Allan Holdsworth

Holdsworth, Allan, britischer Rock- und Jazzmusiker (Gitarre, Komposition), * Bradford, West Yorkshire (England), 6. 8. 1946

Allan Holdsworth Vater spielte Klavier und brachte seinem Sohn die Grundbegriffe der Musik wie auch des Klavierspiels bei. Interessiert am Saxofon, kam Holdworth mit dem Blasinstrument aber nie in nähere Berührung und versuchte, die Klangwirkung des Saxophons auf die Gitarre zu übertragen, angeblich einer der Gründe für sein virtuoses Legato-Spiel.
Holdsworth war ab 1969 zunächst Mitglied der Progressive-Rock-Band ‚Igginbottom, dann schloss er sich der Jazzrock-Formation Sunship an, zu der der Keyboard-Spieler Alan Gowan, der Bassist Laurie Baker und der Schlagzeuger Jamie Muir gehörten.
Zuhörer eines der Konzert von Sunship war der Saxophonist Ray Warleigh, der das Potential von Holdsworth erkannte und ihn in den inneren Zirkel des damaligen britischen Jazzrocks brachte: Er machte den Gitarristen mit Ian Carr bekannt, der ihn wiederum in seine Gruppe Nucleus nahm. Holdsworth blieb indes nicht lange bei Nucleus, sondern nahm bald ein Angebot von Jon Hiseman an, in dessen Band Tempest Gitarre zu spielen. Bis Mitte der 1970er-Jahre war Holdsworth Reputation als brillanter Gitarrist so gewachsen, dass er zu den führenden Gitarristen Europas gezählt wurde. Wenn auch Holdsworth‘ Name nur selten fiel, wenn es um die Aufzählung der großen Namen des Instrumentes ging: Er zeigte sein instrumentales Könne vor allem bei Bands, die zwar künstlerisch in die erste Reihe gehörten, gleichwohl als meist stärker dem Jazz als dem Rock verhaftete Formationen nicht das ganz große Publikum fanden.
Das hätte sich ändern können, nachdem Holdsworth mit Soft Machine, Pierre Moerlen’s Gong und in den Bands von Jean Luc Ponty und Bill Bruford einige Alben eingespielt, und mit Bruford, John Wetton und Eddie Jobson die Gruppe U.K. gegründet hatte. Diese letzte Supergroup des Progressive Rocks der 1970er-Jahre bestand in dieser Besetzung nur kurze Zeit, einem Album und einer Tournee. Die Band war sich uneins über den einzuschlagenden Weg, Wetton sah die Ursache für die Querelen in Holdsworth und verlangte, dass der Gitarrist die Band verließ. Da Bruford Holdsworth in die Band gebracht hatte, sah er keine andere Möglichkeit, als ebenfalls U.K. zu verlassen. Mit Bruford spielte Holdworth anschließend noch zwei Alben als Gitarrist dessen Gruppe Bruford.
Langfristig war Holdsworth‘ Konsequenz aus dem Scheitern von U.K. die Gründung einer eigenen Band. Mit dem Bassisten Paul Carmichael und dem Schlagzeuger Gary Husband rief er 1980 I.O.U. ins Leben. Das Debüt-Album dieser Gruppe fand zwar sein Publikum, in dem Gitarristen Eddie Van Halen aber auch einen Bewunderer, der Holdsworth den Weg in den amerikanischen Markt ebnete, als er ihn der Schallplattenfirma Warner empfahl. Holdsworth veröffentlichte bei Warner – unter Mithilfe von keinem Geringeren als Jack Bruce – das Mini-Album »Road Games« und gründete mit dem Bassisten Jeff Berlin und dem Drummer Chad Wackerman ein »amerikanisches« Trio. Wackerman, Husband und der Bassist Jimmy Johnson sind seit dieser Zeit die ständigen Wegbegleiter Holdworth‘.
1986 entdeckte Holdsworth die SynthAxe, ein MIDI-Controller in der angenäherten Form einer Gitarre, der im Wesentlichen wie eine Gitarre gespielt wurde, mit dem aber jeder mit MIDI ausgestattete Klangerzeuger angesteuert werden konnte. Holdsworth setzte die SynthAxe erstmalig bei den Aufnahmen für sein Album »Atavachron« (1986) ein, experimentierte in den folgenden Jahren aber weiter mit dem ungewöhnlichen Gerät. Mittlerweile ließ er Kategorien wie Jazz und Rock, arbeitete etwa mit den Piansiten Gordon Beck und Steve zusammen, half als Gitarrist bei Level 42 aus, war an zwei Solo-Alben von Chad Wackerman beteiligt und holte neue Musiker in seine Tournee-Band, so den Bassisten Skúli Sverisson, den Schlagzeuger Anders Johansson und dessen Bruder, den Keyboard-Spieler Johann Johansson. Stets interessiert an instrumentaltechnischen Neuerungen, hatte er sich Anfang der 1990er- Jahre eine elektrische Baritongitarre bauen lassen und war damit einerseits Pionier dieses Instrumentes, andererseits setzte er damit auch gleich den Maßstab.
Veränderungen in seinen Lebensumständen Ende der 1990er-Jahre führten zu einer Neuorientierung des Gitarristen. 2000 veröffentlichte er noch »The Sixteen Men of Tain«, das letzte, das er in seinem kalifornischen Studio The Brewery aufgenommen hatte; der Name war nicht ganz zufällig gewählt, denn Holdworth interessierte sich intensiv für das Getränk und dessen Herstellung, braute auch ein eigenes Bier. 2001 kam noch »Flat Tire: Music for a Non-existent Movie« auf den Markt, danach zwei Live-Alben, danach war Holdsworth nur noch in seinen Konzert zu hören, oder aber auf den von anderen Musikern produzierten Alben, darunter Alben von Derek Sherinian und Planet X. Verbunden blieb er Chad Wackerman; mit Terry Bozio, Pat Mastelotto und Tony Levin ging er zwischen 2008 und 2010 auch auf Tournee ging, ansonsten gab es nur noch vereinzelte Begegnungen, etwa mit dem Schlagzeuger Virgil Donati und dem Bassisten Jimmy Haslip.
Holdsworth‘ Bedeutung für den Canterbury Rock ist zwar als eher gering einzuschätzen, aber er wirkte an einigen klassischen Alben mit, so 1975 an »Bundles« von Soft Machine und 1976 an »Gazeuse!« von Pierre Moerlen’s Gong. Mitglied von Soft Machine war er auch, als die Band, zu der dann kein einziger Musiker der ersten Platten mehr gehörte, mit »Land of Cockayne« 1981 ihr letztes Album einspielte. Dennoch: Später distanzierte er sich gerade von den Alben, die er mit Ian Carr/Nucleus und Gong aufgenommen hatte, außerdem von einigen anderen, selbst von eigenen. ,Allan Holdsworth ist der typische »Musician’s Musician«, bekannt vor allem unter Musikern, wird von Gitarristen hoch geachtet, und übt auch einigen Einfluss auf sie aus – etwa auf Frank Zappa, Eddie Van Halen, Joe Satriani, John Petrucci und Alex Lifeson – , hinterlässt bei großen Teilen des Publikums eher Ratlosigkeit, wenn auch seine Virtuosität allemal für Staunen sorgen kann. Ein Blick auf seine Karriere aber zeigt, dass er seit seinem ersten Auftreten Anfang der 1970er-Jahre tiefe Spuren in der Musik zwischen Jazz und Rock hinterließ und einer der Musiker ist, die dem britischen Jazzrock zu einer eigenen Stimme verhalfen, die dann auch weltweit gehört wurde.


