Tool

Stichworte King Crimson | Progressive Metal



Tool, amerikanische Metal- und Progressive-Metal-Band, 1990 in Los Angeles (Kalifornien) gegründet

Bandbiografie

Maynard James Keenan, eigentlich James Herbert Keenan (* 1964; Gesang, Gitarre, Bassgitarre) lernte Ende der 1980er-Jahre in Los Angeles den Gitarristen Adam Thomas Jones (* 1965) kennen; beide hatten eine künstlerische Ausbildung aufgenommen und sich nebenbei in verschiedenen Bands betätigt: Jones hatte ein solide musikalische Ausbildung an Violine und Kontrabass erhalten und autodidaktisch Gitarre gelernt, Keenan spielte Bassgitarre. Als Jones Keenan singen hörte, war er so beeindruckt von dessen Gesang, dass er mit ihm gemeinsam eine Band gründen wollte. In Danny Carey, eigentlich Daniel Edwin Carey (* 1961), fanden die beiden Musiker den geeigneten Schlagzeuger. Den Bass übernahm Paul D’Amour (* 1967), den Jones während seines Filmstudiums kennen gelernt hatte.
Nach kurzer Zeit, in der die Band nur wenige öffentliche Auftritte absolvierte, erhielt Tool 1991 bei dem in Los Angeles beheimateten Label Zoo Entertainment einen Vertrag. Nach der Veröffentlichung der EP »Opiate« und Tourneen mit der Rollins Band, Fishbone und Rage against the Machine ging die Band ins Studio und nahm ihr erstes Album auf. »Undertow« kam 1993 auf den Markt. Zur Promotion der CD ging Tool wiederum auf Tour und gehörte dann zu den Bands, die bei der alljährlich stattfindenden Lollapalooza-Konzertreihe auftreten konnten. Mittlerweile war »Undertow« zu einem Hit-Album geworden: Noch 1993 konnten die Musiker von Tool ihre erste Gold-Auszeichnung entgegennehmen. Für neue Aufnahmen blieb wenig Zeit, erst 1995 begannen die Vorbereitungen für ein neues Album. Zu dieser Zeit verließ D’Amour Tool und wurde durch den Bassisten Justin Chancellor (* 1971), vorher bei der britischen Progressive-Metal-Band Peach, ersetzt. So dauerte es mehr als ein Jahr, bis »Ænema« (1996) veröffentlicht werden konnte. Der Titel des Albums ist ein Kunstwort, das die Band aus anima, lateinisch für Seele, Geist, und dem englischen Wort für Einlauf oder Klistier (enema) bildeten. Produziert hatte die CD, die die Band dem Komiker und Satiriker Bill Hoicks (* 1961, † 1994) widmete, David Bottrill, der zuvor CDs von King Crimson und Robert Fripp und David Sylvian produziert hatte.
An die Veröffentlichung des Albums schloss sich eine Tournee durch die USA, dann auch durch Europa und Australien an; Tool war durch die CD weltweit bekannt geworden. 1998 erhielt die Band für »Ænema« einen Grammy. Hinter den Kulissen allerdings tobten gerade in diesen Jahren juristische Kämpfe: Zunächst geriet die Band mit ihrem Label aneinander, das von der BMG an Vulcano Entertainment gegangen war; die Musiker von Tool sahen sich übervorteilt, einigten sich 1998 jedoch mit dem Label. 2000 stand neuer Streit ins Haus, als die Band von ihrem Manager verklagt wurde. Als dann auch noch die Namen der Musiker selbst noch bei anderen Bands auftauchten, schien Tool am Ende. Um Auflösungsgerüchten die Grundlage zu entziehen, veröffentlichte Tool 2000 eine opulent ausgestattete Box mit DVD und CD; auch ein neuer Song war enthalten.
2001 erschien mit »Lateralus« ein komplett neues Album – innerhalb kürzester Zeit nahm des den ersten Platz in den Verkaufs-Charts des Branchenblattes »Billboard« ein. Zu der Reihe sich anschließender Tourneen gehörte auch eine kleine Konzertreihe mit King Crimson. Mit dem nächsten Album ließen sich die Musiker Jahre Zeit, »10,000 Days« legten sie erst 2006 vor. Das Album, erfolgreich wie die Vorgänger, erhielt wieder einen Grammy, wenn auch nur in der Kategorie »Beste Verpackung«.
Die Musik von Tool, besonders die der Alben »Ænema« und »Lateralus«, vielleicht der überzeugendste Beweis für die Existenz eines »Progressive Metals«. Anders als andere Metal Bands, die sich aus dem Fundus des Progressive Rock vergangener Tage bedienten und lediglich an Arrangements und Instrumentation ihrs Metal-Rocks ein wenig feilten – zumeist ohne jede ironische Intention -, betten die Musiker von Tool ihre wuchtigen, zumeist durchaus einfachen Riffs, die mehr als einmal an die Musik Rage against the Machines erinnern, in rätselhafte Umfelder von Klängen, Metren und Rhythmen ein. So wirken etwa »Ænema« und »Lateralus« extrem unruhig und gespannt. Diesen Eindruck unterstreichen diverse Einschübe zwischen den Songs – eine kleines Orgelstückchen hier, das Knistern einer Vinyl-Schallplatte da, dann werden Violinen in grober Weise gestrichen, Baby-Geschrei elektronisch verfremdet und Motorengeräusche nachgeahmt. Der Sinn dieser wie zufällig wirkenden Collagen erschließt sich dem Hörer nicht. Auch je nach Sicht kuriose oder pubertäre Einfälle, wie der Abschnitt »Die Eier des Satans« – in deutscher Sprache wird das Rezept für Haschischkekse aufgesagt – scheinen die Absicht auf Provokation eher nebenbei erfüllen zu wollen. Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass Tool immer wieder wegen Selbstdarstellung, Fotos oder Musik mit diversen Institutionen aneinandergeriet. Zugute halten kann man der Band, dass ihre Intentionen, manchmal geradezu unerbittlich, hochmoralisch sind – nicht selten bei Heavy-Metal-Bands.



Auszeichnungen

Grammy 1998
Grammy 2002
Grammy 2007



Diskografie

Undertow (1993)
Ænema (1996)
Lateralus (2001)
10,000 Days (2006)



Weblink

http://www.toolband.com/ (Offizielle Website der amerikanischen Progressive-Metal-Band Tool)