Shining (Norwegen)

Shining, norwegische Jazz-Metal-Band, 1999 in Oslo gegründet; die Band ist nicht mit der schwedischen Heavy-Metal-Band gleichen Namens zu verwechseln.

Der Saxofonist Jørgen Munkeby (* 1980) hatte an der Norges musikhøgskole ein Studium aufgenommen, nebenbei aber schon Konzerte für sich organisiert. Um diese Engagements erfüllen zu können, suchte er Musiker und fand sie in dem Pianisten Morten Qvenild (* 1978), dem Bassisten Aslak Hartberg (* 1975) und dem Schlagzeuger Torstein Lofthus (* 1977). Das erste, 2001 unter dem Titel »Where the Ragged People Go« veröffentlichte Album präsentierte eine zwar dem jüngeren skandinavischen Jazz im Gefolge von etwa Bugge Wesseltoft und Esbjörn Svenson verpflichte Gruppe, das Klangbild der Musik aber war eher konventionell, also an den traditionellen »akustischen« Jazz angelehnt – Instrumente wie E-Gitarre oder Synthesizer spielten daher keine Rolle. Auch das zweite Album, »Sweet Shangai Devil« (2003), folgte diesem Konzept, wenn Shining sich auch hier und da freierer Musik zuwandte.
Das änderte sich radikal mit dem dritten Album, das die Band 2005 präsentierte. Munkeby hatte sich ein EWI der japanischen Firma Akai, ein an die Technik von Saxophon und Klarinette angelehntes Blasinstrument, mit dem elektronische Tonerzeuger angesteuert werden können, gekauft, Hartberg den Kontrabass beiseite gelegt und eine elektrische Bassgitarre umgehängt, Drum Computer und Synthesizer hatten ebenso im Studio gestanden wie Akkordeon, Harmonium, Hohners Clavinet und selbst eine Celesta, ein Glockenspiel-Instrument. Die Musik, die die Musiker mit diesem Sammelsurium erzeugte und mit »In the Kingdom of Kitsch You Will Be a Monster« vorstellte, wurde dem Titel der CD gerecht und hatte nichts mehr mit dem Jazz der ersten beiden Alben zu tun. Unter der Führung von Monkeby hatten die Musiker Progressive Rock, Heavy Metal und Jazz zu einem widerborstigen Ganzen zusammengemischt. Das Publikum goutierte die wilde Mischung dennoch. Qvenild und Hartberg aber mochten den eingeschlagenen Weg nicht weitergehen und verließen Shining. Monkeby fand in dem Pianisten Andreas Hessen Schei und dem Bassisten Morten Strøm schnell Ersatz und gemeinsam ging man an die Aufnahmen zu einem weiteren Album, dass bezeichnenderweise den Titel »Grindstone« tragen sollte – ein klares Signal, dass die Musiker an ihrem speziellen Jazz Metal weiterarbeiten und nicht mehr zu Flügel, Kontrabass und Drums zurückkehren wollten. »Grindstone« wurde bei dem noch winzigen Label Rune Grammofon veröffentlicht, dessen Inhaber Rune Kristofferson Geburtshelfer einer ganz eigenen Variante des Nordic Jazz geworden war, standen bei ihm doch Bands wie Motorpsycho, Grand General und Elephant9 unter Vertrag.
Als Shining mit der Progressive-Metal-Band Enslaved auf Tournee gingen, machten sich die Musiker einen Spaß daraus, als Abschluss der Konzerte gemeinsam »21st Century Schizoid Man« von King Crimson zu spielen, also sozusagen den Prototypen des Jazz Metals. Davon erhielten die Programmgestalter des renommierten Molde International Jazz Festivals Kenntnis und beauftragten die beiden Bands, eine größere Komposition für das Festival zu schreiben. Monkeby und der Gitarrist von Enslaved, Ivar Bjørnson,teilten sich die Aufgabe, dem nachzukommen. »Nine Nights in Nothingness – Glimpses of Downfall«, kurz The Armageddon Concerto genannt, war dann ein Stück Programmmusik, in dessen neun Sätzen skandinavische Sagenwelt, Weltuntergangsfantasien und Science Fiction in eins zusammenflossen.
Der Titel des 2010 veröffentlichten Albums »Blackjazz« konnte wie »Grindstone« gleichzeitig als programmatisches Statement gelten. Saxophon und elektrische Gitarre standen im Vordergrund. Dies galt auch für »One One One«, 2013 vorgelegt. Die Gruppe war zu einem Trio geschrumpft, dem neben Monkeby der Bassist Tor Egil Kreken und der Gitarrist Håkon Sagen angehörten. Der Schlagzeuger Torstein Lofthus, gleichzeitig bei Eephant9 engagiert, und der Keyboard-Spieler Bernt Moen vervollständigen die Band.
Shining basiert auf der Idee Monkebys, der als Saxofonist auch in der norwegischen Formation Jaga Jazzist gespielt hatte, Jazz, Heavy Metal und Elemente der Neuen Musik miteinander zu verbinden. Auf den ersten Blick könnte das eine weitere Variante des guten alten Jazzrocks sein, dem der verzerrte Klang elektrischer Gitarren untergeschoben wird, um seine Schockwirkung zu erhöhen. Tatsächlich aber ist es Monkebys Schritt aus dem Jazz auf den Rock zu, der diese Musik ermöglicht und dabei nolens volens Verbindungen zwischen Jazz und Progressive Rock offen legt.


Diskografie

Where the Ragged People Go (2001)
Sweet Shanghai Devil (2003)
In the Kingdom of Kitsch You Will Be a Monster (2005)
Grindstone (2007)
Blackjazz (2010)
One One One (2013)


Weblink

http://www.shining.no (Offizielle Website der norwegischen Jazz-Metal-Formation Shining)