fuller vergab die Idee an diverse Lizenznehmer in vielen Ländern, so dass es American Idol (USA), Deutschland sucht den Superstar (Deutschland), Indian Idol (Indien), Australian Idol, Idolos Brazil, Canadian Idol und weitere mehr gibt. Pop Idol indes war nur bis 2003 im Programm des Senders und wurde danach von dem ähnliche organisierten Wettbewerb The X Factor abgelöst.

Die Idee ist stets dieselbe, wenn auch in den einzelnen Ländern geringfügig modifiziert, um den lokalen Gegebenheiten gerecht zu werden: In einem Casting – das im Vorlauf der jeweiligen Sendestaffel etwa in Verbrauchermärkten abgehalten wird und an dem jedermann teilnehmen kann – werden bis zu 12 Teilnehmer der mehrteiligen Endrunde ausgewählt; diese Vor-Castings ziehen Tausende an. In der Sendung stehen die Probanden zum einen einer Jury, zum anderen dem Fernsehpublikum gegenüber. Die stets relativ kleine Jury – meist sind es drei oder vier Personen – setzt sich aus mehr oder weniger Sachverständigen des Show- und Musikgeschäfts zusammen, also etwa einem Manager der Schallplattenindustrie, einem Sänger oder einer Sängerin und einem Juror, der sich für Aussehen und Auftreten der Wettbewerbsteilnehmer interessiert. Bei Pop Idol saßen in der Jury etwa der Produzent Simon Cowell, der Song-Schreiber und Produzent Peter Watermann von Stock Aitken Waterman, Nicki Chapman, TV-Moderatorin von Popmusik-Sendungen, und der Radio-DJ Neil Fox. Bei American Idol gehörten immerhin die Sängerin und Choreografin Paula Abdul, später auch die Sängerin und Schauspielerin Jennifer Lopez sowie der Rocksänger Steven Tyler von Aerosmith, in Deutschland der Musiker und Produzent Dieter Bohlen zu den Jurys.

Die Probanden werden im Laufe der Serie mit diversen Aufgaben konfrontiert, in deren Mittelpunkt das Singen bekannter Songs im Karaoke-Stil gehört; meist werden stark gekürzte Fassungen vorgetragen. Der Unterhaltungswert der Sendung besteht nun darin, dass die Auftritte der Teilnehmer von der Jury mehr oder weniger gnadenlos – und unbekümmert um tiefer gehende Analysen des Gebotenen – kritisiert werden, nicht selten zur Schadenfreude des bei den Auftritten im Studio anwesenden Publikums. Doch entscheiden weder Jury noch Studiopublikum über Sieg oder Untergang der Wettbewerber, haben doch die Fernsehzuschauer daran einen wesentlichen Anteil, in dem sie der Sendeleitung mittels Handy-Anruf oder SMS ihre jeweiligen Favoriten mitteilen. Die Möglichkeit, sich am Geschehen zu beteiligen sorgte stets für ein großes Publikum, die Finalsendung der ersten Staffel von Pop Idol sahen angeblich mehr als 14 Millionen Briten.

Als Preis wird es dem Sieger ermöglicht, bei einer renommierten Plattenfirma eine unter professionellen Bedingungen produzierte CD veröffentlichen zu können. Den ersten Pop-Idol-Wettbewerb gewann der Sänger Will Young, den zweiten die Sängerin Michelle McManus. Viele Teilnehmer, selbst wenn sie nicht zu den Siegern gehörten, erhielten ebenfalls Plattenverträge und waren mitunter mit ein, zwei oder drei Singles tatsächlich erfolgreich.

Die Namen vieler Sängerinnen und Sänger haben sich indes nicht im Gedächtnis des Pop-Publikums halten können, wenn es auch einigen gelang, auf diese Weise tatsächlich eine Karriere im Musikgeschäft aufnehmen zu können. Zu diesen gehören etwa Will Young, Gewinner der ersten Pop-Idol-Staffel, Kelly Clarkson, eine der Siegerinnen bei American Idol und Leona Lewis – sie gewann die dritte Staffel der X-Faktor-Serie – und in Deutschland der Sänger Mark Medlok. Viele Teilnehmer erwartete zwar nicht die große Solo-Karriere, aber immerhin ein Auskommen etwa beim Theater, Film und vor allem im Musical-Bereich.

Die formale Idee der Idol-Wettbewerbe wie auch die Durchführung in einzelnen Ländern hat beständig Kritik hervorgerufen: Im Mittelpunkt stand einerseits der Umgang mit den Kandidaten, die häufig genug die Zielscheibe des Spotts von Juroren wie Publikum und begleitender Presse waren, andererseits aber der enge Rahmen, den die mit den Probanden abgeschlossenen Verträge setzten wie auch – zumal bei American Idol – allzu offen veranstaltetes Product Placement die Kritiker verärgerte. In der Bundesrepublik Deutschland, in der die Serie von Grundy Light Entertainment als Lizenznehmer produziert und von dem mehrheitlich zum Bertelsmann-Konzern gehörenden privaten Fernsehsender RTL ausgestrahlt wird, ist Dieter Bohlen der Publikumsgarant. Seine mehr oder weniger fundierten Kommentare werden zwar auf Kosten der Wettbewerber gemacht, meinen aber weniger diese, sondern weit mehr die Galerie.