Kylie Minogue

Minogue, Kylie, australische Schauspielerin und Popmusikerin (Gesang, Komposition, Text), * Melbourne 28.5.1968.

Kylie Minogue gehörte gemeinsam mit ihrer Schwester Danii bereits als Kind zu dem Schauspieleraufgebot der Fernsehserien »The Sullivans«, »Skyways« und »The Henderson Kids«. 1983 sang Kylie auch in der Talentshow »Young Talent Time«, stand hier aber im Schatten ihrer Schwester. Als sie aber für eine Hauptrolle der Serie »Neighbours« engagiert wurde und an der Seite von Jason Donovan die burschikose Automechanikerin Charlene Mitchell spielte, wurde sie schnell in ganz Australien bekannt: Die Epsiode, in der sie endlich Donovan »heiraten« durfte, zog 1987 etwa 20 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme.
Nunmehr nationaler Star, kam auch ihre Gesangskarriere in Gang. Sie hatte 1986 im Rahmen eines Benefizkonzertes für den Fitzroy Football Club den alten Hit »The Loco-Motion«, den Little Eva 1962 zu Hitehren gebracht hatte, gesungen und damit das Interesse der australischen Plattenfirma Mushroom Records geweckt. Nach Vertragsabschluss brachte Mushroom die Single auf den Markt und wenig später platzierte sich »The Loco-Motion« auf dem ersten Patz der australischen Hitparade.
Um auch den Markt außerhalb Australiens zu erreichen, knüpfte Mushroom eine Verbindung zu dem in Großbritannien ansässigen Produzententeam Stock Aitken Waterman (SAW), das in dem Ruf stand, mit seinen Dance-Music-Produktionen besonders erfolgreich auf dem Musikmarkt für Teenager zu agieren. Tatsächlich ging die Rechnung auf: Minogue brachte die von SAW produzierte Single »I should be so lucky« auf den ersten Platz der Charts in Großbritannien, Australien und einiger anderer Länder. Das bald danach veröffentlichte Album »Kylie« (1988) stand dem Erfolg der Single in nichts nach, wenn es sich in den USA und Kanada weit weniger gut verkaufte; auf diesen Märkten allerdings war Kylie Minogue mit einer neu aufgenommenen Fassung von »The Loco-Motion« besonders erfolgreich.
Kylie Minogue war nun gegen Ende der 1980er-Jahre weltweit bekannt, die heimatliche Serie »Neighbours« war zu eng – und wohl auch vollends unglaubwürdig – geworden. Sie schied aus der Serie aus, sang mit Jason Donovan – ebenfalls einer der Schützlinge von SAW – noch das Duett »Especially for you«, konzentrierte sich aber nunmehr vollständig auf ihre Karriere asl Sängerin. Tatsächlich aber wurde ihr Image des netten, eventuell etwas unbedarften Mädchens mit dem Herzen auf dem rechten Fleck aber massiv von entsprechenden Videos unterstützt. Ihr zweite Album, »Enjoy yourself«, fiel in den USA dennoch durch, wodurch sich ihre Plattenfirma in den USA, Geffen Records, so verschreckt zeigte, dass sie die Sängerin aus dem Vertrag entließ.
Das Image des Dauer-Teenagers begann Kylie Minogue zu schaden. Um sich daraus zu befreien, vollzog sie eine Kehrtwende, änderte zunächst für »Rhythm of love« (1990) ihre Musik ein wenig, ihr äußeres Erscheinungsbild erheblich und präsentierte sich in ihren Videos, etwa zu der Single »Better the devil you know«, nunmehr als Vamp für Jedermann. Mit einigem Erfolg – wenn sie auch nach wie vor mit der Richtung ihrer Karriere nicht zufrieden war und nach »Let’s go to it« (1991) den Vertrag mit SAW nicht verlängerte.
Der Imagewandel gelang ihr mit der CD »Kyle Minogue« (1994) zwar nur teilweise, aber Minogue hatte einen heimlichen Verehrer: Nick Cave nahm 1995) mit ihr das Duett »Where the wild roses grow« auf, eine Ballade um einen Mord, erzählt aus der Perspektive des Mörders wie des Opfers. Übte dieses Duo schon als Musikstück einige Anziehungskraft aus, so schlug das dazugehörige Video auch Minogue-Verächter in seinen Bann: Die Sängerin verkörperte die in einem Tümpel liegende Leiche – weichgezeichnete Bilder, flirrendes Gegenlicht –, der finstere Cave den Mörder am Ufer.
Kylie Minogue wurde durch diese Zusammenarbeit mit Cave plötzlich ernst genommen. Sie absolvierte einige Konzerte und Lesungen mit ihm, »Where the wilde roses grow« erreichte in einigen Ländern die Top-Ten, und auch Cave profitierte von der ungewöhnlichen Zusammenarbeit.
Für ihr nächstes Album tat sich Minogue mit James Dean Bradfield und Sean Moor von den Manic Street Preachers zuammen. Ihr schien es also ernst zu sein damit, die Ausrichtung ihrer Musik zu verändern. Die CD sollten den Titel »Impossible princess« tragen und 1997 erscheinen. Die ersten Rezensionen waren schon geschrieben, als Diana, Princes of Wales, bei einem Autounfall starb. Minogues Plattenfirma verschob den Termin für die Veröffentlichung der CD auf 1998 und gab dem Album den neuen Titel »Kylie Minogue«. Tatsächlich hatte der ursprüngliche Titel keineswegs auf Lady Diana Bezug genommen, sondern auf den Titel einer Lyriksammlung Billy Childishs.
