Richard Branson

Branson, Richard Nicholas, Sir seit 2000, britischer Unternehmer, * Blackheath, London, 18.7. 1950; Branson ist Gründer der Virgin Group, zu der mehr als 400 verschiedene Unternehmen gehören. Für die Musik wurde er als Gründe der Schallplatten-Label Virgin und V2 bedeutend.

Richard Branson ist das erste Kind seiner Eltern Edward James Branson und Eve Huntely Branson. Er besuchte zunächst die Scaitcliffe School, 1996 in der Bishopsgate School aufgegangen, in Englefield Green (Surrey), dann bis zu seinem siebzehnten Lebensjahr die Stowe School in Stowe (Buckinghamshire). Im Alter von 16 Jahren gründete er die Zeitschrift »The Student«, erster Ausdruck seiner Unternehmertätigkeit; schon in dieser Zeitschrift bot er Schallplatten zum Kauf an. Später betrieb er einen Mailorder-Versand für Schallplatten, den er Virgin nannte und mit dem er aufgrund der geringeren Preise, für die er gängige Rock- und Schallplatten anbot, bald äußerst erfolgreich war, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass er Schallplatten nach Belgien exportierte und sogleich wieder importierte, auf diese Weise eine Steuer umgehend. Zwar geriet er wegen dieser Vorgehensweise mit dem Gesetz in Konflikt, was allerdings für ihn keine weitere Folgen hatte, da er die nun doch fällige Steuern nachzahlte – seine Mutter hatte zu diesem Zweck eine Hypothek auf das Haus der Branson-Familie aufgenommen.

Ende der 1960er-Jahre eröffnete Branson mit Nik Powell (* 1950) in der Straße Notting Hill Gates in London einen Schallplattenladen. Er bot nicht nur die gängigen Rock- und Pop-Schallplatten an, sondern hielt auch spezielle Sortimente bereit, unter anderem so genannten Krautrock, Schallplatten deutscher Rockbands; aus dieser Spezialisierung ergaben sich später auch engere Verbindungen zwischen Virgin Records und deutschen Bands, wie beispielsweise Faust. Der Schallplatten war äußerst erfolgreich, bald kamen weitere hinzu und von 1979 nannte Branson diese Läden in Virgin Megastores um – mittlerweile gab es über 100.

Etwa zur gleichen Zeit, 1972, gründeten Branson und Powell ein Schallplatten-Label, das den Namen Virgin Records erhielt, und kaufte auf dem Land ein Haus, um dort ein Tonstudio einzubauen; The Manor, so der Name des Studios, wurde zu einer Institution auf diesem Gebiet, von ähnlichem Renomme wie beispielsweise die Abbey Road Studios in London oder die Electric Ladyland Studios in New York.

In The Manor werkelte ein junger Musiker, Mike Oldfield. Oldfield sollte in erster Linie den Bands, die im Studio an ihrer Musik arbeiteten, zur Hand gehen, hatte aber die Erlaubnis, in den Pausen und in der Zeit, in der das Studio nicht vermietet war, das Equipment für Eigenes zu nutzen. Oldfield setzte hier seinen schon länger bestehenden Plan in de Tat um, ein monumentale Werk für Rockinstrumentarium aufzunehmen. Branson, ohnehin verlegen um Musiker und Bands, die in seinem Studio Platten aufnehmen und bei seinem Label verlegen lassen wollte, nahm Oldfield unter Vertrag und veröffentlichte dessen Werk »Tubular Bells« (1973), die erste LP, die bei Virgin Records erschien.

Branson hatte sein Label durchaus umsichtig geplant: Er verfügte mit Schallplattenläden, dem Studio und dem Label über eine geschlossene Kette von unternehmen, um Schallplatten produzieren und verkaufen zu können. Selbst um scheinbare Nebensächlichkeiten hatte er sich gekümmert: Für die Gestaltung des Logos seines Labels hatte er Roger Dean, seinerzeit ein aufstrebender Grafiker, gewinnen können. Zu dieser Zeit glaubten etablierte Labels noch, es würde genügen, einfach den Namen ihres Labels auf Plattenetiketten und Covers zu schreiben. Deans gespiegelte Zeichnung einer jungen, unzureichend bekleideten Frau auf den Platten von Bransons Label wurde bald zu einem auffälligen Sinnbild für die Anfang der 1970er-Jahre als »progressiv« bezeichnete Rockmusik.

Einzig an Musikern mit bekannten Namen mangelte es seinem Label auch weiterhin. Oldfields »Tubular Bells« hatten Branson zwar eine unerwartete Menge Geld eingebracht, aber von den Bands mit großen Namen wollte keine bei ihm einen Vertrag unterschreiben. So verpflichtete er Bands mit unbekannten Namen, in denen ambitionierte Musiker eine anspruchsvolle Musik zwischen Rock, Jazz und dann und wann auch Neuer Musik machten. Auch Krautrock war wieder dabei: Branson nahm die deutsche Elektronik-Rock-Band Tangerine Dream unter Vertrag, dann die Gruppen Faust und Can, dazu Bands des Canterbury Rocks, etwa Gong und Henry Cow.

