Barry Ryan

Ryan, Barry, eigentlich Barry Sapherson, britischer Popsänger, * Leeds (Yorkshire) 24.10.1948; Barry Ryan ist der Zwillingsbruder von Paul Ryan. Die Brüder nahmen als Künstlernamen den Mädchennamen ihrer Mutter Marion Ryan an.

Biografie

Barry und Paul Ryan kamen aus einem an Musik interessierten Elternhaus: Ihre Mutter Marion war selbst als Sängerin erfolgreich gewesen. Ihre eigene Karriere begannen die Brüder im Alter von 15 Jahren und nannten sich The Ryan Twins. Die Zwillinge erhielten bald bei dem britischen Label Decca Records einen Vertrag. Bei Decca veröffentlichten sie einige Singles, etwa »Don’t bring me your heartaches« (1965), »Have pity on the boy« (1966) und »Missy Missy« (1966). Paul Ryan allerdings fand am Leben als Musiker, eingezwängt in die Gegebenheiten des Musikgeschäfts, keinen Gefallen und so beschlossen die Brüder nach einem Wechsel zu MGM Records und der Veröffentlichung der Singles »Heartbreaker« und »Pictures of today«, die Aufgaben zu teilen: Paul schrieb die Songs, Barry präsentierte sie der Öffentlichkeit.
Schon 1968 hatten die Brüder den ersten aufgrund der verabredeten Arbeitsteilung zustande gekommenen Hit. Paul Ryan hatte »Eloise« komponiert, sich eine opulente Orchestrierung dazu einfallen lassen, und Barry Ryan sang ihn mit allem möglichen Druck und Pathos, so dass der Song der erste Hit der Ryans wurde. Zumal in Deutschland war »Eloise« äußerst beliebt und hielt sich eine Weile auf dem ersten Platz der nationalen Hitparade; die Teenager-Zeitschrift »Bravo« nahm sich des Sänger dann auch gleich in Besitz ergreifender Weise an. In Großbritannien dagegen blieb das Publikum nüchtern die schnell produzierten Singels »Love is Love« (1969), »The Hunt« (1969) oder »Magical Spiel« schafften es nicht mehr in die Top-Ten. Nur noch einmal hatten die Brüder in der Heimat größeren Erfolg, wieder war es mit »Kitsch« ein korpulent instrumentierter Song, dann hatte das britische Publikum endgültig genug von derartiger Miniatur-Sinfonik.
In Deutschland dagegen blieben die früheren Fans dem Sänger treu und kauften dessen nunmehr in deutscher Sprache vorgetragenen Lieder weiterhin. Einspielungen wie »Zeit macht nur vor dem Teufel halt« (1972) und »Sanctus, Sanctus Hallelujah« (1972) schafften es sogar in die Hitparade. Noch Jahre später war der Name Barry Ryans auf den Plakaten von Nostalgie-Veranstaltungen zu lesen.
Barry und Paul Ryan stehen mit ihren Songs für einen Wendepunkt in der britischen Popmusik: Zwar griffen sie die seinerzeit nach »A day in the life« von den Beatles modisch gewordene breite Orchestrierung von Pop-Songs auf und überspitzten diese Idee auch noch, doch zwangen sie ihre symphonisch klingenden Paraphrasen auf eine Seite einer Single, also auf kaum mehr als drei Minuten. Barry Ryan sang die Songs seines Bruders mit dramatischem Einsatz und filmreif gespieltem Pathos, meist auch adäquat in Samt und Rüschenhemd gekleidet. Allerdings verbrauchten sich diese Stilmittel schnell und der Titel eines ihrer Erfolgsongs hat mit »Kitsch« wohl auch ein Quantum Selbstironie enthalten. Dennoch dürfte diese Musik – die immerhin als Pop, wenn nicht Rock verkauft wurde -, einigen Einfluss auf spätere Entwicklungen gehabt haben: Manche Entwicklungen im Progressive Rock wirken wie ein ernsthafter Nachklang auf Barry und Paul Ryans orchestrales Audio-Cinemascope. Die Nachhaltigkeit dieser für den Augenblick gedachten Musik zeigte sich überraschend 1986, als die vormalige Punk-Band The Damned eine Cover Version von »Eloise« vorlegten.



Diskografie

The Ryan Twins

Two of a kind (1967)

Paul and Barry Ryan

Paul and Barry Ryan (1968)

Barry Ryan

Barry Ryan sings Paul Ryan (1968)

Barry Ryan 2 (1969)

Barry Ryan 3 (1970)

Red man (1971)

Sanctus Sanctus Hallelujah (1972)