Die CD blieb trotz der unfreiwilligen Publicity in den Läden liegen. Minogue hatte zu den Kolleginnen geschielt und Songs im Stile von Björk, Garbage und Portishead produziert und damit einigen Abstand von den Dance Halls genommen. Nun unsicher über die Richtung, die sie ihrer Karriere geben wollte, erneut ohne Plattenfirma, tauchte die Sängerin bald hier, bald da auf, trat in mal mehr, mal weniger obskuren Theater-, Film- und Musicalproduktionen auf und ließ sich von einem schwedischen Oberbekleidungshaus für eine Plakatserie fotografieren. Die Zusammenarbeit mit den Pet Shop Boys, für deren Album »Nightlife« (1999) sie ein wenig Background gesungen hatte, führte immerhin zu einem Vertrag mit dem Label Parlophone Records, bei dem auch die Pet Shop Boys unter Vertrag standen. Für ihr erstes Album für Parlophone ging Minogue auf Nummer sicher: »Light Years«, 2000 veröffentlicht, enthielt Disco-Musik, wie man sie seit den 1970er-Jahren kaum wieder gehört hatte. Als Produzenten hatte man Johnny Douglas, Mark Picchiotti und Steve Power angeheuert, die mit George Michael, Madonna beziehungsweise Robbie Williams zusammengearbeitet hatten; Williams sang mit ihr im Duett und das Resultat, die Single »Kids«, brachte es wie erwartet auf die vorderen Plätze der Charts. National-Heiligtum, das Minogue mittlerweile war, sang sie im selben Jahr zur Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Sydney. Die anschließende, zunächst nur sechs Auftritte umfassende Tour wurde auf fast zwei Dutzend Termine ausgedehnt.
Den Erfolg von »Light Years« konnte Kylie Minogue 2002 mit »Fever« und den nach und nach ausgekoppelten Singles wiederholen; für die Single »Come into my World«, 2003 veröffentlicht, konnte sie 2004 ihren ersten Grammy entgegennehmen. Auch die Single »Slow« aus dem Album »Body Language« (2003) wurde wenigstens für den Grammy vorgeschlagen. Kylie Minogue hatte erneut den Stil ihrer Songs etwas geändert und sich an der Musik einiger Größen der britischen New Wave wie etwa Scritti Politti oder Human League orientiert. Kommerziell war »Body Language« nicht ganz so erfolgreich wie »Fever«.
Die Diagnose einer Erkrankung an Brustkrebs 2005 unterbrach Minogues Karriere. Die Sängerin zog sich zurück und kehrte erst Ende 2006 wieder auf die Bühne zurück, um ihre 2005 abgebrochene »Showgirl«-Tournee in Australien zu beenden.
Dem Erfolg der Shows, die Kylie Minogue bestritt, stand der Erfolg ihrer CDs inzwischen etwas nach. Hatte sie am 31. Dezember 2006 noch im ausverkauften Wembley-Stadion ein umjubeltes Konzert geben, so verkaufte sich die 2007 veröffentlichte CD »X«, ihr zehntes Album, gemessen an früheren Alben nur mäßig; in den USA wurde die Platte erst 2008 auf den Markt gebracht und kam noch nicht einmal in die Top 100. Dafür war ihr Renommee auf dem alten Kontinent ungebrochen: Sie gehörte zu den Künstlern, die bei dem Konzert zur Verleihung des Friedens-Nobelpreises in Oslo auftrat und erhielt 2008 aus der Hand des Prince of Wales den Order of the British Empire. 2008 häuften sich die Ehrungen unterschiedlichster Art: Brit Award, Ordre des Arts et des Lettres, beliebteste Prominente Großbritanniens. Und als im September 2008 in Dubai eine Luxus-Hotel auf einer künstlichen Insel eröffnet wurde, war Kylie Minogue mit von der Partie und kassierte für ihren Auftritt einen Millionenbetrag.
Der Name Kylie Minogues wird – nach zehn Alben und einer Reihe von triumphalen Tourneen – vor allem mit ihrer Version des Songs »The Loco-Motion« in Verbindung gebracht. Viel mehr ist von ihrer Musik im Gedächtnis des Publikums nicht geblieben. Ihre Popularität zumal in Europa basiert vor allem auf ihren ausgefeilten Shows, bei denen die Musik wie ein Vorwand wirkt. Regelmäßig bringt sie Revue-Shows auf die Bühne, in der opulente Szenerien und glitzernde Kostüme eine wesentliche Rolle spielen. Ihre Garderobe war daher auch schon Gegenstand von Ausstellungen, die in Australien und Großbritannien erheblichen Zulauf hatten. Nüchtern betrachtet scheint sie in einem ständigen Wettlauf mit Madonna zu stehen, die eben diese Art von Shows popularisiert hat. Während aber die zehn Jahre ältere Amerikanerin immer ein Hauch von berechnender Kühle umweht, ist Kylie Minogue zwar nicht mehr das »Mädchen von nebenan«, aber weit mehr als Madonna ein »Star für jedermann«, der trotz all des Glanzes und Flitters, der Millionengagen und des Luxus, auf dem Boden der Realität geblieben ist. Ihre Brustkrebserkrankung mag diese menschliche Seite zumindest vorübergehend in den Vordergrund geschoben haben, doch war sie schon vorher einer der tragenden Pfeiler ihres Erfolges.
Ihre Musik ist, trotz aller stilistischer Wendungen, trotz ihrer Mitwirkung an Caves »Where the wild roses grow«, immer Tanzmusik geblieben. Es war ihr allerdings auch nie daran gelegen, Erfolg nur in kleinen Zirkeln zu haben. Sie orientierte sich folglich nicht an den Heroen des Independent-Rock, sondern eben an Madonna. Wie diese engagierte sie für ihre CDs nur Könner ihres Faches – Texter, Komponisten, Musiker, Produzenten. Ihr eigener Anteil an der Musik lässt sich nicht ausmachen; selbst wenn sie eigene Ideen vorbringt und diese berücksichtigt werden, dürften sie – einmal durch die Maschinerie der Profis gelaufen – vielleicht noch von ihr selbst erkannt werden können. Ihr obliegt der Verkauf dieser Musik, und das gelingt ihr mal gut, mal weniger gut. Und wenn auch nicht alle an Popmusik Interessierte ihre CDs kaufen – sehen wollten sie immer schon viele. Deshalb unternahm sie auch immer wieder Ausflüge ins Filmgeschäft, sei es für Kinofilme, sei es für Fernsehproduktionen. Und zog damit ein nach Millionen zählendes Publikum an.



