Kant-Kino

Kant-Kino, Kinosaal in der Kantstraße 54 in Berlin (Charlottenburg), in den 1970er- und 1980er-Jahren von seinem Pächter Conny Konzack, eigentlich Reinhard Konzack, (* 1950) auch als Konzertsaal genutzt.

Conny Konzack hatte das etwas heruntergekommene Bezirkskino gepachtet und wollte es als Programmkino betreiben. Zum Programm gehörten auch – meist spät abends angesetzte – Musikfilme, etwa von Yes (»Yesshows«, 1977). Es lag für Konzack nahe, bald auch Konzerte in dem relativ kleinen Saal zu veranstalten, zumal die seinerzeit neue Musik aus England und den USA – Punk und New Wave – in Berlin keinen Ort hatte. Zunächst aber traten ab Dezember 1976 Bands wie Long Tall Ernie & The Shakers, Hölderlin, Can, Lok Kreuzberg und selbst der Pianist Friedrich Gulda auf. Kaum ein Jahr später aber waren auch Bands wie Doctors of Madness, The Vibrators, Mink De Ville, The Damned, später The Jam, Ultravox, The Dictators, Alberto Y Lost Trios Paranoyas, Blondie, The B 52’s, Dr. Feelgood und nahezu alle anderen Größen der älteren und neueren britischen und amerikanischen Rockmusik auf der Bühne des Kant-Kinos zu sehen. Die britische Rockband Simple Minds widmete dem Veranstaltungsort auf ihrer 1980 veröffentlichten LP »Empires and Dance« mit »Kant-Kino« ein knapp zwei Minuten dauerndes Instrumental. Ein geplantes Konzert der Sex Pistols im Jahre 1978 wurde mehrmals in jeweils größere Säle verlegt, bis vier Tage vor dem Termin bekannt wurde, dass sich die Band aufgelöst hatte; die Karten waren bereits gedruckt.
Der Einfluss der Konzerte im Kant-Kino auf die Berliner Musiker war enorm; Konzack – grundsätzlich an jeder Art von Musik interessiert – bot auch den Berliner Bands, darunter PVC, Morgenrot, Bakmak, Nina Hagen und Spliff, ein Podium. Innerhalb der ersten fünf Jahre hatten über 220 Musiker und Bands teils mehrere Konzerttermine im Kant-Kino.
Das Konzertveranstaltungs-Unternehmen Konzacks wuchs, so dass er immer wieder größere Veranstaltungsorte buchen musste und schließlich 1979 mit dem Konzertveranstalter Albatros Concerts die neben Concert Concept (Peter Schwenkow) seinerzeit wichtigste Agentur der Stadt betrieb. Eine opulent produzierte Fassung des Stummfilms »Napoléon« (1927; Regie Abel Gance) – Konzack hatte für die Vorführung des Films in der Berliner Waldbühne ein Orchester engagiert – fand nicht die nötige Resonanz beim Publikum, so dass Konzack Konkurs anmelden musste. Dies bedeutete 1983 auch das Ende der Konzerte im Kant-Kino.



Diskografie

Simple Minds: Empires and Dance (1980)



Literatur

Baumgart, Fred/Kant-Kino (Hrsg.): Gigs im Kant-Kino – 5 Jahre Konzerte; Berlin 1980