Ozzy Osbourne

Osbourne, Ozzy, eigentlich John Michael Osbourne, britischer Rocksänger, * Aston (Warwickshire) 3. 12. 1948; bekannt geworden als Lead-Sänger der Hardrock-Band Black Sabbath.

Ozzy Osbourne stammt aus einer Arbeiterfamilie. Im Alter von 15 Jahren verließ er die Schule, begann eine Lehre als Klempner, die er bald abbrach, schlug sich dann als Hilfsarbeiter durch und arbeitete auf dem Bau, in einem Autowerk und im Schlachthof. Während dieser Zeit kam er auch mit dem Gesetz in Konflikt und büßte wegen eines Einbruchs einige Wochen Haft ab; er nutzte die Haftzeit, um sich seinen Spitznamen »Ozzy« auf die Finger zu tätowieren.

Schon als Schüler hatte Osbourne sich vor allem für Musik interessiert und auch aktiv an den Theateraufführungen an seiner Schule teilgenommen. Als sein früherer Klassenkamerad Tony Iommi, eigentlich Frank Anthony Iommi, (* 1948), einen Sänger für die Bluesband, die er gründen wollte, suchte, fragte er Osbourne, der schon in der Band Rare Breed am Mikrofon stand. Osbourne sang vor und Iommi gab ihm den Zuschlag. Die Band hieß zunächst The Polka Tulk Blues Company, dann nur Polka Tulk, schließlich Earth. Der Bassist der Band, Geezer Butler, entwickelte eine Neigung zum Okkulten, las entsprechende Bücher, und als er auf den Film »Black Sabbath« (1963; Regie Mario Bava; Originaltitel: I tre volti della paura, dt. Die drei Gesichter der Furcht) aufmerksam wurde, schrieb er einen Song, dem er den Titel »Black Sabbath« gab. Iommi war von dem Titel so angetan, dass er ihn 1969 als Namen für die Band übernahm.

Osbourne blieb bis 1979 bei Black Sabbath. Als sein über die Jahre stetig gewachsener Drogen- und Alkoholkonsum die Existenz der Band gefährdete, warf Iommi ihn hinaus. Der Sänger wollte es solo versuchen und engagierte die Heavy-Metal-Band Necromandus als Begleitband. Aus dieser Konstellation entstand zunächst Blizzard of Ozz, die Osbournes Managerin Sharon Rachel Arden, geborene Levy, (* 1952) allerdings nicht überzeugte. Sie suchte für The Ozzy Osbourne Band neue Musiker und fand versierte Metal-Veteranen: Den Gitarristen Randy Rhoads, den Bassisten Bob Daisley und den Schlagzeuger Lee Kerslake. Rhoads und Daisley schrieben die Songs für Osbournes schrilles Organ.

»Blizzard of Ozz«, das Debüt-Album, erschien 1980. Die Reputation, die Osbourne sich über die Jahre als Sänger von Black Sabbath erworben hatte, übertrug sich nahezu nahtlos auf seine neue Band. Obwohl beinahe ständig auf Tour, kam das zweite Album, »Diary of a madman« bereits im folgenden Jahr auf den Markt. Den Plan, Konzerte der Tour des Jahre 1982 aufzunehmen und als Live-LP zu veröffentlichen, wurde durch einen Flugzeugabsturz, bei dem Gitarrist Rhoads ums Leben kam, fast vereitelt. Obwohl eng befreundet mit Rhoads und tief betroffen von dessen Tod, ging Osbourne nach kaum einer Woche zur Tagesordnung seiner Band über. Er wollte zunächst den Gitarristen Bernie Torme, vorher bei Gillan, engagieren, doch lehnte der es ab, Rhoads von heute auf morgen zu ersetzen. Osbourne fand in dem Gitarristen Brad Gillis schnell Ersatz. Die LP »Speak of the devil«, auch als »Talk of the devil« veröffentlicht, erschien wie geplant 1982. Sie enthielt allerdings nicht die ursprünglich vorgesehenen Aufnahmen, sondern vor allem Osbournes Versionen von Songs von Black Sabbath.

