Onkel Pö

Onkel Pö, am 1. Oktober 1970 von Bernd Cordua und Peter Marxen im Hamburger Stadtteil Eppendorf eröffnetes Jazzlokal; Marxen und Cordua hatten das Lokal zunächst unter dem Namen Onkel Pös Carnegie Hall 1969 am Mittelweg in Pöseldorf gegründet, es wenig später aber nach Eppendorf verlegt. Obwohl der Name nicht geändert wurde,

Das Onkel Pö war als Gaststätte angelegt, in der regelmäßig Konzerte von Blues-, Jazz- und Rockbands stattfinden sollten. Schon nach kurzer Zeit hatte sich das Lokal als Treffpunkt von Musikern, Musikjournalisten und den bei den in Hamburg ansässigen Plattenfirmen Beschäftigten etablieren können. Mit der wachsenden Reputation der in Norddeutschland lebenden Musiker – zu denen neben anderen etwa Udo Lindenberg, die Sängerin Caro, die Sängerin Inga Rumpf mit ihrer Band Frumpy und der Komiker Otto Waalkes gehörten – wurde das Onkel Pö zu einer Art Zentrum der norddeutschen Rockmusik. Die Presse wollte bald eine »Hamburger Szene« ausgemacht haben und der Norddeutsche Rundfunk entdeckte das mittlerweile von Marxen als Produktionsstätte von Konzerten und später auch Talk Shows. Udo Lindenberg setzt dem Onkel Pö mit dem auf der LP »Alles klar auf der Andrea Doria« (1973) enthaltenen Song »Alles klar auf der Andrea Doria« ein Denkmal. Der in dem Text gegebene Hinweis, dass »bei Onkel Pö« eine »Rentnerband seit 20 Jahren Dixieland« spielte, entbehrte jedoch ein wenig der Grundlage: Marxen engagierte in beinahe ständiger Beratung mit dem Jazz-Redakteur des NDR, Michael Naura, dem Spiegel-Redakteur Siegfried Schmidt-Joos und Siggi Loch von der Plattenfirma WEA (Act) neben lokalen Größen vor allem international bekannte Musiker aus Bebop, Modern Jazz und vor allem dem seinerzeit populären Jazzrock. So traten im Onkel Pö im Laufe der Jahre etwa Albert Mangelsdorff, Wolfgang Dauner, Chet Baker, Art Blakey, Abdullah Ibrahim, Michael Brecker, Gary Burton, Don Cherry, Chick Corea, Pat Metheny, Dizzy Gillespie, Woody Shaw, Archie Shepp und andere auf. Wichtig war das Onkel Pö für die Karrieren des Pianisten Gottfried Böttger, des Sängers Al Jarreau und der Sängerin Helen Schneider. Hier traten aber auch U2, Mink DeVille, Dream Syndicate, The Alarm, Billy Bragg, Tom Waits, Warren Zevon, Trio, Talking Heads, XTC, The Bangles, Alex Chilton und viele andere auf.
1978 wechselte das Lokal seine Besitzer, Marxen eröffnete auf dem Land ein Restaurant. Zu dieser Zeit hatte das Onkel Pö seine Bedeutung für die Rockmusik schon verloren. Das Schlagwort von der »Hamburger Szene« bekam dem Lokal nicht und der neue Besitzer Holger Jass fand keinen Ansatz mehr, dem Onkel Pö das Publikum zu erhalten und die Anfang der 1980er-Jahre den deutschen Musikmarkt bestimmenden Vertreter der Neuen Deutschen Welle sahen in dem Lokal ein anachronistisches Relikt. Ende 1985 schloss die norddeutsche Carnegie Hall. Der Bau besteht noch, in den Räumlichkeiten befindet sich nun eine Filiale einer Imbiss-Kette.