Slapp Happy

Slapp Happy, deutsch-britisch-amerikanische Rockgruppe, 1972 in Hamburg gegründet.

Slapp Happy entsprach schon bei der Gründung nicht einer typischen Rockband mit der bekannten instrumentalen Verteilung von Schlagzeug, Bass, Gitarren und Keyboards, sondern war ein von drei Msuikern gebildetes Trio, das nach neuen Wegen in de Rock- und Popmusik suchte. Die Sängerin Dagmar Krause war zuvor Mitglied der Hamburger Formation The City Preachers gewesen. The City Preachers, von dem Briten John O’Brien Docker 1965 gegründete, versuchte mit einer Mischung von Folk, Blues und Rock erfolgreich zu sein; von Bedeutung war, dass mit Dagmar Krause und Inga Rumpf zwei gegensätzliche Sängerinnen zu der Gruppe gehörten, die später jede auf ihre Weise erheblichen Einfluss auf die englische beziehungsweise deutsche Rockmusik nahmen.
Der Brite Anthony Moore, weitere Mitglied von Slapp Happy, hatte für Polydor schon zwei Alben eingespielt, konnte die Plattenfirma aber nicht überzeugen, ihn ein drittes produzieren zu lassen. Er war befreundete mit Dagmar Krause. Als Peter Blegvad seinen Freund Anthony Moore in Hamburg besuchte, beschlossen die drei Musiker, gemeinsam ein Trio zu gründen. Slapp Happy erhielt recht schnell einen Plattenvertrag bei Polydor und fand in dem Musikjournalisten Uwe Nettelbeck einen Freund und Förderer, der den drei Musikern die deutsche Band Faust als Begleitband vermittelte, um die anstehenden Aufnahmen über bewerkstelligen zu können.
Polydor sah »Sort of« (1972) kritisch, obwohl das Trio Krause, Moore, Blegvad sich bemüht hatte, mit seinem Album eine eher einfache Popmusik zu präsentieren. Die der Musiker machten sich an die Aufnahmen zu einem weiteren Album, doch Polydor wollte »Casablanca Moon« (1973) nicht veröffentlichen und kündigte den Vertrag.
Dagamr Krause, Moore und Blegvad entschlossen sich daraufhin, Deutschland zu verlassen und in London einen neuen Anfang mit ihrer Band zu wagen. Nettelbeck, der für Faust mit dem seinerzeit noch jungen Label Virgin Records eine Vertrag hatte schließen können, vermittelte Slapp Happy ebenfalls an Virgin. »Casablanca Moon« wurde noch einmal komplett eingespielt und 1974 unter dem Titel »Slapp Happy« veröffentlicht. Die in Deutschland gemachten Aufnahmen wurden erst Jahre später, 1980 bei Recommended Records veröffentlicht, das Album erhielt aber den Titel »Acnalbasac Noom«.
Nach wie vor war Slapp Happy keine konventionelle Rockband und benötigte für Auftritte auf der Bühne oder auch bei der BBC Unterstützung durch andere Musiker. Diese fanden sie schließlich in der Band Henry Cow und in Robert Wyatt, dem Schlagzeuger von Soft Machine. Aus diesen punktuellen Zusammentreffen entwickelte sich gegen Ende 1974 der Plan, die Bands Henry Cow und Slapp Happy zu einer zusammenzuschließen. Auf diese Weise entstand zunächst unter dem Namen Slapp Happy/Henry Cow das Album »Desperate Straights« (1974), während das im folgenden Jahr veröffentlichte »In Praise of Learning«etwas unentschlossen unter der Urheberschaft von HenryCow/Slapp Happy veröffentlicht wurde: Tatsächlich ist der Namen Henry Cow/Slapp Happy nur auf dem Rücken des LP-Covers zu lesen ist – Front- und Rückseite zeigen lediglich den Namen Henry Cow und das Cover als Ganzes ist das erste der drei »Socken«-Covers.
Die Songs der LP deuteten bereits einen Riss in der Doppel-Band an. Moore und Blegvad fühlten sich an den Rand gedrängt und stimmten weder mit der vor allem von Frith, Hodgkinson und Cutler verantworteten Musik noch mit der strikten politischen Ausrichtung der Henry-Cow-Protagonisten überein. Die beiden Musiker verließen schließlich die Band, Dagmar Krause blieb.
Diese bedeutete auch das Ende von Slapp Happy, denn Blegvad und Moore verfolgten in der folgenden Zeit eigene Karrieren, die sie zeitweise sehr weit vom Dasein als Musiker wegführten. 1982 nahm das Trio Krause, Blegvad und Moore noch einmal eine Single auf, »Everybody’s Slimmin‘ (Even Men ad Women«), traten im selben Jahr dann auch einmal gemeinsam im Konzert auf, dann ging man wieder auseinander. Kurzzeitige Reunions erfolgten 1991 und 1997: 1991 produzierten die dre Musiker die Fernseh-Oper »Melusina«, deren Musik allen erst 2000 unter dem Namen Krause, Moore, Blegvad als CD veröffentlicht wurde, 1997 nahmen die drei Musiker – dann als Slapp Happy – für Richard Bransons neues Label V2 das Album »Ça va« auf. 2000 schließlich ging das Trio auch auf Tournee, wenn auch nur in Japan; ein Konzertmitschnitt von der Tour wurde lediglich in Japan veröffentlicht.
Als Rockband war Slapp Happy von Anfang an eine seltsame Konstruktion: Dagmar Krause eine Sängerin, die vor allem als Folk-Sängerin hervorgetreten war, dann aber den deutschen Chanson wiederbelebte und schließlich auch als Brecht-Sängerin Erfolg hatte, Blegvad ein Musiker, der vor allem an teils dadaistischen Wort- und Sprachspielen Gefallen fand und Moore ein Musiker, der Intelligenz in der Popmusik suchte. Eines der Probleme dieses Konzepts war es natürlich, dass nicht abzusehen war, ob sich dafür ein Publikum interessieren könnte, ein weiteres, ob sich weitere Musiker zur Unterstützung bereit finden würden. Der Zusammenschluss von Slapp Happy mit Henry Cow war a priori eine wackligen Konstruktion, machte aber aus Henry Cow – als Blegvad und Moor die Band verlassen hatten – erst tatsächlich die bedeutende Band, als die Henry Cow zu gelten hat – das Engagement Dagmar Krauses war der Glücksfall für die englische Band.


Diskografie

Soft of (1972)
Casablanca Moon (1973; zunächst nicht veröffentlicht)
Slapp Happy (1974; Neuaufnahme von Casablanca Moon)
Acnalbasac Noom (1980; Veröffentlichung der ersten, nicht veröffentlichten Einspielung von Casablanca Moon)
Live in Japan (2001)

Als Slapp Happy/Henry Cow

Desperate Straights (1975)

Als Henry Cow/Slapp Happy

In Praise of Learning (1975)

Unter Dagmar Krause/Anthony Moore/Peter Blegvad

Camera (2000; Soundtrack)


Weblink

http://www2.odn.ne.jp/airstructures/review%20slapp%20happy.html (Website mit ausführlicher, komentierter Diskografie)