Alanis Morisette

Morisette, Alanis Nadine, kandische Rock- und Popmusikerin (Gesang, Gitarre, Text, Komposition), * Ottawa (Ontario) 1.6.1974

Alanis Morisette begann im Alter von sechs Jahren das Klavierspiel zu lernen und schrieb wenige Jahre später eigene Songs. Eines dieser Ergebnisse kindlichen Ausdruckswillens, den Song »Fate stay with me«, schickte sie 1984 an den lokal bekannten Folkmusiker Lindsay Morgan, der der jungen Autorin eine professionelle Studioaufnahme des Liedes ermöglichte und eine kleine Auflage von Singles pressen ließ. Die Single, die einige Zeit auch von den lokalen Rundfunkstationen Ottawas gesendet wurde, sorgte für so viel Aufmerksamkeit, dass Alanis Morisette regelmäßig in der Reihe »You can´t do that an Television« des Kinder-Fernsehsenders Nickelodeon auftrat. Ermutigt von diesen Erfolgen und mit dem festen Willen, eine Karriere im Musik- und Showgeschäft aufzunehmen, kandidierte sie wenige Jahre später unter dem Namen Alanis Nadine bei der amerikanischen Talentshow »Star Search«, schied aber bereits in der ersten Runde aus. Die mittlerweile vorhandenen Kontakte ermöglichten es ihr aber, einen Vertrag bei dem Musikverlag des Schallplatten-Labels MCA zu unterschreiben; der Verlag wiederum brachte Morissette mit den Managern eines der Unterlabels von MCA zusammen.

Bei MCA veröffentlichte Alanis Morissette, nunmehr unter dem Bühnennamen Alanis, die CDs »Alanis« (1991) und »Now is the time« (1992), beides Alben, die mit Dance Music und Balladen eine großes Publikum erreichen sollten. Tatsächlich gelang dies: »Alanis« wurde in Kanada so oft verkauft, dass die Sängerin bald eine Platin-CD entgegennehmen konnte, »Now ist the time« ergab drei Singles, die die Top Forty der Landes-Hitparade erreichten, wenn das Album auch bei weitem nicht so oft verkauft wurde wie das erste. Alanis Morisette hatte die meisten Songs der CDs gemeinsam mit dem Produzenten Leslie Howe geschrieben. Trotz des relativ großen Erfolges ließ MCA den Vertrag mit der Sängerin auslaufen.
Alanis Morisette ließ sich davon nicht entmutigen, sondern wechselte von Ottawa nach Toronto, und als sich auch dort keine Möglichkeiten für eine Fortsetzug ihrer Karriere ergaben, nach Nashville. In der Country-Metropole der USA ergab sich aber das gleiche Bild, niemand interessierte sich für ihre selbst verfassten Songs. Während eines Besuches in Los Angeles lernte sie den Produzenten und Songschreiber Glen Ballard, mit dem sich nahezu auf Anhieb eine fruchtbare Zusammenarbeit ergab. Gemeinsam schreiben Morissette und Ballard einige Songs und stellten diese zu dem Album »Jagged little pill« zusammen.

Die 1995 bei Maverick Records – dem von Madonna gegründeten Schallplattenlabel – veröffentlichte CD schlug einige bis dahin geltende Rekorde: Die erste ausgekoppelte Single »You oughta know« wurde zunächst ein Rundfunk-Hit, dann kam das dazugehörige Video in die Reihe der beim Musiksender MTV ständig abgespielten Clips und das Album wurde innerhalb von Monaten das meistverkaufte Debütalbum einer Sängerin überhaupt und hielt sich über ein Jahr lang in den Top Twenty der amerikanischen Charts. Außer Acht ließ die amerikanische Schallplattenorganisation RIAA dabei, dass Morisette in Kanada bereits zwei Alben veröffentlicht hatte. 1996 erhielt sie für »Jagged little pill« Grammys in vier Kategorien, und Morisette trat in der im selben Jahr durchgeführten Tour in den größten Hallen auf. Auch diese Tour müdnete in Anerkennung durch die Industrie: Der während der Tour angefertigte Videofilm »Jagged little pill – live«, 1997 veröffentlicht, brachte der Sängerin 1998 einen weiteren Grammy ein.

Mit den Gepflogenheiten der Industrie – CD, Tour, Video – haderte Alanis Morisette und zog sich für Wochen nach Indien zurück. Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie u.a. mit Ringo Starr und Dave Matthews zusammen, schrieb an dem Soundtrack für den Film »City of angels« mit – der darin enthaltene Song »Invited« brachte 1999 den nächsten Grammy – und veröffentlichte gegen Endes des Jahres das Album »Supposed former infatuation junkie«. Sperrig wie der Titel war die Musik, mit der die Sängerin einige Konventionen des Pop-Marktes über den Haufen warf und dennoch bereits in der ersten Woche nach Veröffentlichung allein in den USA nahezu eine halbe Million CDs verkaufen konnte.

