Spice Girls

Spice Girls, britische Girlgroup, 1994 in Maidenhead (Berkshire) zusammengestellt; zu der ersten Formation gehörten Victoria Adams, Lianne Morgan, Melanie Brown (Mel B.), Geri Helliwell und Michelle Stephenson. Die Gruppe erhielt zunächst den Namen Touch, dann nur Spice, schließlich Spice Girls.

Bandbiografie

Die Spice Girls waren einer Überlegung der Musikmanager Chris und Bob Herbert entsprungen: Angesichts der großen Zahl der Anfang der 1990er-Jahre immens erfolgreichen Boy Groups wie ´N Sync und Backstreet Boys, die vor allem auf ein weibliche Publikum zielten, hielten die Herberts es für Erfolg versprechend, für das männliche Publikum eine Girlgroup aufzubauen; bei geschickter Vermarktung könnte aber auch das weibliche Publikum angesprochen werden. Auf eine Anzeige in dem Branchenblatt The Stage meldeten sich mehrere hundert Aspirantinnen, aus denen die Herberts, die mittlerweile auch den Finanzberater Chic Murphy für den Plan gewonnen hatten, Adams, Morgan, Brown, Helliwell und Stephenson auswählten. Lianne Morgan wurde aufgrund ihres etwas höheren Alters bald wieder »aussortiert« und durch Melanie Chisholm ersetzt, 1994 traf es Michelle Stephenson, die Emma Bunton Platz machen musste, später aber behauptete, sie sei aus eigenem Entschluss gegangen.
Die jungen Frauen wurden von ihrem Management in die Turnhalle geschickt, um viele Tanzschritte einzuüben, während versierte Komponisten und Texter Songs für diverse Demo-Aufnahmen schrieben. Als die Herberts die Frauengruppe vertraglich enger an sich binden wollten, verweigerten diese plötzlich die Gefolgschaft und engagierten 1995 nach einigen Umwegen den Musikmanager Simon Fuller. Die Spice Girls brachten auch gleich die Masterbänder ihrer bisherigen Aufnahmen mit, doch vermochten sie Fuller damit nicht so recht zu überzeugen. Er ließ weitere Songs schreiben, unter anderem von Richard Stanner und Matthew Rowbottom, Paul Wilson, Andy Watkins und Eliot Kennedy. Noch im selben Jahr gelang es Fuller, seinen Schützlingen einen Vertrag bei Virgin Records zu verschaffen.
Die erste Single der Spice Girls, »Wannabe«, wurde Mitte 1996 veröffentlicht. Die des Brit Pop etwas müden Engländer kauften die Single – nicht zuletzt Dank heftigen Einsatzes des dazugehörigen Videos. Die Single kam zunächst auf Platz drei der britischen Charts, dann auf Platz eins und nach kurzer Zeit stand »Wannabe« in über 30 Ländern auf der Top-Position der jeweiligen Charts. Selbst in dem für britische Gruppen schwierigen Markt in den USA schafften es die fünf Frauen auf Anhieb auf Platz elf der Hitparade. »Wannabe« brach mehrere Rekorde der Popmusikgeschichte und kann nur mit Veröffentlichungen der Beatles verglichen werden. Sie gilt als die meistverkaufte Single einer Frauengruppe überhaupt.
Das Debütalbum »Spice« kam Ende 1996 in die Läden. Von dem Album wurden innerhalb weniger Wochen allein in Großbritannien über drei Millionen, in Europa insgesamt über acht Millionen und weltweit insgesamt über 20 Millionen Exemplare verkauft. Wochenlang hielt sich das Album auf dem ersten Platz der britischen Charts und auch die nach und nach veröffentlichten Singleauskopplungen waren in vielen Ländern auf den Top-Positionen der Hitparaden zu finden. 1997 setzte sich der Rummel um die Frauengruppe fort. Die Dreharbeiten für den Film »Spiceworld: The Movie« wurden aufgenommen, Ende des Jahre die zweite CD, ebenfalls mit dem Titel »Spiceworld« versehen, vorgelegt, wiederum extrem erfolgreich. Als der Film im Dezember 1997 in die Kinos kam – unter anderem waren neben den Spice Girls Roger Moore, Elton John und Meat Loaf] zu sehen -, bekam die Erfolgskurve eine leichte Delle – der Film gehörte nicht zu den meist besuchten des Jahres, spielte aber dennoch Millionen ein.
