Alan Parsons Project

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Alan Parsons Project, britisches Progressive-Rock-Duo, 1975 von Alan Parsons (* 1948) und Eric Norman Woolfson (* 1945, † 2009) in London gegründet.

Bandbiografie

Alan Parsons war als Toningenieur und Produzent schon jahrelang im Musikgeschäft erfolgreich – so war er beispielsweise ↑George Martins Assistent, als die ↑Beatles ihre LPs »Abbey Road« und »Let it be« einspielten, und war auch an den Aufnahmen von ↑Pink Floyds »The Dark Side of the Moon« beteiligt –, als er 1974 den Session-Pianisten Eric Woolfson in der Kantine seiner Arbeitsstelle, den Abbey-Road-Studios in London kennen lernte. Frustriert von seiner Arbeit trug Parsons sich mit dem Gedanken, selbständig zu arbeiten. Er fragte Woolfson, ob dieser sein Management übernehmen wollte. Woolfson sagte zu und Parsons produzierte in der folgenden Zeit einige Alben, etwa von Pilot, Cockney Rebel und Al Stewart. Gänzlich stellte es ihn aber auch nicht zufrieden, die Ideen anderer erst einmal zu einem Album zu formen. Woolfson schlug ihm daher vor, gemeinsam mit ihm eine von ihm schon Jahre zuvor begonnene Komposition über das Leben des britischen Schriftstellers Edgar Alan Poe zu einem Album zu formen. Die grundsätzliche Idee Woolfsons war es, als Duo zu komponieren und Alben zu produzieren, die Musik selbst aber von je nach Bedarf und Anspruch wechselnden Instrumentalisten einspielen zu lassen.
Auf diese Art, nach Engagement der Musiker der Band Pilot, kam das erste Album des Duos, das sich nunmehr Alan Parsons Project nannte, zustande: Woolfson hatte den größten Teil der Musik komponiert, Parsons daraus das Album »Tales of Mystery and Imagination« (1976). Die aufwändig in ein mit einem Beiheft versehenen Klapp-Cover verpackte LP war dem Leben Edgar Alan Poes gewidmet – ganz wie Woolfson es geplant hatte.
War das Debüt-Album noch bei dem Label 20th Century Records veröffentlicht worden, so nahm nun, nach den ersten Erfolgen des Duos, die Plattenfirma Arista Records Alan Parsons Project unter Vertrag. Parsons und Woolfson veröffentlichten bis 1987 Jahr für Jahr eine LP, lediglich in den Jahren 1981 und 1983 kam kein Studio-Album des Projects auf den Markt. Im Laufe dieser Jahre spielte eine Vielzahl von mehr oder weniger bekannten britischen Rockmusikern für Alan Parsons Project, so etwa Andrew Powell (Keyboards), David Paton (Bass), Stuart Elliott (Schlagzeug), ↑Eberhard Schoener (Orchesterleitung), Stuart Tosh (Schlagzeug), Duncan Mackay (Keyboards), Mel Collins (Saxofon), Steve Harley (Gesang), Allan Clarke (Gesang), Colin Blunstone (Gesang), Arthur Brown (Gesang), Gary Brooker (Gesang) und selbst Eric Woolfson traute sich während der Aufnahmen zu »Ammonia Avenue« (1984) erstmals an das Gesangsmikrofon – bezeichnenderweise für den Song »Prime Time«.
Das kaum ein Dutzend umfassende Œuvre von AlanParsons Project war in Kontinental-Europa und den USA stets erfolgreicher als in Großbritannien, selbst erfolgreiche Singles wie »Eye in the Sky« (1982) brachten es nicht in die Top 100 der britischen Charts. Ab Mitte der 1980er-Jahre fanden die Alben Parsons und Woolfsons immer weniger Hörer. Nach der Veröffentlichung von »Gaudi« – wieder ein biografisches Konzeptalbum – war das Album »Freudiana« bereits fertig produziert, als Woolfson darauf bestand, daraus ein Musical zu machen. Von da an gingen die beiden Musiker mehr oder weniger getrennte Wege: Während Parsons mit Alan Parsons Project nach 1990 gelegentlich sogar öffentlich auftrat, arbeitete Woolfson einen Teil der gemeinsamen Musik zu Musicals um, außer »Freudiana« entstanden auf diese Weise auch »Gaudi« und »Gambler«.
Alan Parsons und Eric Woolfson sind die Prototypen des musikalisch ambitionierten Produzenten, wie es George Martin, Produzent der Beatles, zwar vorlebte, sich aber nicht verleiten ließ, daraus eine parallele Karriere entstehen zu lassen. Parsons wiederum sah als Toningenieur von Pink Floyd, wie sehr das Ergebnis eines künstlerischen Prozesses im Rockbereich auch vom »Mann an den Reglern« abhing. So war es nur ein kleiner Schritt, die Verhältnisse umzudrehen. Woolfson, eher als Parsons ein Musiker, sah ihre Aufgabe denn auch darin, Aufnahme und Produktion eines Albums zu leiten, wie ein Regisseur den Prozess der Aufnahme und des Schnitts eines Films leitet. Im Grunde widerspricht dies den Prämissen damaliger Rockmusik, in der im Idealfall der Urheber einer musikalischen Idee diese erst in der Interpretation ausformt – gleichzeitig also Urheber und Interpret ist. So wirkt eine Reihe von Songs des Duos künstlich, um nicht zu sagen gekünstelt, wenn auch Parsons und Woolfson alles taten, um genau diesen Eindruck zu vermeiden. Den Grundgedanken, dass sie beinahe im Sinne der Komponisten im Bereich der Kunstmusik Urheber von Musik sind, die andere auszuführen haben, kamen sie mit einer nie veröffentlichten Platte vermutlich sehr nahe, für die Rockmusik gefährlich nahe: dem Album »The Sicilian Defence«, einem Konzeptalbum über eine Strategie im Schach. Angeblich soll die Musik atonale Abschnitte enthalten – im Rock- und Pop-Markt schlichtweg unverkäuflich. Nach 1987 arbeiteten sowohl Parsons als auch Woolfson unter jeweils eigenem Namen weiter; Parsons veröffentlichte diverse Alben, während Woolfson sich dem Schreiben und Zusammenstellen von Musicals widmete.



Diskografie

Tales of Mystery and Imagination (1976)
I Robot (1977)
Pyramid (1978)
Eve (1979)
The Turn of a Friendly Card (1980)
Eye in the Sky (1982)
Ammonia Avenue (1984)
Vulture Culture (1985)
Stereotomy (1986)



Weblinks

http://www.alan-parsons-project.com/ (Offizielle Website der britischen Progressive-Rock-Formation Alan Parsons Project)
http://www.poe-cd.com/ (Website zu Eric Woolfsons CD »Poe – More Tales of Mystery and Imagination«)