Das fünfte Album, »Under rug swept«, veröffentlichte Alanis Morisette, die das Album nunmehr auch selbst produziert hatte, erst im Jahre 2002. Die lange Pause tat dem Erfolg der CD keinen Abbruch, wieder fand sie weltweit Millionen Käufer. Der Erfolg ließ erst 2004 mit der Veröffentlichung des Albums »So-called Chaos« nach. Alanis Morissette hatte zu dieser Zeit allerdings längst einen Status erreicht, der es ihr ermöglichte, auch Kontroversen anzuzetteln und Kritik zu provozieren: In einem Song verwendete sie das Wort »asshole«, das einigen amerikanischen Rundfunkstationen nicht gefiel und durch »nightmare« ersetzt werden musste, die CD »Jagged little pill – Acoustic« – eingespielt anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Erstveröffentlichung des Albums – war zunächst ausschließlich bei dem Kaffeekocher Star Bucks erhältlich, worüber sich Maverick Records echauffierte und 2006 hatte die Sängerin genug von Konzerten und ging gar nicht erst auf Tour. Erst 2007 konnte man sie wieder auf der Bühne sehen und 2008 tauchte sie als Special Guest bei Konzerten von Alternative-Rock-Bands wie Mute Math und Matchbox Twenty auf. Eher beiläufig erschien 2008 ihr siebentes Studioalbum, »Flavors of Entangelement«.

Alanis Morisette stand in kürzeren oder längeren Abständen immer wieder auch vor der Film- oder Fernsehkamera oder auf der Theaterbühne. Als Kind war sie achtzehn Mal in den Folgen der Serie »You can´t do that on Television« zu sehen, und spielte zwischen 1985 und 1988 mehrmals bei Aufführungen der Orpheus Musical Theatre Society ihrer Heimatstadt mit. 1993 übernahm sie ein Rolle für den Film »Just one of the girls«, dann erst wieder 1999 in »Dogma«, in dem sie Gott spielte. Weitere Rollen hatte sie in »Sex and the City«, »Curb your enthusiasm« und einer Aufführung von »The Vagina Monologues«. Alanis Morissette trat 2003 in »The Exonerated« auf und 2004 in »De-Lovely« auf, einem Film, der das Leben Cole Porters zum Inhalt hat. Weitere Auftritte hatte sie seit 2005 in verschiedenen Fernsehproduktionen; häufig spielte sie dabei sich selbst.

Alanis Morisette ist nicht unumstritten. Die Aufforderung Ballards, ihre Musik aus ihrer eigenen Emotion heraus zu gestalten, führte zwar dazu, dass die ersten beiden CDs der Sängerin nicht weiter ernst genommen wurden, als sie »Jagged little pill« veröffentlichte, doch thematisierte sie seitdem ihr eigenes Leben derartig häufig und unverblümt, dass sie die Grenzen der in der Rock- und Popmusik ohnehin üblichen – und vom Publikum durchaus auch erwarteten – Exhibition mehr als einmal überschritt. Sie redete, schrieb und sang über Bulimie, Magersucht und Konsum weicher Drogen und immer wieder über ihre missglückten und missglückenden Liebesbeziehungen zu Frauen und Männern, dabei kaum einen Aspekt auslassend. Als »angry woman« begründete sie geradezu ein Genre, für das sie dann auch die Gallionsfigur abgab.

In ihrer Musik finden ihrer Provokationen keinen Widerpart. Allemal sind es die Mittel gängiger Rock- und Popmusik, die allerdings stets von hervorragenden Musikern souverän gehandhabt werden. In ihrem Gesang ist Alanis Morissette nicht an Vorstellungen von weiblichem Wohlklang interessiert, es steht außer Frage, dass sie ihre Botschaften verstanden wissen will. Dass für diese Art von Musik – mitunter radikale Texte kombiniert mit erprobtem Mainstream Rock – sich ein Publikum findet, ist sicherlich nicht weiter bemerkenswert. Die Größe des Publikumserfolgs den Alanis Morisette hat, aber allemal.

Auszeichnungen

1996 Grammy in vier Kategorien
1998 Grammy
1999 Grammy in zwei Kategorien

Diskografie

Alanis (1991)
Now is the time (1992)
Jagged little pill (1995)
Supposed former infatuation junkie (1998)
MTV unplugged (1999)
Under rug swept (2002)
Feast on scraps (2002)
So-called chaos (2004)
Jagged little pill acoustic (2005)
Flavors of entanglement (2008)

Filme

Just One of the girls (1993)
Dogma (1999)
Jay and Silent Bob strike back (2001)
De-Lovely (2004)

Weblink

www.alanis.com (Offizielle Website der Rockmusikerin Alanis Morissette)