The Manor Studio

Manor Studio, The, von englisch manor für »Gutshaus, Herrenhaus« britisches Tonstudio, 1971 in einem Gutshaus in Shipton-on-Cherwell (Oxfordshire, England) eingerichtetes Studio; in der Regel ist auf Platten-Covers als Bezeichnung lediglich The Manor zu lesen. Das Studio wurde 1995 geschlossen und wieder als Wohnsitz genutzt.

Richard Branson, Besitzer des Platten-Labels Virgin Records ließ das Studio nach dem Vorbild eines von dem französischen Komponisten Michel Magne in einem französischen Landschloss eingerichteten Studios bauen. The Manor war das erste Tonstudio Englands, das auf dem Land etabliert wurde, nicht also etwa in London, wo sich der Großteil der britischen Studios befindet. Branson setzte damit einen Trend, der seitdem ungebrochen ist – nicht wenige Musiker und Bands suchen zur Durchführung von Aufnahmen geradezu die ländliche Abgeschiedenheit.

Die erste Band, die das Studio benutzte, war The Bonzo Dog Band, die dort ihr für Jahre letztes Studio-Album produzierte. Danach nutzte Branson The Manor vor allem, aber nicht ausschließlich, für die Musiker und Bands, die er für sein eigenes Label, Virgin Records, unter Vertrag genommen hatte. So entstand hier eine Reihe der Alben von Sandy Denny, John Cale, Gong, Vivian Stanshell, Henry Cow, Faust, Slapp Happy, Tangerine Dream und Ivor Cutler. Im Laufe der Jahrzehnte des Bestehens wurde das Studio aber etwa auch von Black Sabbath, Strawbs, Supercharge, Split Enz, Martha and the Muffins, XTC, Rush, David Sylvian, The Cure, The Cranberries und Radiohead gebucht. 1972 und 1973 werkelte in den Aufnahmepausen Mike Oldfield an seinem Album »Tubular Bells« (1973).

Technisch war das Studio stets State of the Art: Anfang der 1970er-Jahre waren neben 4- und 8-Spur-Bandmaschinen auch ein 16-Spur-Gerät verfügbar wie auch weitere Geräte zur Audiobearbeitung. Für Musiker bedeutender mag gewesen sein, dass das Studio Tag und Nacht benutzt werden konnte, das Haus als Hotel zur Verfügung stand und die Verpflegung im Mietpreis inbegriffen war.

Nachdem Branson Virgin Records 1995 an die EMI verkauft hatte, schloss der Konzern das Studio; seitdem wurde es wieder als Landsitz genutzt und stand 2010 erneut zum Verkauf.