Hinter den Kulissen hatte es etwa zur gleichen Zeit zu kriseln begonnen: Im November 1997 trennte sich die Gruppe von Fuller, im Mai 1998, nach Beginn einer noch von Fuller vorbereiteten Welttournee, verließ Geri Helliwell die Spice Girls. Unbeirrt setzten die übrigen vier Frauen einerseits die Tournee fort und nahmen andererseits für das Weihnachtsgeschäft die Single »Goodbye« auf. Ein vorsichtig geplantes Livealbum aber wurde nicht produziert.
Mit dem 2000 veröffentlichten Album »Forever« sank der Stern der Spice Girls. Die amerikanischen Produzenten, unter ihnen Rodney Jerkins, Jimmy Jam und Terry Lewis hatten die Produktion in Richtung eines international verträglichen R & B-Klangs gelenkt, der zwar immer noch das Interesse vieler Käufer anzog, aber nicht mehr den kommerziellen Erfolg erzeugte wie die Vorgängeralben. In den USA etwa schaffte es »Forever» nur bis auf Platz 39 der Charts. So war es nur folgerichtig, dass die vier verbliebenen Spice Girls es jeweils solo versuchen wollten.
Das gelang in unterschiedlichem Maße und keine der Frauen konnte an die Dimensionen des Erfolgs der Band anknüpfen. Allenfalls Mel C zog das nachhaltige Interesse der Käufer auf sich.
Offiziell hatte sich die Gruppe nicht aufgelöst und war auch nicht im Streit auseinandergegangen. 2007 kündigten die Spice Girls an, sich für eine Welttournee wieder zusammenzutun. Tatsächlich begann die Tour verheißungsvoll, die Karten vieler Auftritte waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, einige Fernsehteams dokumentierten diese oder jene Show und auch das Sammelalbum »Headlines (Friendship never ends)« (2007), passend zum Comeback veröffentlicht, stieß auf reges Interesse. Dennoch gaben die Frauen Anfang 2008 bekannt, dass sie ihre Tournee um eine ganze Reihe von Terminen kürzen würden und gaben ihr letztes Konzert Ende Februar in Toronto.
Die Spice Girls sind der eigentlich überflüssig zu führende Beweis, dass Karrieren im Popmusikgeschäft geplant und gemacht werden können. Die Herberts waren von der durchaus richtigen Überlegung ausgegangen, dass – wenn sich weibliche Teenager für Boygroups interessierten – ein männliches Publikum sich eventuell für eine Girlgroup begeistern könnte. Dabei verzichteten sie auf überflüssige Reminiszenzen an frühere Girlgroups – kein Schmachten nach dem »Leader of the pack« -, sondern typisierten die Frauen zunächst nach Haar- und Hautfarbe, auf das ein jeder seine Projektionsfläche finden konnte, und gestatteten ihren Schützlingen ein gewisses Maß an zur Schau zu tragendem Selbstbewusstsein. Sie griffen damit das Riot-Girls-Phänomen der Hardcore- und Punkszene der USA jener Zeit auf, machten es aber kompatibel für ein großes Publikum, bis die Girls-Maßstäbe der Spice Girls selbst dem hartgesottensten Mysogyniker als liebenswerte Marotten etwas naseweiser Mädchen erschienen. Mit ihren niedlichen Spitznamen – Ginger Spice für Geri Helliwell, Sporty Spice für Melanie Chisholm, Posh Spice für Victoria Adams, Scary Spice für Melanie Brown und Baby Spice für Emma Bunton -, schoben die Herberts Äußerlichkeiten vor die eigentlichen Charaktere der Frauen und ließen sie damit der Teletubby-Generation irgendwie vertraut erscheinen. Bleibt die Musik: Hier gingen weder die Herberts noch Fuller irgendein Risiko ein. Jeder auch nur vage an der Frauentruppe interessierte Hörer bekam etwas geboten, Pop, Soul, Funk, etwas Rap und ausgeklügelte Gesangsarrangements, die von den fünf Frauen auch im Konzertsaal bewältigt werden konnten. Dennoch erweckt der immense Erfolg der Spice Girls – die alles in allem über 180 Millionen CDs verkaufen konnten – Erstaunen: Erfolg in der Popmusik lässt sich sicherlich planen und herstellen – keineswegs aber in dieser Dimension.



Auszeichnungen

1997 Brit Award in zwei Kategorien
1998 Brit Award
2000 Brit Award



Diskografie

Spice (1996)
Spiceworld (1997)
Forever (2000)
Greatest Hits (2007)



Weblinks

http://www.thespicegirls.com (Offizielle Website der britischen Girl Group Spice Girls)
http://www.spice-girls.de (Offizielle deutsche Website der britischen Girlgroup Spice Girls)