George Martin

Stichworte The Beatles | Decca Records



Martin, Sir (seit 1996), George Henry, britischer Schallplattenproduzent, Komponist und Instrumentalist (Oboe, Klavier), * Highbury (London, England); Martin wurde 1996 mit dem Titel Knight Bachelor ausgezeichnet.

Biografie

George Martin erhielt als Kind zwar ein wenig Klavierunterricht, lernte das Spiel des Instrumentes aber weitgehend als Autodidakt. Im Alter von 15 Jahren gründete er eine Band, die sich The Four Tune Tellers nannte. Dennoch strebte er zunächst nicht eine Karriere als Musiker an, zumal der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Planung einer beruflichen Laufbahn unmöglich machte. Martin diente in der Flug-Abteilung der Royal Navy, aus deren Diensten er 1947 entlassen wurde. Anschließend nahm Martin ein Studium an der Guildhall School of Music and Drama in London auf. Hier lernte er als Hauptinstrument Oboe und vervollständigte seine Fertigkeiten als Pianist. Ebenso hatte er Unterricht in Komposition und Instrumentierung. Nach Abschluss des Studiums 1950 arbeitete Martin zunächst bei der BBC, wechselte aber noch 1950 zu der Schallplattengesellschaft EMI, wo er Assistent von Oscar Preuss, Geschäftsführer des EMI-Unterlabels Parlophone Records, wurde. 1955, nach dem Ausscheiden von Preuss, wurde Martin mit der Leitung des Labels beauftragt. Parolophone war zu dieser Zeit eines von vielen Unterlabels der EMI und als solches von geringer Bedeutung; so wurde Parlophone einerseits für die Veröffentlichung von Orchestermusik genutzt, andererseits aber auch für Aufnahmen von Schauspielern, so genannte Comedy Records und Novelty Records. So brachte Parlophone etwa die Platten von Peter Sellers, Peter Ustinov, Rolf Harris und Spike Milligan auf den Markt. Martin versuchte in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre, Parlophone so etwas wie ein erkennbares Programm zu geben, und zog dazu neben dem Jazz – mit u.a. Cleo Lain, Humphrey Littleton, Johnny Dankworth und Stan Getz – auch die Popmusik in Betracht.
Anfang 1962 wurde er auf Brian Epstein aufmerksam gemacht, Manager einer Liverpooler Beatband namens The Beatles, die Epstein ohne Erfolg bereits verschiedenen anderen britischen Schallplattengesellschaften, darunter Decca Records, angeboten hatte. Martin traf Epstein und nahm die Beatles dann tatsächlich unter Vertrag. Bei den ersten Aufnahmen der Band im Juni 1962 war Martin nicht anwesend, hörte danach aber die Einspielungen ab. Von den Talenten der Musiker zunächst keineswegs restlos überzeugt, gab er dem Drängen der Musiker, auch eigene Songs aufnehmen zu dürfen, gegen Ende des Jahres schließlich nach und nahm zunächst »Love Me Do« und wenige Wochen später »Please please Me« auf.
Hatte Martin zu diesem Zeitpunkt noch die absolute Entscheidungsgewalt darüber, was aufgenommen werden sollte, wann und in welcher Form es veröffentlicht werden und wer es einspielen sollte – bei den Aufnahmen für »Love Me do« beispielsweise spielte nicht Ringo Starr Schlagzeug, sondern der Studiomusiker Andy White –, so wandelte sich das Bild mit wachsendem Erfolg der Beatles. Martin wurde zu einer Art musikalischem Berater der Musiker und nutzte dabei auch seine Kenntnisse der traditionellen Kunstmusik, wie seine Fähigkeiten als Komponist, Arrangeur und Instrumentalist. So produzierte er bis auf »Let It be« (1970) sämtliche Veröffentlichungen der Band. Für den Film »Yellow Submarine« (1968) steuert er einen Teil des Soundtracks bei; seine Komposition nahm in einer besonderen Fassung die zweite Seite des Albums »Yellow Submarine« (1969) ein. So stammen auch die Streicherarrangements einer Reihe von Songs (etwa »Yesterday«, »Eleanor Rigby«, »Strawberry Fields Forever«, »I Am The Walrus«, »Good Night«) aus der Feder Martins. Auch nach der Auslösung der Band The Beatles blieb Martin über Jahre Sachwalter der Aufnahmen und wurde noch Mitte der 1990er-Jahre für die Produktion der »Anthology«-Serie herangezogen und nahm 2006 an der Zusammenstellung von Musik der Beatles durch seinen Sohn Giles zu einem Soundtrack für eine Las-Vegas-Show des Cirque du Soleil teil; der Soundtrack wurde unter dem Title »Love« veröffentlicht.