Werke

Reaching for the Uncommon Chord; Winona 1987
Just for the Curious; New York 1994
Melody Chords for Guitar; Winona 1997


Diskografie (Auswahl)

Solo und mit I.O.U

Velvet Darkness (1976)
I.O.U. (1982)
Road Games (1983)
Metal Fatigue (1985)
Atavachron (1986)
Sand (1987)
Secrets (19899
Wardenclyffe Tower (1992)
Hard Hat Area (1993)
None Too Soon (1996)
The Sixteen Men of Tain (2000)
Flat Tire: Music for a Non-Existent Movie (2001)
All Night Wrong (2002)
Then! (2003)


Mit ‚Igginbottom

‚Igginbottom’s Wrench (1969)

Mit Nucleus/Ian Carr
Belladonna (1972)


Mit Tempest

Tempest (1973)


Mit Soft Machine

Bundles (1975)
Land of Cockayne (1981)


Mit Tony Williams

Believe It! (1975)
Million Dollar Legs (1976)


Mit Pierre Moerlen’s Gong

Gazeuse! (1976)
Expresso II (1978)


Mit Jean-Luc Ponty

Enigmatic Ocean (1977)
Individual Choice (1983)
The Atacama Experience (2007)


Mit Bruford

Feels Good to Me (1978)
One of a Kind (1979)


Mit U.K.

U.K. (19789
Concert Classics Volume 4 (l978)


Mit Stanley Clarke

If This Bass Could Only Talk (1988)


Mit Chad Wackerman

Forty Reasons (1991)
The View (1993)
Dreams Nightmares and Improvisations (2012)


Außerdem Tonträger mit Gordon Beck, Jack Bruce, Frank Gambale, Gongzilla, Gorky Park, Stuart Hamm, Steve Hunt, Jon St. James, Anders & Jens Johansson, Krokus, Level 42, Andrea Marcelli, Alex Masi, Esther Philips, Soft Works, Soma, Strange Advance, Steve Taglione, Carl Verheyen, John Wetton, Snew


Weblink

http://www.therealallanholdsworth.com/ (Offizielle Website des britischen Gitarrten Allan Holdsworth)