1983 veröffentlichte Osbourne, der immer wieder die Besetzung seiner Band veränderte, mit dem Gitarristen Jake E. Lee, dem Keyboard-Spieler Don Airey, dem Schlagzeuger Tommy Aldridge und Daisley das Album »Bark at the moon«. Nach ausgiebigem Touren und erneuter Umbesetzung der Band – nun zupfte Phil Soussan den Bass und schlug Randy Castillo Trommeln und Becken – ging Osbourne ins Studio und legte 1986 »The ultimate sin« vor. Sein Hang zu Texten, in denen Okkultismus, Tod und Drogen prominente Rollen spielten, wurde ihm im selben Jahr zum Verhängnis, als er in den USA angeklagt wurde, mit dem Song »Suicide solution« den Selbstmord von zwei Teenagern verursacht zu haben; Osbourne wurde freigesprochen.

1988 fand der Sänger den kongenialen Gitarristen für seine Musik, Zakk Wylde. Mit ihm, Castillo und Daisley spielte er 1988 »No rest for the wicked« ein. An der anschließenden Tour nahm Geezer Butler teil und blieb Mitglied der Band.

Osbourne war inzwischen zur Institution geworden und hatte auch über die 1980er-Jahre hinaus Erfolg mit seinem Heavy Metal. Das Schreiben der Songs gab er in Auftrag und veröffentlichte alle paar Jahre CDs, die stets für Platin-Auszeichnungen gut waren. Seine Managerin Sharon Arden, seit 1982 seine Frau, hatte Mitte der 1990er-Jahre die Idee, ihren Mann nicht mehr auf ausgedehnte und zeitraubende Tourneen zu schicken, sondern seine Fans zu wenigen Terminen zu ihm kommen zu lassen. Aus diesen Überlegungen resultierte das Ozzfest, ein jährlich stattfindendes Heavy-Metal-Festival, bei dem nicht nur Osbourne mit seiner Band, sondern auch zahlreiche andere Metal-Gruppen die Bühne betraten. Beim Ozzfest 1997 kam es dann zu einer Reunion von Black Sabbath mit ihrem früheren Sänger und seitdem tritt Osbourne gelegentlich gemeinsam mit seiner alten Band auf. Das Ozzfest ist kommerziell überaus erfolgreich und zog im Laufe der Jahre mehrere Millionen Besucher an. Nahezu jede Heavy-Metal-Band von Rang, aber auch viele Nu-Metal-Bands waren schon Gäste der Ozzfest-Tourneen.

Neben diesen Erfolgen verblasste zunehmend der Erfolg seiner von Zeit zu Zeit veröffentlichten CDs. Nach der Veröffentlichung von »Down to earth« 2001 und dem Konzertmitschnitt »Live at Budokan« hielt er eine Art Rückschau und stellte eine vier CDs umfassende Box mit diversen Raritäten, Duetten mit Kollegen – darunter allerdings auch Miss Piggy von der Muppett-Show – und Cover Versions seiner Lieblingssongs anderer Musiker zusammen. Neu Aufgenommenes legte er erst 2007 mit »Black Rain« vor.

Großen – und wohl nicht ganz erwarteten Erfolg – hatte Ozzy Osbourne ab 2002 mit der von dem Musik-Sender MTV ausgestrahlten Familienserie »The Osbournes«. In deren Mittelpunkt sollte eigentlich der Sänger stehen, von dessen tatsächlicher oder angeblicher Exzentrität die Macher der Serie sich Einiges an Skurrilität erhofft hatten. Neben Hauptdarsteller Ozzy Osbourne übernahmen seine Frau Sharon, seine Tochter Kelly und sein Sohn Jack tragende Rollen, die älteste Tochter Aimee hatte es abgelehnt, mitzumachen. Der sichtlich schwerhörige Ozzy Osbourne wurde dann schnell mit der Tatsache konfrontiert, dass seine Tochter Kelly ebenfalls die Hauptrolle beanspruchte und sich in dieser als der Teenager schlechthin präsentierte. Aus der Fernsehrolle wurde für die junge Frau eine Karriere als Multimedia-Tausendsassa, sie nahm eine CD auf und spielte später mit ihrem Vater gemeinsam die Single »Changes« ein, der Ozzy Osbourne in Großbritannien den ersten Nr.-1-Hit seiner Karriere verdankt. Die Serie »The Osbournes« wurde 2005 beendet.

