Hansa Tonstudios

Hansa Tonstudios, an verschiedenen Standorten gelegene Studios der von Peter Meisel, Thomas Meisel und Christian Bruhn 1962 gegründeten Plattenfirma Hansa Musik Produktion. Die Firma nutzte ab 1964 ein kleines Studio in der Wittelsbacher Straße und das Studio der Schallplattenfirma Ariola-Eurodisc in der Köthener Straße. 1972 wurde in Berlin-Wilmersdorf das erste eigene Studio gegründet, später Hansa I genannt. Das Hansa-Studio, das in die Geschichte der Rockmusik einging, liegt in der Köthener Straße in Berlin-Kreuzberg, nicht weit vom früheren Verlauf der Berliner Mauer.

Die Hansa gab das Studio in Wilmersdorf schon 1974 wieder auf, konnte doch das Studio in Kreuzberg übernommen werden. Zu dem Hansa Studio II genannten Studio gehörte ein großer Saal, der auch Produktionen mit großen Ensembles ermöglichte. So entstanden hier Aufnahmen aller Art von Musik, vom Schlager bis hin zu Big-Band und Orchester-Produktionen. Bald konnte sich das Hansa-Studio einen Namen machen, nicht zuletzt wegen der guten Akustik des Aufnahmesaals. Geradezu berühmt wurde es aber erst Mitte der 1970er-Jahre, als der seinerzeit in Berlin lebende britische Rockmusiker David Bowie dem morbiden Charme des äußerlich eher einer Ruine als einem Hort moderner Aufnahmetechnik gleichenden Gebäude erlag und hier seine so genannte »Berliner Trilogie« aufnahm: Hier entstand 1977 sein Song »Heroes«.
Das Bruchbuden-Image des Hauses allein hätte Bowie wohl kaum überzeugt: 1976 hatten die Meisels das Haus gekauft, mit moderner Aufnahmetechnik ausgerüstet und damit das internationale Interesse auf sich gezogen. Das Studio wurde stets auf dem aktuellen Stand er Technik gehalten, so dass es auch in den 1980er-Jahren, als die Digitalisierung die Musikproduktion zu bestimmen begann und der Computer sich als zentrales Produktionsmittel etablierte, weltbekannte Musiker und Bands anzog. Neben dem großen Saal befanden sich weitere Aufnahme- und Regieräume in dem Haus, die allerdings in unterschiedlicher Weise genutzt wurden und darin auch die jeweils übliche Produktion von Musik widerspiegelten. Ende der 1980er-Jahre wurden die Studios erneut umgebaut und der Saal, »Meistersaal« genannt, restauriert. Neben dem Saal befinden sich insgesamt acht Studios mit unterschiedlicher Ausrichtung und unterschiedlichen Aufgaben in dem Gebäude, sodass jede Art von Musikproduktion hier durchgeführt werden kann. Mittlerweile gehören auch zwei Fernseh-Produktionsfirmen zu dem Studiounternehmen.
Im Laufe der Jahrzehnte produzierten in den Hansa Tonstudios diverse Musiker und Ensembles ihre Platten, so Udo Jürgens, Marianne Rosenberg, Peter Orloff, Albert Hammond, Anna Moffo, Lorin Maazel, Paul Kuhn, Iggy Pop, Marillion, Falco, Boney M., Nick Cave and The Bad Seeds, U2, Tangerine Dream, Killing Joke, Snow Patrol, Supergrass, Siouxsie and The Banshees und Depeche Mode, darunter so legendäre Platten wie »Heroes« (1977; David Bowie), »Construction Time Again« (1983; Depeche Mode) und »Achtung Baby« (1991; U2).



Diskografie

David Bowie: Low (1977)
David Bowie: Heroes (1977)
David Bowie: Baal (1982)
Depeche Mode: Construction Time (1983)
Killing Joke: Night Time (1984)
Marillion: Micplaced Childhood (1984)
Snow Patrol: A Hundred Million Suns (2008)
Supergrass: Diamond Hoo Ha (2008)



Weblink

http://www.hansastudio.de/ (Offizielle Website des Hansa Tonstudios)