Ratinger Hof

Ratinger Hof, in Düsseldorf in der Ratinger Straße gelegenes Lokal, das von 1974 bis in die 1980er-Jahre hinein ein Zentrum der deutschen Punk- und New-Wave-Musik war; der Hof, wie der Veranstaltungsort kurz genannt wurde, schloss 1989.

Der Ratinger Hof war ursprünglich ein Treffpunkt Bildender Künstler wie Sigmar Polke, A.R. Penck, Jörg Immendorff und Joseph Beuys. 1974 übernahmen Carmen Knoebel und Ingrid Kohlhöfer den Ratinger Hof, der in kurzer Zeit bei Punk-Musikern beliebt wurde – aber auch noch von Rockern besucht wurde. In dem flachen Gebäude, das einen einem Schlauch ähnelnden Saal enthielt, wurde zu der neuen Musik aus Großbritannien Pogo getanzt, ab 1977 fanden hier Konzerte von Bands wie Wire, Male, Charley’s Girls, ZK, S.Y.P.H. DIN A Testbild, Delta Minus T, DAF und Fehlfarben statt. Im Keller übten Punk-Bands. Zur Legende wurde ein Konzert der Gruppe Delta Minus T, bei dem die Musiker größere Mengen Eis, aber auch einige Tierkadaver im Saal verstreuten.
1979 gaben Knoebel und Kohlhöfer auf. Zu dieser Zeit war der Veranstaltungsort längst etabliert und bis zu seiner Schließung hatte sich auch ein Mythos um den Hof gebildet. Der Ort bestand noch eine Weile, wurde zeitweilig als Diskothek genutzt, dann aber abgerissen. An derselben Stelle gibt es einen Club, der sich Stone im Ratinger Hof nennt.
Der Mythos der späten 1970er-Jahre erstand in einer Rehe von Büchern über den deutschen Punk immer wieder mal auf; der Ratinger Hof spielt darin häufig eine wichtige Rolle, wenn er nicht gleich selbst zentraler Gegenstand einer Publikation ist.



Literatur

Xao Seffcheque: Watergate Düsseldorf – Business-Fick & Neue Musik, in: Human, Klaus/Pott Gregor (Hrsg.): Rock Session 6, Reinbek 1982, S. 66-91
Zeigermann, Ralf (Hrsg.): Ratinger Hof – Fotos und Geschichten; 2010