Ozzy Osbourne ist im Laufe der vier Jahrzehnte, die er in der Rockmusik aktiv ist, zu einem Symbol geworden. Einerseits gab es dafür genug Gründe in der Musik, die er vor allem in den 1970er-Jahren als Gründungsmitglied von Black Sabbath präsentierte. Diese Band fasste einige wesentliche Elemente des Bluesrock und des Hardrocks der ausgehenden 1960er-Jahre zusammen und formulierte daraus die für lange Zeit gültigen Elemente des Heavy Metal: Die nahezu ausschließliche Beschränkung auf Gitarren, die Dominanz der Riffs, die immense Lautstärke. Heavy Metal ist weniger eine Musik der Schallplatte als des Konzertsaals.

Dazu gehört natürlich ein nahezu unbeweglicher Kanon von Äußerlichkeiten: Lange Haare, Leder, Metall. Und Texte, die um die Themen Tod und Satan, Gewalt und Lebensüberdruss kreisen und daher eine entsprechende Darstellung auf der Bühne finden. Osbourne war nicht der erste, der sich mittels Schminke das Aussehen eines Zombies gab und nichts gegen den Beinamen »Prince of darkness« hat. Die Mythen, die sich um ihn ranken – wahr oder nicht – verstärkten dieses Bild: Er soll im Rausch 17 Katzen erschossen haben, einer Taube den Kopf abgebissen haben und während eines Konzertes einer Fledermaus, die ihm aus dem Publikum zugeworfen worden war, Gleiches angetan haben. Das der Werfer der Fledermaus später versicherte, die Fledermaus sei bereits tot gewesen, und Osbourne seinerseits erklärte, die Fledermaus für ein Imitat aus Gummi gehalten zu haben – der Mythos hatte sich längst verselbstständigt. Mehrfach wurde Osbourne wegen seiner Texte angegriffen und sogar juristisch belangt. Die Vorwürfe, sie enthielten unterschwellige Botschaften – etwa Aufforderungen zum Selbstmord –, ließen sich nicht erhärten und schon gar nicht beweisen. Die abgezirkelte, erwartbare Provokation, das Spiel mit Tabus gehören zum Heavy Metal wie die Marshall-Verstärker.

Legendär ist Osbournes Abhängigkeit von allerlei Drogen und vor allem vom Alkohol. Mehrfach unterzog er sich Therapien, diese Probleme in den Griff zu bekommen, doch brachte erst seine zweite Frau Sharon eine gewisse Regelmäßigkeit in sein Leben. Die Unangepasstheit des Rockstars an gewisse Eckpfosten eines bürgerliches Lebens behindern seine Karriere als Heavy-Metal-Musiker sicherlich nicht und kann daher gar nicht übertrieben genug dargestellt werden. Er selbst hat wenig Veranlassung, etwas dagegen zu tun. In der MTV-Serie »The Osbournes« konnte er daher leicht den sympathisch vertrottelten Familienvater geben – jeder Fan glaubt es besser zu wissen.

Diskografie

Blizzard of Ozz (1980)
Diary of a madman (1981)
Speak of the devil (1982)
Bark at the moon (1983)
The ultimate sin (1986)
Tribute to Randy Rhoads (1987)
No rest for the wicked (1988)
Just say Ozzy (1990; EP)
No more tears (1991)
Live & loud (1993)
Ozzmosis (1995)
Down to earth (2001)
Live at Budokan (2002)
Under cover (2005)
Black rain (2007)

Weblinks

www.ozzy.com (Offizielle Website des Heavy-Metal-Sängers Ozzy Osbourne)
www.ozzfest.com (Offizielle Website zum Ozzfest)