Jazz Metal

Jazz Metal, zusammengesetzt aus Jazz für »Jazz« und Metal für »Metall« im Sinne von Heavy Metal, Jazzrock-Stil, in dem neben elektrischer Bassgitarre, Schlagzeug und elektrischen Keyboards (Hammond-Orgel, Synthesizer) insbesondere elektrische Gitarre und Bläser, vornehmlich das Saxofon (Sopran, Alt, Tenor) den Klang prägen. Eng verwandt ist mit dem Begriff wie der Musik die Bezeichnung Jazzcore, eine Grenze ist mitunter nicht auszumachen.

Im Jazzrock seit Ende der 1960er-Jahre, zumal in den Formationen um den Trompeter Miles Davis, übernahm die elektrische Gitarre eine zentrale Rolle. So gibt es genug Grund, John McLaughlins Gruppe The Mahavishnu Orchestra als einen der ersten Vertreter eines Jazz Metals anzusehen: Lautstärke, Klang der Gitarre wiesen eher auf den seinerzeit noch gar nicht ausgeprägten Heavy Metal, Drums und Bass auf den Jazz, der sich auch in der Anlage der Kompositionen der Band behauptete. Wenn Jazz auch in der Musik einiger Progressive-Rock-Bands auszumachen war – älterer etwa in der von The Nice, später dann bei Emerson, Lake & Palmer, Yes, Gentle Giant, Argent und Jethro Tull, dann natürlich bei den Bands der so genannte Canterbury Scene und im so genannten Brass Rock mit Bands wie Chicago und Blood, Sweat & Tears – so kann von Jazz Metal in einem engeren Sinn erst ab etwa 1990 gesprochen werden, als Heavy-Metal Bands wie Atheist oder Opeth Elemente des Jazz in ihre Musik übernahmen. Besonders der durch starke Übersteuerung der Verstärker hervorgerufene typische Klang der im Heavy Metal der Zeit verwendeten tiefer gestimmten Gitarren steht für den »Metal« in dem Begriff, ungewöhnliche Taktarten, häufige Wechsel des Metrums und rhythmische Extravaganzen rührten gleichermaßen aus dem Jazz wie aus dem Progressive Rock der 1970er-Jahre. Jazz Metal kann Gesang enthalten, doch gibt es auch Bands, die völlig auf Gesang verzichten, zu nennen wären etwa die deutsche Band Panzerballett, die schwedischen Bands Motorpsycho und Grand General sowie die schwedische Formation Elephant9; bei letzterer wird die Aufgabe der E-Gitarre von einer Hammond-Orgel übernommen. Nach der Jahrtausendwende findet sich bei vielen Bands, auch im Progressive Metal, die Kombination von Elementen des Jazzrocks – in erster Linie wäre da das Spieltempo wie metrische und rhythmische Details zu nennen – mit der Klangwelt des Heavy Metals; gerade die instrumentale Virtuosität, gleichermaßen für Jazzrock wie Heavy Metal Voraussetzung, könnte eine der Triebfedern für die Existenz des Jazz Metals sein.

Der typische Jazzrock der ausgehenden 1960er- und der 1970-Jahre wurde zu Beginn der 1980er-Jahre unter dem Eindruck von Punk, New Wave und Funk abgelöst von einer eklektischen Form eines Jazz, der in sich diverse Einflüsse aus Jazz und Rock vereint und in schillernden Collagen zusammenpresst, ohne eine wie auch immer geartete »Fusion« überhaupt zu versuchen. Protagonist dieser Auffassung von Musik ist der amerikanische Altsaxophonist John Zorn, der mit seiner Formation Naked City diesen Jazzcore vorführte, eine Musik, die besonders im Konzert ihre Wirkung nicht verfehlte: In häufig rasend schnellem Spiel kombinierten die Musiker der Band – darunter der Gitarrist Bill Frisell, der Organist Wayne Horvitz und der Gitarrist und Bassist Fred Frith – mitunter winzige Bruchstücke aus Swing, Bebop, Free Jazz und Volksmusik mit Elementen aus Rock und Pop und nahmen damit Bezug zum so genannten Grindcore. Die Klangwelt dieser Band wurzelt aber eher als bei den Bands des Jazz Metals im konventionellen Jazz.

Diskografie

Mahavishnu Orchestra: The Inner Mounting Flame (1971)
Mahavishnu Orchestra: Birds of Fire (1972)
The Nice: Elegy (1971)
The Nice: Live at the Fillmore East December 1969 (2009)
Emerson, Lake & Palmer: Emerson, Lake & Palmer (1970)
Yes: Relayer (1974)
Jethro Tull: Stand Up (1969)
Chicago: At Carnegie Hall (1971)
Blood, Sweat & Tears: In Concert (1976)
Grand General: Grand General (2013)
Elephant9: Walk the Nile (2010)
Naked City: Naked City (1989)