Diese Bands brachten Branson allerdings nicht den kommerziellen Erfolg, den Oldfield ihm gebracht hatte. Er gründete Caroline Records, ein »Billig-Label«, zu denen er einige Bands abschob, die seine Erwartungen nicht erfüllten. 1977 schließlich nahm er die Punk Band The Sex Pistols unter Vertrag, nachdem sie bei EMI und A&M in Ungnade gefallen waren, und bewirkte mit dieser Band eine Kehrtwende seines Labels – weg vom Progressive Rock, hin zu Punk und New Wave.

Branson nahm viele Bands der neuen Rockmusik unter Vertrag und machte damit sein Label zu einer ernsten und kaum zu bekämpfenden Konkurrenz für die großen etablierten Labels, die schwerfällig Virgin Records nachzueifern versuchen und mit ihrer wenig einfallsreichen »wir auch«-Strategie dafür sorgten, dass aus dem obskuren Punk zunächst die New Wave sich herausbildete, aus der wiederum sich der Mainstream der Rockmusik entwickelte. Branson nahm Bands in großer Zahl unter Vertrag, darunter etwa Magazine, The Motors, The Ruts, XTC, Simple Minds, Culture Club und Human League. Virign war zu einer beachtlichen Größe gewachsen: 1983 schluckte Bransons Firma das renommierte Rock-Label Charisma Records. Der Erfolg des Labels wurde 1992 mit der Verpflichtung der Rolling Stones gekrönt.
Ein Ausflug in das Fernsehgeschäft mit CPV-TV verlief weit weniger erfolgreich und sein – einmaliges – Wirken als Musikproduzent machte seinen Hang zu kuriosen Spleens öffentlich: Anfang der 1980er-Jahre hatte er eine Single mit dem uralten Kinderlied »Baa, Baa, Black Sheep« besingen lassen.
Branson wurde das Musikgeschäft, das ihn reich gemacht hatte, bald zu klein. 1984 gründete er die Fluggesellschaft Virgin Atlantic Airways. Als diese Anfang der 1990er-Jahre ins Trudeln geriet, verkaufte er 1992 kurzerhand Virgin Records an EMI; der Verkauf brachte ihm eine halbe Milliarde englische Pfund ein. Den Finger am Puls der Zeit, wurde Branson immer dann geschäftig, wenn er ein Chance sah, sein Vermögen zu mehren: 1993 versuchte er sich als Eisenbahn-Unternehmer, 1996 gründete er die Fluggesellschaft Virgin Express, 1999 den Telefonanbieter Virgin Mobile, 2000 mit Virgin Blue, nunmehr Virgin Australia Airlines, eine weitere Fluggesellschaft. 1996 hatte er V2 gegründet, wieder ein Schallplatten-Label. Im Laufe der Jahre erfolgten weitere Unternehmensgründungen, mal im Filmgeschäft, mal im Gesundheitsbereich, mal waren es Restaurants, mal das Formel-1-Geschäft, dann 2012 schließlich machte er sich mit LauncherOne an die touristische Erschließung des Weltraums.

So schnell Branson Unternehmen gründete oder übernahm, so schnell war er bereit, sie auch wieder abzustoßen, wenn sie seine Erwartungen nicht erfüllten oder er anderweitig Geld benötigte. Neben seiner wie spielerisch erscheinenden Tätigkeit als Unternehmer verfolgte er aber auch andere Pläne, wollte etwa als Segler, Schnellbootpilot und Ballonfahrer in die Geschichte eingehen, immer als Erster und Schnellster. Weniger bekannt in der Öffentlichkeit war und ist sein soziales Engagement, obwohl er sich hier ähnlich großzügig und entscheidungsfreudig zeigt wie in seinen Unternehmungen.

Es ist keine Frage, dass Branson mit seinem Schallplatten-Label Virgin Records tatsächlich Geschichte geschrieben hat, denn durch das von ihm eingegangene Wagnis, ab Mitte der 1970er-Jahre nicht mehr zu versuchen, etablierte Bands unter Vertrag zu nehmen, sondern die komplette etablierte Rock- und Popmusik außer Acht zu lassen, veränderte er die gesamte Rockmusik und wirkte auch weit über Großbritannien hinaus. Sein Engagement für Bands, die er er zwischen 1972 und 1975 unter Vertrag genommen hatte, zumal die Bands der Canterbury Scene wie auch die eine oder anderer deutsche Rockband, geriet dabei zwar in den Hintergrund, dennoch ist Virgin Records eine erkleckliche Anzahl von Veröffentlichungen dieser Strömung der Rockmusik zu verdanken. Dass es dabei zwischen Branson und den Musikern – von Mike Oldfield bis Chris Cutler – ab und an knirschte, gehört ebenso zur Geschichte der Rockmusik.

Werke

Losing My Virginity – How I’ve Survived, Had Fun, And Made a Fortune Doing Business My Way; New York 1999
Losing My Virginity; London 2002; überarbeitete Wiederveröffentlichung
To the Edge of Space – The Adventures of a Balloonist: London 2000; mit Colin Prescott
Sir Richard Branson – The Autobiography; London 2002
Screw It, Let’s Do It – Lessons in Life; London 2006; erweiterte Fassung 2007

Weblink

virgin.com/richard-branson (Blog von Richard Branson)