Tubeway Army

Tubeway Army, britische New-Wave-Rockband, 1977 von Gary Numan, eigentlich Gary Anthony James Webb (* Hammersmith, London, 8.3. 1958), und Paul »Scarlett» Gardiner (* Hayes, Middlesex, 1.5. 1958, † Northolt, Middlesex, 4.2 1985) in London gegründet.

Bandbiografie

Gary Webb war als Sänger und Gitarrist Mitglied der Londoner Band Mean Street, bis er mit seinen Bandkollegen in Streit geriet und seinen Abschied nahm. Bei dem Versuch, in der Band The Lasers den Posten des Gitarristen übernehmen zu können, lernte er den Bassisten der Band, Paul Gardiner kennen. Die beiden Musiker entdeckten gemeinsame musikalische Interessen, Gardiner verließ The Lasers und gründete mit Webb Tubeway Army; als Schlagzeuger holte Webb seinen Onkel Jess Lidyard in die Band. Webb hatte klare Vorstellungen von der Vermarktung der Band und die drei Musiker gaben sich zunächst neue Namen: Webb nannte sich Valerian, Gardiner sich Scarlett und Lidyard Rael. Bei dem aufstrebenden Label Beggars Banquet erhielt das Trio einen Schallplattenvertrag und veröffentlichte nach kurzer Zeit zwei Singles – ihren Punkrock mochten aber nur wenige hören.
Webb ließ in seinen Marketingbemühungen nicht locker: Er änderte seine Namen in Gary Numan – angeblich nach einem deutschstämmigen Klempner namens Neumann -, gab sich und seinen Freunden das Phantasie-Outfit von Androiden – er war Fan des amerikanischen Schriftstellers Philip K. Dick (»Do Androids dream of electric Cheep?« (1968, Vorlage für den Film »Blade Runner«; Regie: Ridley Scott) und ließ die erste LP der Band aus blauem Vinyl pressen. Bedeutender für die Zukunft der Band aber war, dass Numan, von dem alle Kompositionen und alle Texte stammten, im Studio seine Liebe zum Minimoog-Synthesizer entdeckte. Für »Tubeway Army« hatte er ihn zwar nur wenig eingesetzt, doch für die zweite LP, »Replicas« (1979) räumte er dem Instrument den Vorrang ein. Die erste Single, »Down in the Park« war zwar kein Charts-Erfolg, doch die zweit Auskopplung aus dem Album, »Are ‚Friends’ electric?« verhalf dem Trio zu Beachtung bei Rundfunk und Fernsehen und schließlich zum kommerziellen Erfolg.
Wieder hatte Numan die Musik im Alleingang geschrieben. Nunmehr erfolgreich – Single wie Album besetzten die Top-Positionen der entsprechenden Hitparaden -, verzichtete er auf den Bandnamen und veröffentlichte fortan seine Produktionen unter dem Namen Gary Numan.
Gary Numan begründete mit »Replicas« ein Genre, das als Synthie Pop oder Elektro-Pop in die Rockgeschichte einging. War Tubeway Army zu Beginn im Grunde genommen eine Glam-Rock-Truppe, so versuchte er aus Band und Musik ein Science-Fiction-Gesamtkunstwerk zu machen. »Praying to the Aliens«, »Replicas«, »Me! I disconnect from You«, »I nearly married a Human« waren denn auch die Titel seiner Songs. Für seine Musik bezog er Inspiration weniger aus den Elaboraten experimenteller Rockbands, als dass er auf Klänge zurückgriff, die etwa bei Emerson, Lake and Palmer zu hören gewesen waren: »Are ‚Friends’ electric?« wartet mit ähnlich monumentalem Synthesizer-Gebrüll auf, wie weiland ELPs »Lucky Man« – Robert Moog und seinen Synthesizern sei Dank. Numan verstand es, diese Klänge auf handliche, für Singles geeignete Songs zu komprimieren, manchmal ein wenig grobschlächtig, im Aufbau immer simpel, von ihm mit dünner Stimme vorgetragen, aber seinerzeit in den Diskotheken von unglaublicher Wirkung.



Diskografie

Tubeway Army (1978)
Replicas (1979)
The Plan (1984; Aufnahmen von 1978)



Literatur

Goodwin, Paul: Electric Pioneer – An Armchair Guide to Gary Numan; London 2004)



Weblink

http://www.garynuman.co.uk (Offizielle Website des britischen Rockmusikers Gary Numan)