Anathema

Anathema, altgriechisch für das den Göttern Vorbehaltene, aber auch das Verfluchte, britische Progressive-Rock-Band, 1990 in Liverpool unter dem Namen Pagan Angel gegründet.

Bandbiografie

Die Brüder Danny Cavanagh, eigentlich Daniel Cavanagh, (* 1972; Gitarre, Keyboards) und Vincent Cavanagh (* 1973; Gitarre, Keyboards, Gesang) gründeten Pagan Angel gemeinsam mit dem Sänger Darren White, dem Bassisten Duncan Patterson und dem Schlagzeuger John Douglas. Mit dem 1991 veröffentlichten Demo-Band »An Iliad of Woes« konnte sich Pagan Angel bei den Hörern von Doom Metal und Death Metal einen Namen machen und wurde bald von Gruppen des Genres wie Bolt Thrower und Paradise Lost für das Rahmenprogramm ihrer Konzerte engagiert. 1991, mit Veröffentlichung des zweiten Demos »All Faith Is Lost«, benannten die Musiker ihre Band in Anathema um. Nach der bei Witchhunt Records veröffentlichten Single »The Die« erhielt Anathema bei Peaceville Records einen Vertrag.

Peaceville Records plante umsichtig die weitere Karriere der Band, veröffentlicht 1992 zunächst auf einem Sampler einen Song, dann die EP »Crestfallen«. Das erste Album Anathemas, »Serenades«, kam 1993 auf den Markt. Die EP »Pentecost III« wurde zwar schon im Frühjahr 1994 aufgenommen, jedoch erst 1995 veröffentlicht. Mit einer Länge von mehr als 40 Minuten sprengte die CD allerdings auch den Rahmen einer EP. Wie auch schon das Album zuvor zeigte die Musik der EP eine Band, deren Musik zwischen den Polen Doom Metal und Gothic Rock pendelte. Als der Sänger Darren White die Band 1995 verließ, stellt sich zwar Vincent Cavanagh an das Mikrophon, fand zunächst aber nicht den adäquaten Standpunkt zu seiner Rolle als Mittelpunkt der Band, löste das Problem aber, indem er für das Album »The Silent Enigma« in melodramatischer Weise auch Sprechgesang integrierte.

So veränderte sich die Musik Anathemas innerhalb kurzer Zeit, bis »Eternity« 1996 Klarheit verschaffte: Die Musiker hatten ihren ohnehin schon modifizierten Heavy Metal zugunsten eines differenzierten Gothic Rock aufgegeben, in dem Elemente des Progressive Rock jüngerer Zeit schon ein gewisse Rolle spielten.

Die Cavanagh-Brüder hatten mit »Eternity« und »Alternative 4« die Band damit in eine Richtung gedrängt, mit der Bassist Patterson und Schlagzeuger Douglas nichts zu tun haben wollten. Beide verließen Anathema und wurden durch den Bassisten Dave Pybus und den Schlagzeuger Shaun Davis ersetzt. Längst hatte der Klang von Keyboards einen Platz in der Musik der Band genommen, dass auf einen Keyboard-Spieler nicht verzichtet werden konnte. Martin Powell kam für kurze Zeit in die Band, wurde aber bald durch Les Smith ersetzt. Einen vorläufigen Schlusspunkt in der musikalischen Entwicklung der Band setzte dann das Album »A Natural Disaster«. Folgerichtig unterschrieben die Musiker – neben Daniel und Vincent Cavanagh gehörten nunmehr auch James Cavanagh, Smith, der frühere Schlagzeuger John Douglas und dessen Schwester, die Sängerin Lee Douglas, zu der Band – 2007 einen Vertrag bei Kscope Records. Schon 2008 legten die Musiker mit »Hindsight« das erste Album für das neue Label vor. »We’re Here Because We’re Here« (2010), an dessen Produktion Steven Wilson von Porcupine Tree maßgeblich beteiligt war, präsentierte dann eine Band, die ihre spezifische Musik gefunden hatte.

Die Wandlung Anathemas von einer Band, die mit Fug und Recht dem Doom Metal zugerechnet werden konnte, als sie erstmals die Bühne der britischen Rockmusik betrat, dann einige Kriterien erfüllte, dass man sie als Gothic-Rock-Band bezeichnen konnte, hin zu einer Formation, die mit ihrer atmosphärischen, ein wenig depressiv gestimmten Musik dem jüngeren Progressive Rock zugerechnet werden muss, ist erstaunlich. In der Musik, die die Band nach der Jahrtausendwende mit ihren Alben präsentierte, finden sich zwar die Themen von Doom Metal und Gothic Rock – Tod und Vergänglichkeit spielen eine für Progressive Rock ungewöhnlich große Rolle –, doch weisen die musikalischen Stilmittel Anathemas weit über diese hinaus. Daniel Cavanagh, der für den größten Teil der Kompositionen verantwortlich zeichnet, hat Anathema zum Vehikel seiner Ideen gemacht und dabei in der Musik etwa von Pink Floyd, Porcupine Tree und Nosound, aber auch in der von Gazpacho und Sigur Rós Inspiration gefunden.

Diskografie

Serenades (1993)
The Silent Enigma (1995)
Eternity (1996)
Alternative 4 (1998)
Judgement (1999)
A Fine Day to Exit (2001)
A Natural Disaster (2003)
We’re Here Because We’re Here (2010)

Weblink

anathema.ws (Offizielle Website der britischen Rockband Anathema)