Auszeichnungen

2002 Brit Award in zwei Kategorien
2004 Grammy
2008 Order of the Britsh Empire
2008 Ordre des Arts et des Lettres
2008 Brit Award



Filme

Fernsehen

Skyways (1980; Rolle: Carla)
The Sullivans (1980; Rolle: Robin)
The Zoo Family (1985; Rolle: Yvonne)
The Henderson Kids (1985; Rolle: Charlotte „Char“ Kernow)
Piano, Piano / Fame and Misfortune (1986; Rolle: Samantha Collins)
Neighbours (1986-1988; Rolle: Charlene Mitchell/Charlene Robinson )
The Vicar of Dibley (1994; Rolle: Kylie Minogue)
Men Behaving Badly (1997: Rolle: Kylie Minogue)
Kath & Kim (2004; Rolle: Eponney Rae)
Doctor Who (2007; Rolle: Astrid)

Kino

The Delinquents (1989; Regie: Chris Thomson)
Street Fighter – Die entscheidende Schlacht, (1994; Regie: Steven E. de Souza)
Hayride to Hell (1995; Regie: Kimble Rendall)
Bud & Doyle – Total Bio/Bio-Dome (1995; Regie: Jason Bloom)
Misfit (1996; Regie: Taylor Woods)
Cut (2000; Regie: Kimble Rendall)
Sample People (2000; Regie: Clinton Smith)
Moulin Rouge (2001; Regie: Baz Luhrmann)



Diskografie

Kylie (1988)
Enjoy Yourself (1989)
Rhythm of Love (1990)
Let’s Get to It (1991)
Kylie Minogue (1994)
Impossible Princess (1998)
Intimate & Live (1998)
Light Years (2000)
Fever (2001)
Body Language (2003)
X (2007)
Showgirl Homecoming Live (2007)



Weblinks

http://www.kylie.com/home (Offizielle Website der australischen Popsängerin Kylie Minogue)
http://www.kylie.de/splash (Offizielle deutsche Website der australischen Popsängerin Kylie Minogue)