Abbey Road Studios

Abbey Road Studios, britisches Tonstudio, 1931 von der britischen Gramophone Company in einem Londoner Stadthaus eingerichtet. Das Haus befindet sich in der Abbey Road im Stadtteil St John’s Wood, City of Westminster; die Straße führt zur Kilburn Abbey. In den Abbey Road Studios entstanden viele Aufnahmen der britischen Rockbands The Beatles und Pink Floyd.

Die Gramophone Company hatte das in den 1830er-Jahren erbaute Haus einerseits gekauft, um dort Tonaufnahmen durchzuführen, andererseits, um fertige Aufnahmen zu mastern, also für die Herstellung von Platten vorzubereiten. Als die Gramophone Company 1931 mit der Columbia Graphophone Company zur EMI fusionierte, ging das gerade eingerichtete Studio in den Besitz der neuen Firma über. Die ersten Aufnahmen in dem Studio fanden noch 1931 statt, als der Komponist Edward Elgar (* 1857, † 1934) mit dem London Symphony Orchestra hier sein Werk »Land of Hope and Glory« einspielte. Besonders häufig nutzte der Dirigent Malcolm Sargent (* 1865, † 1967) in den 1940er- und 1950er-Jahren die Abbey Road Studios. Für die Aufnahme von Rockmusik wurde das Studio, das über drei Aufnahmeräume verfügt – Studio One, Studio Two und Studio Three –, seit 1958 genutzt: Cliff Richard und the Drifters nahmen hier in Studio Two mit »Move It« eine der ersten Rock’n’Roll-Singles Englands auf. Studio Two ist ein imposanter, recht hoher und mit einem Parkettboden versehener Saal. In den 1980er-Jahren wurden die Abbey Road Studios auch für die Aufnahme von Filmmusik eingesetzt, der Komponist John Williams etwa spielte hier mit dem London Symphony Orchestra alle Musikanteile der Soundtracks der »Star Wars«-Filmreihe ein. Gleiches gilt für die Musik der Musik zu der Film-Trilogie »The Lord of the Rings«. Auch die Band Pink Floyd nahm seit den 1960er-Jahren bis in die 1970er-Jahre hinein ihre Alben in den Abbey Road Studios auf.

Bekannt wurde das Studio durch die Beatles, die hier in Studio Two den größten Teil ihrer Songs aufnahmen und ihre letzte LP nach der Straße »Abbey Road« nannten. Auch das Photo für das Cover wurde in dieser Straße gemacht: Der Zebrastreifen ist seitdem zu einem Topos der Cover-Gestaltung geworden, das Photo oft kopiert und parodiert.

Mit dem Namen des Studios sind aber nicht nur die von Musiker und Bands verbunden, sondern auch von Produzenten und Toningenieuren; an erste Stelle ist sicherlich George Martin, Produzent der Beatles-Platten, zu nennen, dann Geoff Emerick, Ken Scott, Ken Townshend und Alan Parsons. Das Mastering von Aufnahmen wurde lange Jahre von Chris Blair besorgt, der es darin zu singulärer Meisterschaft brachte.

Das Studio ist unter Rock- und Popmusikern hoch angesehen, nicht zuletzt, weil hier durchgeführte Orchesteraufnahmen einen besonders homogenen Klang aufweisen; möglicherweise wirkt auch die historische Aura des Ortes beflügelnd auf Musiker. Einen hohen Anteil an dem Klang dürfte aber auch das London Symphony Orchestra haben, dessen Mitglieder hier oft als Studiomusiker arbeiten. Auch hat die Instrumentensammlung des Studios einen legendären Ruf und einige der Instrumente – etwa verschiedene Drum Sets – sind als Sample Library erhältlich, produziert in den Abbey Road Studios.

Technisch wurde das Studio immer wieder auf den neuesten Stand gebracht und hatte stets einen excellenten Ruf. Dennoch entschloss sich die EMI 2010, die Abbey Road Studios zu verkaufen. Ehe es an einen Immobilien-Investor ging, machten sich einige Musiker für den Erhalt des Studios stark, darunter Andrew Lloyd Webber und Paul McCartney. Die EMI lenkte ein, zumal Ende 2010 der britische Staat die Studios samt Haus unter eine Art Denkmalschutz stellte; dieser schloss auch den Zebrastreifen ein.
Die Abbey Road Studios tragen diesen Namen im Übrigen erst seit 1970; vorher wurden sie ganz prosaisch EMI Studios genannt.

Literatur

Lewisohn, Mark: The Complete Beatles Chronicles; London 1992

Weblink

www.abbeyroad.com (Offizielle Website der Abbey Road Studios in London; unter dem Menüpunkt Visit findet sich eine Live-Webcam, die das Treiben auf dem Zebrastreifen beobachtet)