Opeth

Stichworte Death Metal | Progressive Metal | Concept Album | Steven Wilson



Opeth, schwedische Heavy-Metal- und Progressive-Metal-Band, 1990 in Stockholm gegründet; der Name geht angeblich auf das Buch »The Sunbird« von Wilbur Smith (* 1933) zurück, der einer Stadt in dem Buch den Namen Opet gab.

Bandbiografie

Der Sänger David Isberg (+ 1975) hatte Opeth bereits gegründet, als er den Gitarristen und Sänger Mikael Åkerfeldt (* 1974) kennen lernte und ihn fragte, ob er den Bass in seiner neuen Band spielen wollte; Åkerfeldt war zu dieser Zeit noch Gitarrist in der Heavy-Metal-Band Eruption, die sich allerdings in desolatem Zustand befand. Åkerfeldt sagte Isfeld zu, doch hatte dieser nicht mit dem Widerstand der anderen Musiker seiner neuen Band gerechnet. Der Streit unter den Musikern führte schließlich dazu, dass Isfeld und Åkerfeldt sich gezwungen sahen, neue Musiker für Opeth zu suchen. Zwar fanden sie in dem Bassisten Nick Döring – Åkerfeldt war wieder zur Gitarre gewechselt –, dem Gitarristen Andreas Dimeo und dem Schlagzeuger Anders Nordin schnell geeignete Musiker, doch war diese Besetzung nicht von Dauer. In rascher Folge kamen und gingen neue Musiker. So kamen der Gitarrist Kim Petterson und der Bassist Johan DeFarfalla, der jedoch seinen Platz bald für Peter Lindgren räumte. Nun wollte auch Petterson nicht mehr; kaum hatte Lindgren das Instrument gewechselt und zur Gitarre gegriffen, verließ Isberg 1992 entnervt die Band. Opeth war zum Trio geschrumpft.
Åkerfeldt entschloss sich, die Band dennoch fortbestehen zu lassen: Er übernahm nun auch die Rolle des Sängers, und erweiterte das musikalische Spektrum der Band. Bis dahin war Opeth eine Death-Metal-Band und hatte auf Death Growl, Blast Beats, relativ kurze Songs und mehr oder weniger aggressive Themen gesetzt. Nun bezog er normalen Gesang ein, sah Parts für akustische Gitarre und Piano vor und fasste seine musikalischen Ideen in häufig ausgedehnte Song-Strukturen, die auch die im Death Metal üblichen Formen sprengten. 1993 gehörte mit Stefan Guteklint für kurze Zeit auch wieder ein Bassist zu Opeth, war aber schon wieder nicht mehr dabei, als die Band 1994 einen Vertrag bei dem Schallplatten-Label Candlelight Records erhielt. Für die Aufnahmen zur Debüt-CD »Orchid« (1995) sprang DeFarfalla ein. Mit »Orchid«, zunächst nur in Europa veröffentlicht, legte Opeth den Rahmen fest, in dem sich ihre Musik fortan bewegte. So enthielt das zweite Album, »Morningrise« (1996), lediglich sechs Kompositionen.
Die Personalprobleme allerdings blieben der Band erhalten. Nach der Tour zum Album ging DeFarfalla, Nordin tat es im daraufhin gleich, In Martin Lopez, vorher bei Amon Amarth, fand Åkerfeldt zwar bald Ersatz für Nordin, doch erst 1997 in Martin Mendez den Nachfolger für DeFarfalla. Da waren die Aufnahmen für »My Arms Your Hearse« bereits fast abgeschlossen – die Bassparts hatte Åkerfeldt eingespielt. »My Arms Your Hearse« (19989 war die erste weltweit veröffentlichte CD der Band. Åkerfeldt hatte sich mit seinen Kompositionen och mehr als zuvor schon am Progressive Metal orientiert und konnte allein dadurch ein größeres Publikum für die Musik interessieren. Zudem fanden die CDs nun auch bei Anhängern des Gothic Rocks Anklang, häufig wohl auch wegen der Texte Åkerfeldts. Und schließlich: Opeth hatte für die Gestaltung der Covers der CDs eine Linie gefunden, Monochrom, mysteriös, wieder erkennbar.
