Spex

Spex, deutsche Musikzeitschrift, 1980 von Gerald Hündgen, Clara Drechsler, Dirk Scheuring, Wilfried und Peter Bömmels in Köln gegründet; die Gründer fungierten auch als Herausgeber und Autoren der Zeitschrift.

Zunächst sollte die Zeitschrift den Titel 555 tragen, doch wurde dann der Name Spex gewählt, Spex ist die Umformung des Wortes specs, Abkürzung des englischen Wortes Spectacles für Brille. Die in einem sehr großen Format gedruckte Spex wurde über Schallplattenläden vertrieben, war bald aber auch im Bahnhofsbuchhandlung erhältlich und stellte in ihrer an die Musik der Zeit, Punk und New Wave, und deren optischer Aufbereitung angelehnter grafischen Gestaltung – es gab beispielsweise nur Schwarz-Weiß-Fotos – einen bewussten Gegenentwurf zu den seinerzeit den Markt beherrschenden Musikzeitschriften dar. Dennoch stand Spex bis zur Einstellung der deutschen Musikzeitschrift Sounds im Januar 1983 in deren Schatten, wenn die Zeitschrift auch binnen weniger Jahre eine feste Leserschaft für sich gewinnen konnte. Nachdem der Titel Sounds in den Besitz des Schweizer Medienunternehmers Jürgen Marquard übergegangen war, wechselten einige der Sounds-Autoren- und Redakteure zu Spex, darunter Detlef Diederichsen, Diedrich Diederichsen, Michael Ruff und Xao Seffcheque. Das Blatt bewährte sich bis Ende des Jahrzehnts als Sprungbrett für die beruflichen Karrieren diverser Mitarbeiter: Diedrich Diederichsen wurde 1985 Chefredakteur und war von 1988 bis 2000 Mitherausgeber, der DJ Hans Nieswandt schrieb für Spex und veröffentlichte später eigene Bücher, Dietmar Dath war Ende der 1990er-Jahre hier einige wenige Jahre Chefredakteur, die Schriftsteller Rainald Goetz und Joachim Lottmann schrieben für das Blatt.

Spex war zu keinem Zeitpunkt eine Publikation für das breite, einschlägig interessierte Publikum. Spätestens ab 1990 veränderte sich auch der Anspruch des Blattes allmählich, die Musik, von der stets nur ein Ausschnitt wahrgenommen worden war, geriet ein wenig in den Hintergrund, den Begriff Popkultur reklamierten Redaktion und Autoren nun für sich selbst und wurden Teil dessen, was sie als Gegenstand ihres Interesses vorgaben. So war es nur korrekt, dass der Untertitel des Blattes von »Musik zur Zeit« in »Magazin für Popkultur« geändert wurde. Als solches wurde es in den 1990er-Jahren zur Plattform von etwa Mark Terkessidis, Tom Holert, Sandra Grether, Kerstin Grether, Jutt Koether, Christoph Gurk, Wolfgang Tillmans und Marcel Beyer.

In den 1990er-Jahren allerdings war Spex auch ein Blatt von vielen. Hatte Sounds seinerzeit noch eine solitäre Stellung auf dem Zeitschriftenmarkt, so hatten sich die Musikpublikationen bis gegen Ende der 1990er-Jahre längst in diverse Bereiche aufgeteilt. Neben den Spezialzeitschriften für beispielsweise Heavy Metal, Jazz, Blues und weitere mehr hatte sich der gesamte Bereich der Musikerzeitschriften herausgebildet, unter denen die für elektronische Musik jeder Art wiederum eine eigene Richtung repräsentierten. Waren diese Zeitschriften schon eine lästige Konkurrenz für Spex, so machte das kostenlos verteilte Werbeblatt Intro der Zeitschrift auf ihrem eigenen Gebiet das Überleben schwer, zumal der eine oder andere für Mitarbeiter für beide Zeitschriften schrieb. Die Veränderungen im Musikmarkt bewirkten ihr Übriges, so dass Spex Anfang 2000 Konkurs anmeldete. Der Titel wurde von Piranha Media übernommen, deren Geschäftsführung unter Alexander Lacher die Herausgeberschaft des Blattes übernahm. Die 1995 gegründete und in München ansässige Firma gibt neben Spex weitere Musikblätter heraus, darunter Juice, Riddim, Groove, King, und Piranha – letztere kostenlose Kundenzeitschriften. Spex wurde an die avisierte Kundschaft angepasst, ein Bereich Mode eingeführt, Chefredakteur Dath durch Uwe Viehmann ausgetauscht. Hatten einige Mitarbeiter Spex schon verlassen, als Piranha die Zeitschrift übernahm, so mochte sich die Redaktion den für 2006 geplanten Umzug der Zeitschrift von Köln nach Berlin nicht mittragen. 2007 wurde die gesamte Redaktion entlassen, Spex nach Berlin verlegt und neu ausgerichtet. Die Chefredaktion wurde Max Dax übertragen, der als Redakteur und freier Journalist unter anderem für die Welt am Sonntag, taz, WOM-Journal und Sonic Presse gearbeitet hatte. War Spex bis dahin elfmal im Jahr erscheinen, so wurde nun auf eine zweimonatliche Erscheinungsweise umgestellt, der Schwerpunkt ein wenig wieder auf die Musik verlagert, insgesamt das Blatt optisch modernisiert und dem Zweck, auch als Werbeplattform zu dienen, angepasst. 2010 ging Dax und wurde durch die Redakteure Jan Kedves und Wibke Wetker ersetzt.

Spex war seinerzeit als Konkurrenz zur Sounds gegründet worden; zwar blieben viele Hörer von Rock- und Popmusik dem Blatt und den mitunter apodiktisch vorgetragenen Ansichten der Autoren fern – die Auflage bewegte sich im unteren fünfstelligen Bereich –, doch folgte Spex vor allem dem amerikanischen Musikmarkt nicht mit der Ergebenheit der Sounds. Prägend für das Blatt war mit Diedrich Diederichsen dennoch ein ehemaliger Sounds-Chefredakteur, der jahrelang direkt, später aber auch indirekt die Ausrichtung des Blattes als der deutschen Plattform der Popkultur zu verantworten hat. Der spätere Kurs des Blattes mit einer gewissen Hinwendung zu Anzeigenkunden durch Modestrecken und beigelegte CDs blieben ein Versuch, ein neues Publikum zu finden, dem weniger an Pop-Diskursen als an Information über angesagtes Outfit interessiert war. Der Schlingerkurs des Blattes zeigte sich auch in einer gewissen Ratlosigkeit, wie mit dem »Gegenstand Musik« zu verfahren sei. So wurde nach der Jahrtausendwende monatelang die Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Schallplattenkritik diskutiert – immerhin eines der Felder des Musikjournalismus, den ein amerikanisches oder ein britisches Musikmagazin nie in Frage stellen würde.

Weblink

www.spex.de (Offizielle Website des deutschen Popkultur-Magazins Spex)