Motorpsycho

Motorpsycho, norwegische Rockband, 1989 in Trondheim gegründet; der Name geht auf einen Film des amerikanischen Regisseurs Russ Meyer zurück.

Bandbiografie

Der Bassist und Sänger Bent Sæther (* 1969), der Sänger und Gitarrist Snah, eigentlich Hans Magnus Ryan (* 1969) und der Schlagzeuger Killer, eigentlich Kjell Runar Jenssen hatte die Band als Heavy-Metal-Band geplant. Nach Veröffentlichung der Tonbandkassette »Maiden Voyage« und einem Beitrag zu der Sammelplatte »Knall Volume 4« legte das Trio 1991 sein erstes Album vor. »Lobotomizer« enthielt zwar den angestrebten Heavy Metal, zeigte daneben aber auch schon Einflüsse aus dem progressive Rock und Experimentelles (»Lobotomizer«, »Eternity«), das weit vom Metal Rock wegführte. Zwar verließ Jenssen nach Veröffentlichung des Albums die Band, konnte aber wenig später durch den Schlagzeuger Håkon Gebhardt ersetzt werden. Damit hatte sich die Band, im Prinzip immer noch ein Trio, konsolidiert; für Plattenaufnahmen wurden stets weitere Musiker hinzugezogen. So zogen die drei Musiker nach Veröffentlichung des Albums »Soothe« – 1992 zunächst in einer limitierten Auflage als Vinyl-Platte herausgebracht, dann als CD unter dem Titel »8 Soothing Songs for Rut« – für die »Demon Box« (1993) den Keyboard-Spieler Lars Lien und den Elektrophon-Spezialisten Deathprod, eigentlich Helge Sten hinzu. Die Texte verfasste der amerikanische Schriftsteller Matt Burt. Auch optisch verfestigte sich das Image von Motorpsycho: Seit der »Demon Box« gestaltete Kim Hiorthøy Cover und Booklets der CDs. Damit setzte die Band einen Trend fort, der in den 1970er-Jahren vornehmlich von Bands des progressive Rock angestoßne wurde, nämlich die Cover durch die konsistente Gestaltung durch nur einen Künstler als Emblem der Band zu nutzen. Der Öffnung zum jüngeren Progressive Rock entsprach die Musik: zwei der Kompositionen waren über zehn Minuten lang, es gab mit »Waiting for the One« eine Art Folk-Reminiszenz und »Junior« war eine sehr offensichtlich Huldigung an die Musik von Dinosaur Jr.
Motorpsycho hatte sich Mitte der 1990er-Jahre so weit etabliert, dass die Band selbst das Wagnis der Gründung eines eigenen Labels eingehen konnte, gemeinsam mit Jeanette und Rolf Gustavus riefen sie 1994 das Label Stickman Records ins Leben, zunächst in Nürnberg, dann in Hamburg beheimatet. Somit hatten sich die Musiker innerhalb weniger Jahr einen Rahmen für ihre Musik geschaffen, der es ihnen erlaubte, sich einer ganze eigenen Musik zu widmen: 1994 veröffentlicht Motorpsycho auf zwei CDs »Timothy’s Monster«, ein mehr oder weniger eindeutig dem progressive Rock zuzuordnendes Schallplattenwerk, danach wird die EP »Wearing yr Smell« veröffentlicht, der wiederum eine CD mit einer seltsamen Country Music folgt, veröffentlicht unter dem Titel »The Tussler – Original Soundtrack« (1994). Die Band spaltet sich ideell auf in Motorpsycho und The International Tussler Society, wobei letztere nur sporadisch aktiviert wird, und es den Musikern von Motorpsycho, musikalische Alter Egos auszuleben.
Lien und Sten verließen 1995 die Band, Lien wurde durch den Gitarristen dun Keyboardspieler Morten Fagervik ersetzt, während Sten wenigstens als Produzent der Gruppe erhalten blieb. Fagervik ging nach der Veröffentlichung der CD »Blissard« allerdings schon wieder. Zu dieser Zeit schien die Band ihre musikalische Heimat in ausgedehnten Kompositions-Zyklen wie »Trust Us« (1998) gefunden zu haben, legten dann aber 2000 mit »Let Them Eat Cake« ein Album mit einer Reihe von relativ kurzen Stücken vor, doch lässt sich die Musik der Band immer weniger nur einem Genre zuordnen. Mit den nach 2000 veröffentlichten wie in den Konzerten präsentierte sich Motorpsycho als eine Band, die keine Publikumserwartung erfüllen wollte: Mal erscheint ein Doppelalbum mit 17 kürzeren Songs (»Black Hole/Blank Canvas«, 2006), dann wieder Progressive-Rock-Suiten (»Little Lucid Moments«, 2008). 2007 wurde die Band durch den neuen Schlagzeuger Kenneth Kapstadt wieder ein Trio, doch werden nach wie vor für Aufnahmen und Konzerte eine Vielzahl weiterer Musiker engagiert. »Metal Fruit« von 2010 wartete dann auch wieder mit einigen kürzeren Songs auf, aber auch mit der vierteiligen Suite »Gullible’s Travails«.
Motorpsycho ist eine Band, deren Musik kaum einzuordnen ist, am besten würde noch die Bezeichnung Artrock passen. Zwar gibt es hier Suiten im Stile des Progressive Rock, doch ist Schönklang nicht eine Prämisse, der sich die Band unterwerfen will. Die Kompositionen der drei Musiker – die meisten schreibt Sæther – demonstrieren, dass sie die komplette Rockmusik – Progressive Rock wie Country Rock, Beach Boys wie T. Rex – als eine Ansammlung von Baukästen ansehen, die durcheinander geraten sind. Unbekümmert um einen möglichen Sinnzusammenhang greifen sie sich hier dieses, dort jenes und setzen es zu mitunter seltsamen Klanggebilden wieder zusammen. Selbst Jazz in Form von Improvisationen spielt eine Rolle, hier und da wird auch vage Bezug auf die traditionelle Kunstmusik genommen. Es ist das musikalische Konzept, das diese Musik interessant macht, weniger die dann tatsächliche Ausformung.

Diskografie

Lobotomizer (1991)
Soothe (1992)
Demon Box (1993)
Timothy’s Monster (1994)
Blissard (1996)
Angels and Daemons at Play (1997)
Trust Us (1998)
Roadwork Volume I – Heavy metal is a poze, hardrock iz a leifschteil: Live in Europe 1998 (1999)
Let Them Eat Cake (2000)
Roadwork Volume II – The MotorSourceMassacre: Motorpsycho, The Source and Deathprod live at Kongsberg Jazzfestival 1995 (2001)
Phanerothyme (2001)
It’s A Live Cult (2002)
Black Hile /Blank Canvas (2006)
Little Lucid Moments (2008)
Child of the Future (2009)
Heavy Metal Fruit (2010)

The International Tussler Society

The Tussler (1994)
Motorpsycho presents the international Tussler Society (2004)

Weblink

http://www.stickman-records.de (Website des Labels Stickman Records)