Frank Farian

Farian, Frank, eigentlich Franz Reuther, deutscher Schlagersänger und Musikproduzent, * Kirn 18.7.1941.

Farian begann nach der Schulzeit eine Lehre als Koch, interessierte sich aber schon bald mehr für Rockmusik als für Töpfe und Pfannen, kaufte Instrumente und Verstärker und gründete 1961 die Band Frankie Farian und die Schatten. 1963 nahm er mit »Shouting Ghosts« eine erste Single auf. Die Band erarbeitete sich eine gewisse Reputation, trat im Hamburger Starclub neben den amerikanischen und britischen Größen auf und veröffentlichte zwei weitere Singles, Cover Versions von »Yaketi Yak« (1964) und »Under the boardwalk« (1965). 1967 wurde Farian von der Firma Ariola unter Vertrag genommen. Als 1969 die Band auseinanderbrach, versuchte er es als Solist und schaffte es bis in die Hitparade des ZDF.
Farian arbeitete längst professionell: Er betrieb in St. Ingbert eine Diskothek und ein eigenes Studio. 1969 wechselte er zu Hansa Records, ahnte trotz einiger Erfolge Mitte der 1970er-Jahre allerdings, dass seine Karriere sich kaum würde ausbauen lassen. Schon immer an Tonaufnahme und Musikproduktion interessiert, zog er sich allmählich von der Bühne zurück. Er sah die Lücke im deutschen Musikmarkt für die international erfolgreiche Disco Music und gründete Boney M. Zu der Gruppe gehören Bobby Farrell, Liz Mitchell, Marcia Barrett und Maizie Williams. Noch bevor die Zusammensetzung der Gruppe feststand, veröffentlichte er die erste Single unter dem Namen Boney M., »Baby, do you wanna bump«, um den Markt zu testen. Der Zuspruch des Publikums führte zu weiteren Veröffentlichungen, und gleich die zweite Single, »Daddy Cool« (1976), war europaweit erfolgreich. In schneller Folge, aber in genau geplantem Zeitabstand legte Boney M. weitere Singles vor: »Sunny« (1976), »Ma Baker« (1977), »Belfast« (1977), »Rivers of Babylon« (1978), »Ring« (1978), »Rasputin« (1978), »Mary´s Boy Child« (1979). Ab 1979 sank der Stern des vor allem in Deutschland und Großbritannien erfolgreichen Quartetts allmählich. Längst hatte sich herumgesprochen, dass nur zwei der Mitglieder selbst sangen und Farian nicht nur den männlichen Gesangspart selbst übernommen hatte, sondern dass Boney M. auf der ganzen Linie sein Projekt war. Das Ende der Disco Music, durch einige Entwicklungen innerhalb der New Wave eingeleitet, ließ Farian nicht hilflos zurück, Anfang der 1980er-Jahre hatte er sein technisch hochgerüstetes Studio in Rosbach in Betrieb genommen. Hier nahmen unter anderem Stevie Wonder, Terence Trent D´Arby, Meat Loaf und Cockney Rebel auf, aber auch etwa der Tenor Peter Hofmann.
1988 belebte er die Idee von Boney M. aufs Neue: er gründete das Duo Milli Vanilli. Was ihm mit Boney M. nicht recht gelungen war – der Erfolg in den USA – schafften die Tänzer Rob Pilatus und Fab Morvan auf Anhieb: Sie erreichten mit »Girl You Know It’s True« den ersten Platz der US-Hitparade, was bis dahin noch keiner aus Deutschland kommenden Formation gelungen war. 1990 erhielt das Duo sogar einen Grammy. Doch waren sie nicht die Sänger der Erfolgstitel, sondern einmal mehr Farian mit diversen anderen Sängern und Musikern. Als die Sache ruchbar wurde, bedeutete dies das Ende von Milli Vanilli und Farian wurde von den Grammy-Verleihern mit einer Geldstrafe belegt.
Farian blieb erfolgreich. Er überarbeitete die alten Bonyey M. Songs, produzierte die Gruppe No Mercy, baute auf den Bahamas ein weiteres Studio und widmete sich seiner Allstar Band Far Corporation, einer Versammlung gestandener deutscher, britischer und amerikanischer Rockmusiker (Bobby Kimball, David Paich, Steve Lukather, Curt Cress), die vor allem Cover Versions von Rock-Klassikern einspielten und recht erfolgreich veröffentlichten. Nebenbei legte er sich in einem Buch mit Dieter Bohlen an. Seit 2005 plante er ein Musical mit dem Titel »Daddy Cool«, das 2006 in London Premiere hatte und 2007 in Berlin seine deutsche Erstaufführung erlebte.
Frank Farian ist eine der grauen Eminenzen der deutschen Popmusik. Früh erkannte er, dass Erfolg sich in der Popmusik immer dann einstellt, wenn man dem Publikum exakt das gibt, was es will. Boney M. etwa war Teil der Disco-Welle in den 1970er-Jahren. Farian kopierte den Klang, stülpte ihn eingängigen, teilweise längst erprobten Melodien über und schickte ein Quartett auf die Bühne – und in die Discos –, das exakt in diese Feierabend-Glitzerwelt passte. Ungerührt ließ der die Erfolgsgruppe fallen, als der Erfolg nachließ, und wandte sich dem nächsten Trend zu. Die Querelen um Milli Vanilli überstand er weitgehend unbeschadet und blieb im Geschäft. Seine eigene Linie zu verfolgen, ließ ihn auch mit Dieter Bohlen aneinandergeraten: Würde Farian einen Superstar ausfindig machen, würde er ihn erst unter Vertrag nehmen und dann vor die Fernsehkameras schicken – nicht umgekehrt.

Auszeichnungen

Echo 1997

Werk

Stupid dieser Bohlen. Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit über den Pop-Hochstapler (2004; mit D. Kaltwasser u. R. Rudorf)

Weblinks

http://www.frankfarian.com (Offizielle Internetpräsenz des deutschen Musikproduzenten Frank Farian)