Neben seiner Arbeit für die Beatles arbeitete Martin auch mit anderen Künstlern zusammen, so mit der Beat-Band Gerry & The Pacemakers, mit Cilla Black, Sophia Loren und mit Shirley Bassey. Aufgrund seiner festen Anstellung bei Parlophone war Martin nicht unmittelbar an den Einnahmen des Labels beteiligt, hatte also an dem Erfolg der Beatles in den ersten Jahren finanziell keinen Anteil. So gründete er 1965 unter dem Titel Associated Independent Recording – abgekürzt AIR – eine eigene Produktionsgesellschaft mit einem eigenen Studio in London; 1979 eröffnete er in Montserrat (Kleine Antillen) ein weiteres Studio, das jedoch 1989 durch einen Hurrikan zerstört wurde. Durch seine Arbeit mit den Beatles hatte Martin sich ein Renommee als Produzent erarbeitet, so dass auch andere Künstler, die nicht bei EMI oder Parlophone unter Vertrag standen, seine Mitarbeit wünschten. Martin produzierte in den folgenden Jahrzehnten die Schallplatten einer Vielzahl von Musikern und Bands, darunter etwa Jeff Beck, Paul McCartney, Gary Glitter, Kenny Rogers, America, Mahavishnu Orchestra, Ultravox, Cheap Trick, The Bee Gees, Dire Straits und Stackridge. Auch war Martin an der Musik für die James-Bond-Filme »From Russia with Love« (1963), »Goldfinger« (1964) und »Live and Let Die« (1963) in unterschiedlichem Maße beteiligt. Auch nach dem Ende der Beatles arbeitet er mit Paul McCartney, Ringo Starr und George Harrison gelegentlich zusammen; so produzierte er McCartneys Alben »Tug of War« (1982) und »Pipes of Peace« (1983). Mit zunehmendem Alter, nicht zuletzt wegen seines altersbedingt nachlassenden Gehörs, zog Martin sich aus dem Musikgeschäft zurück.
Im Laufe seines fast 50 Jahre umfassenden Berufslebens hat George Martin mehr als 700 Schallplatten produziert; daraus entstanden allein in Großbritannien 30 Nummer-Eins-Hits in den Single-Charts, und 16 Nummer-Eins-Hits in der LP-Hitparade; in den USA waren es 22 Singles und 19 Alben, die es auf den ersten Platz der jeweiligen Hitparaden brachten.
George Martin ist eine Schlüsselfigur der Rock- und Popmusik. Er ist der Prototyp des Schallplattenproduzenten, der sich aus dem früheren A & R-Manager entwickelte, und wie er bis heute eine zentrale Stellung im Musikgeschäft einnimmt. Martins musikalische Kenntnisse und Fähigkeiten wie seine Machtstellung bei Parlophone gaben ihm die Möglichkeit, direkt in dies Musik der von ihm unter Vertrag genommenen Künstler einzugreifen. So kommt es nicht von ungefähr, dass er als der »fünfte Beatle« gilt. Martins Arbeiten – und sein Erfolg mit den Beatles – veränderten die Rockmusik nachhaltig, nahmen der amerikanischen Rockmusik die bis Anfang der 1960er-Jahre gültige Vormachstellung und machten aus der Rockmusik erst die eklektizistische Musik, die sie seitdem ist. Spätere Entwicklungen – wie etwa der Progressive Rock – sind ohne die Arbeit Martins nicht vorstellbar. Dabei ging Martin unbekümmert um Konventionen vor, häufig respektlos, meist mit einem gewissen Anteil an Ironie – der Sinn für Komik und Ironie einte im Übrigen den Produzenten mit seinen Schützlingen, den Beatles. In seinen Memoiren »All You need is Ears« (1979) stellt Martin den Wandel der Produktionsweise von Rock- und Popmusik während der 1960er-Jahre dar; gleichzeitig gibt sein Buch einen diskreten Einblick in den Ablauf der Aufnahme-Sessions mit den Beatles.



Auszeichnungen

Grammy 1967 in zwei Kategorien
Grammy 1973
Grammy 1993
Grammy 2007 in zwei Kategorien (mit Giles Martin)

Brit Award 1977
Brit Award 1984



Literatur

Martin, George (mit Jeremy Hornsby): All You need is Ears; London 1979
Martin, George (Hg.): Making Music: The Guide to Writing, Performing & Recording; New York 1983
Martin, George (mit WilliamPearson): With a Little Help from my Friends: The Making of Sgt. Pepper



Diskografie

Yellow Submarine (1969; Soundtrack)
In My Life (1998)