Thrash Metal

Thrash Metal, zusammengesetzt aus englisch thrash für »schlagen« und metal, für »Metall«, Spielart des Heavy Metal, die besonders Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre erfolgreich war; als Protagonisten des Thrash Metal gelten die Bands Anthrax, Megadeth, Metallica und Slayer. Die mitunter anzutreffende Bezeichnung Trash Metal ist falsch.

Die Entwicklung des Thrash Metals basiert auf der Musik einiger Bands der so genannten New Wave of British Heavy Metal, zu denen etwa Iron Maiden, Saxon, Def Leppard, Diamond Head und Venom gehörten. Venom hatte 1982 die LP »Black Metal« veröffentlicht, damit nicht nur den Grundstein für den Black Metal gelegt, sondern auch einige Elemente für den Thrash Metal bereit gestellt. Diese wurden von Bands wie Tank, Raven und Accept aufgegriffen. Accept war eine deutsche Band und tatsächlich fand die extreme Interpretation des Heavy Metal besonders in Deutschland Anhänger; weitere deutsche Vertreter dieser Musik waren etwa Sodom, Kreator und Destruction.

Damit war Thrash Metal aber noch nicht ausgeformt und etabliert. Dies blieb amerikanischen Musikern vorbehalten: Der Schlagzeuger Lars Ulrich, der Gitarrist und Sänger James Hetfield und der Gitarrist Dave Mustaine hatten 1981 die Metal Band Metallica gegründet, die Gitarristen Jeff Hanneman und Kerry King Slayer. Beide Bands veröffentlichten ihre ersten Alben 1983, und als Mustaine Metallic verließ, um wenig später Megadeth zu gründen, waren die so genannten Big Four of Thrash Metal auf dem Musikmarkt präsent; Anthrax war bereits 1981 gegründet worden. Eine Schlüsselrolle kam dem Label Music for Nations zu, bei dem die LPs von Tank, Exciter, Metallica, Slayer und Megadeth veröffentlicht wurden.
Die vier Bands legten damit auch fest, was als Thrash Metal zu gelten hat: Wie Heavy Metal überhaupt, ist auch der Thrash Metal eine Gitarrenmusik: Zu einer Band gehören meistens zwei Gitarristen, ein Bassist und ein Schlagzeuger; ein Sänger ergänzt die Band, oft übernimmt aber auch einer der Gitarristen den Lead-Gesang. Einfluss übte nicht nur die Musik der Bands des NSWBHM aus, sondern ebenso auch Punk und Speed Metal. Gitarren und Bass werden meist tiefer gestimmt, als Bassgitarren werden häufig fünfsaitige Instrumente verwendet, allemal – mitunter selbst für den Bass – Verzerrer eingesetzt. Besonderes Augenmerk richten die Thrash-Metal-Bands auf das Schlagzeug: Einerseits sind wie im gesamten Heavy Metal gewaltige Aufbauten inklusive Doublebass üblich, andererseits wird im Studio der Klang des Drum Sets besonders intensiv bearbeitet. Das Schlagzeugspiel ist insgesamt sehr kontrastreich: Neben aus dem Punk stammenden Abschnitten im Zwei-Viertel-Takt können unvermittelt metrisch und rhythmisch kompliziertere Teile stehen. Gitarren und Bass werden häufig unisono gespielt, doch gibt es anders als im Punk auch längere oder kürzere Soli eines einzelnen Gitarristen. Die mitunter hochmoralischen Texte werden weniger gesungen als skandiert, mitunter auch im Chor. Der überwiegende Teil der Songs und Song-Zusammenstellungen ist zwar in einem recht hohen Tempo gehalten – Erbe des Speed Metals – doch gibt es langsame Abschnitte, bei denen auch die Übersteuerung der Gitarren zurückgenommen wird. Bereits Mitte der 1980er-Jahre – also noch vor der größten Popularität des Genres – traten Ansätze auf, den engen Rahmen überkommener Formen des Heavy Metals aufzuweiten: »Master of Puppets« (Master of Puppets; 1986) von Metallica etwa besteht aus mehreren Teilen verschiedenen Charakters und deutet bereits die Entwicklung eines Progressive Metals an. Insgesamt intendiert Thrash Metal die Überwältigung des Zuhörers durch Tempo, Lautstärke und Klang, aber auch das Moment der Überraschung.

Wenn auch die ersten Platten des Thrash Metals noch in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre auf den Markt kamen, so setzte sich das neuartige Genre doch erst etwa ab Mitte des Jahrzehnts durch, dann aber mit einer Vehemenz, die aus dem Zirkel des Heavy Metals ausbrach und für einige wenige Jahre auch auf Einfluss auf den Mainstream der Rockmusik nahm – oder umgekehrt: Thrash Metal wurde ein Teil des Mainstreams. Seit Anfang der 1990er-Jahre erreichten die Bands somit auch das große Publikum, traten in Stadien auf und fanden ihre Singles in den Hitparaden. Die Gegenbewegung führte dann zur Entwicklung wieder anderer Stile des Heavy Metal. Black Metal, Death Metal und Industrial wie weitere Unterformen dieser Stile traten in der Gemeinde der Heavy-Metal-Hörer an die Stelle des Thrash Metals der frühen Jahre, nicht ohne Wechselwirkung auf die Thrash-Metal-Bands. Dennoch erlebte das Genre seinen Niedergang. Nach der Jahrtausendwende erreichten Bands wie Warbringer, SSS, Evil, Municipal Waste und Gama Band nicht mehr das große Publikum und auch die Big Four mochten auf ihre Popularität nicht mehr jeweils allein bauen: 2010 fanden sich Anthrax, Megadeth, Metallica und Slayer zu einer sieben Stationen umfassenden Tournee zusammen.

Thrash Metal fand weltweit seine Anhänger. Zwar dominierten amerikanischen Bands, doch gab es diverse Bands anderer Herkunft. So zählen neben den Genannten auch Bands wie Testament, Nucelar Assault, Overkill, Whiplash, Rigor Mortis, Watchtower, Sepultura, Voivoid, Razor, Annihilator, Onslaught, Xentrix, Sabbat, Atomkraft und Paranoia zum Thrash Metal.

Diskografie

Anthrax

Fistful of Metal (1984)
Spreading the Deisease (1985)
Among the Living (1987)
State of Euphoria (1988)
Persistence of Time (1999)

Megadeth

Killing Is My Business… And Business Is Good (1985)
Peace Sells… But Who’s Buying? (1986)
So Far, So Good… So What? (1988)
Rust In Peace (1990)

Metallica

Kill ‘Em All (1983)
Ride the Lightning (1984)
Master of Puppets (1986)
…And Justice For All (1988)

Slayer

Show No Mercy (1984)
Hell Awaits (1985)
Reign In Blood (1986)
South Of Heaven (1988)
Seasons In The Abyss (1990)

Literatur

Dome, Malcolm: Thrash Metal; London 1990
Jeffreis, Neil: The Directory of Heavy Metal; London 1993
Sharpe-Young, Garry: Thrash Metal; New Plymouth 2007