1999 wechselte Opeth zu dem Label Music for Nations Records. Åkerfeldt machte sich nun auch andere Stilmittel des Progressive Rock zu eigen und formte »Still Life« (1999) zu einem Konzeptalbum, thematisch fast eine Rockoper um einen Protagonisten, der nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimat zurückkehrt und sie völlig verändert vorfindet. Der größte stilistische Einschnitt bestand der Band allerdings bevor, als Åkerfeldt den Briten Steven Wilson als Koproduzenten engagierte. Die Ideen Wilsons, öffentlich gemacht auf »Blackwater Park« (2001), »Deliverance« (2002) und »Damnation« (2003), bestanden vor allem darin, Einfluss auf den Gesang Åkerfeldts zu nehmen, ihn zu einer stilistischen Auffächerung seines Gitarrespiels zu bewegen und zur atmosphärischen Grundierung zum verstärkten Einsatz von Studiotechnik zu überreden. Manch ein Stilmittel von Wilsons Kompositionen für sein Band PorcupineTree findet sich auch auf den Veröffentlichungen von Opeth dieser Zeit, so etwa die kleine harmonische Eigenheit im Background-Gesang oder die Entpersönlichung des Lead-Gesangs durch elektronisch bewirkte Verfremdung. Opeth war nicht zuletzt durch die Veröffentlichung dieser drei CDs mittlerweile so populär, dass die Band 2003 und 2004 mit einer weltweiten Tournee beschäftigt war. Manche konezrte waren in einen »akustischen« und einen »Heavy Metal«-Abschnitt aufgeteilt.
Åkerfeldt hatte sich bereits bei der Produktion von »Deliverance« und »Damnation« im Zwiespalt gesehen – hier Death Metal, dort Progressive Rock, in dem Metal eine untergeordnete Rolle spielte. So wurde Ende 2004 der Keyboard-Spieler Per Wiberg (* 1968) als reguläres Mitglied in die Band aufgenommen. Für die Produktion der als Konzeptalbum geplanten CD »Ghost Reveries« – es geht in einer Reihe von Songs um das Schicksal eines Muttermörders – griff Åkerfeldt allerdings nicht mehr auf Steven Wilson zurück, sondern engagierte mit Jens Bogren einen zu dieser Zeit noch nicht sonderlich bekannten Produzenten im Metal-Bereich. »Ghost Reveries« (2005) zeigte dann auch wieder die instrumentalen Fähigkeiten der beiden Gitarristen Lindgren und Åkerfeldt. Die folgenden Jahre allerdings waren wieder von Umbesetzungen der Band geprägt. 2006 ging Lopez und wurde durch den Schlagzeuger Axe, eigentlich Martin Axenrot, (* 1979) ersetzt, 2007 mochte Peter Lindgren nicht mehr und verließ Opeth nach 16 Jahren der Zugehörigkeit zur Band. Für ihn kam der Gitarrist Fredrik Åkesson (* 1972). In dieser Besetzung nahm die Band Ende 2007 die Songs zu »Watershed« auf. Das Album, das erstmals Åkerfeldt allein produziert hatte, erschien 2008.
Wenn auch Opeth häufig als Death-Metal-Band rubriziert wird, so bezieht die Musik der schwedischen Band ihren Reiz aus eigentlich disparaten Stilbereichen: Heavy Metal und Progressive Rock. Die Spannung, die sich dadurch ergibt, vermag Åkerfeldt in seinen Kompositionen einerseits stets aufrecht zu erhalten – manch ein Song wartet durchaus mit einer Art »Shock-Therapie« -, andererseits ist es gerade die aus dem Heavy Metal herrührende Vormachtstellung der Gitarre, die dieser stilistischen Mischung die Dynamik und auch eine gewisse Fragilität gibt. So spielte Åkerfeldt mit Lindgren durchaus auch parallele Gitarrenlinien, die dann und wann auch unvermittelt die Regeln des Kontrapunkts erfüllten. Nach 2000 war es vor allem die Zusammenarbeit mit Steven Wilson, die Opeth den Zugang zu gänzlich anderen Klängen ermöglichte. Seitdem auch sind die Stilmittel des Death Metal – kenntlich etwa am Death Growl – sehr in den Hintergrund getreten. Insgesamt ist die Musik Opeth’ auch einer der Belege, dass die Entwicklung eines bestimmten Rockstils nicht ausschließlich von den Musikern in den USA und in Großbritannien geprägt sein muss.



Diskografie

Orchid (1995)
Morningrise (1996)
My Arms, Your Hearse (1998)
Still Life (1999)
Blackwater Park (2001)
Deliverance (2002)
Damnation (2003)
Lamentations (2003)
Ghost Reveries (2005)
The Roundhouse Tapes (2007)
Watershed (2008)



Weblink

http://www.opeth.com/ (Offizielle Website der britischen Progressive-Metal-Band)