Amon Düül II

Amon Düül II, deutsche Rockband, 1968 von der 1967 gegründeten Formation Amon Düül abgespalten; der Name verbindet den Namen des altägyptischen Gottes Amon mit der türkischen Bezeichnung für Mond.

Bandbiografie

Amon Düül war 1967 aus einer Künstlerkommune hervorgegangen, die in Herrsching bei München zusammenlebte. Bei den von ihnen initiierten Veranstaltungen spielte auch Musik eine Rolle, allerdings eher im Sinne von musikalischen Happenings, bei denen es weder auf instrumentales Können noch auf die Einhaltung von überkommenen musikalischen Regeln ankam. So spielten vornehmlich eine Sitar, Blockflöten und diverse Perkussionsinstrumente die Hauptrollen in diesen mitunter sehr langen spontanen Improvisationen. In dieser Gruppe bildeten sich indes nach kurzer Zeit zwei Lager: Während die eine Gruppe die Musik nur als Beiwerk zu künstlerischen und politische Aktionen und musikalisches Vermögen eher als schädlich empfand, bestand zweite auf wenigstens rudimentären musikalischen Kenntnissen. 1968 trennten sich im Vorfeld der von dem Journalisten Rolf-Ulrich Kaiser und der Band Tangerine Dream veranstalteten Essener Songtage 1968, die dem noch jungen deutschen »Underground«-Rock eine Forum bieten wollten, und traten als Amon Düül und Amon Düül II auf.

Amon Düül bestand bis 1970 und konnte bis dahin vier Alben veröffentlichen. Nach wie vor wenig um Professionalität bemüht, ist die Musik dieser Gruppe dennoch zumindest eine der Ursachen, dass man in Großbritannien von der deutschen Rockmusik fortan als »Krautrock« sprach, wich diese Musik doch stark von angloamerikanischen Vorbildern ab.

Weit eher als Amon Düül entwickelte sich Amon Düül II zu einer veritablen Rockband. Zu Beginn gehörten der Gitarrist Chris Karrer (* 1947), die Brüder Peter Leopold (* 1945, † 2006; Schlagzeug) und Ulrich Leopold (Bass), der Keyboardspieler Falk Rogner (* 1943), der Gitarrist John Weinzierl (* 1949) und die Sängerin Renate Knaup »Krötenschwanz« (* 1948) zu der Band. Anfang der 1970er-Jahre repräsentierte Amon Düül II quasi die deutsche Fassung des Psychedelic Rock und konnte Album um Album veröffentlichen: 1969 »Phallus Dei«, 1970 »Yeti«, 1970 »Tanz der Lemminge«, 1972 »Carnival in Babylon«, 1973 »Wolf City«, 1974 »Wolf City«, 1974 »Vive la Trance«, 1975 »Made in Germany«, dazwischen noch Live-Aufnahmen und Zusammenstellungen. Die Band hatte sich mit Knaup, Karrer, Weinzierl, Leopold, Rogner und dem Bassisten Lothar Meid (* 1942) zwar weitgehend stabilisiert, doch gab es immer wieder Umbesetzungen und einzelne Musiker wie Lothar Meid und Renate Knaup arbeiteten auch mit anderen deutschen Musikern zusammen, Meid und Karrer etwa mit Embryo, Knaup mit Florian Fricke. Produziert wurde ein Teil der Alben von dem Saxofonisten Olaf Kübler, eine zentrale Figur der deutschen Rockmusik dieser Tage.

Von Amon Düül II nahm man auch in Großbritannien zunehmend Notiz, wenn auch ab Mitte der 1970er-Jahre allerdings das Interesse an Amon Düül II rapide nachließ. Meid wurde zu einer Grauen Eminenz der Rockmusik dieser Zeit, arbeitete für eine Plattenfirma, produzierte die LP von Marius Müller-Westernhagen und schreib auch die Musik zu dessen zweitem »Theo«-Film. Meid verhalf durch seine Mitarbeit bei der LP »Mit Pefferminz bin ich dein Prinz« Westernhagen 1978 zum Durchbruch beim deutschen Rock-Publikum.

Zur selben Zeit kam mit »Only Human« (1978) die vorerst letzte LP von Amon Düül II auf den Markt. 1980 gründete Weinzierl in England eine Band, die er Amon Düül (UK) nannte und brachte es im Laufe der 1980er-Jahre zur Veröffentlichung von fünf Alben, doch spielte diese Formation in Deutschland keine Rolle. Karrer arbeitete gegen Ende der 1980er-Jahren mit Robert Calvert, früher bei Hawkwind, an dessen neuen Album, als der Engländer 1988 verstarb. Zu einem Gedenkkonzert fanden sich auch Renate Knaup und Peter Leopold ein. So fassten die Musiker den Plan, Amon Düül II wiederzubeleben und absolvierten einige Konzerte, bei denen auch Meid und Rogner sich zu ihren alten Weggefährten gesellten. Die von Karrer mit Calvert bereits fertiggestellten Aufnahmen wurden mit weiteren unter dem Namen der Band veröffentlicht und 1995 gab es dann mit »Nada Moonshine« auch wieder eine originäre Veröffentlichung unter dem Namen Amon Düül II. Gegen Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts gehörten neben Knaup, Karrer, Meid und Weinzierl der Bassist Gerard Carbonell, Perkussionist Jahn Kahlert und der Schlagzeuger Danny Fichelsher zu Amon Düül II. Im Früjahr 2009 nahm die Band ein neues Album auf, »Bee as such«, das zunächst nur in einer Download-Version auf der Website der Band veröffentlicht wurde.

Bis weit in die 1960er-Jahre war deutsche Rockmusik vollständig auf Vorbilder aus Großbritannien und den USA fixiert. Erst im Vorfeld der 68er-Bewegung entwickelte sich so etwas wie eine eigenständige deutsche Rockmusik, die die Musik der Vorbilder nicht einfach nur nachahmte, sondern verarbeitete und die Resultate in einer eigenen Musik präsentierte. Am Anfang spielten dabei diverse soziale, philosophische und politische Vorstellungen eine erhebliche Rolle, auch eine gewisse Naivität. Bald allerdings galt Amon Düül II als führende Band eines spezifisch deutschen Psychedelic Rock. Mitte der 1970er-Jahre verlor die Band die Orientierung, schob die ureigene, sicher nicht mehr ganz zeitgemäße Musik beiseite, um sie gegen die eben auch nicht mehr zeitgemäße Idee einer Rockoper einzutauschen (»Made in Germany«). Das deutsche Publikum nahm von dieser Musik schnell und gründlich Abschied. Dass es allerdings eine autonome deutsche Rockmusik gibt, die seit den 1980er- und 1990er-Jahren auch international geltende Maßstäbe erfüllen kann, ist zu einem nicht unwesentlichen Teil Amon Düül II zu verdanken.

Diskografie

Amon Düül

Psychedelic Underground (1969)
Collapsing/Singvögel Rückwärts & Co. 1969)
Para Dieswärts Düül (1970)
Disaster – Lüüd Noma (1973)

Amon Düül II

Phallus Dei (1969)
Yeti (1970)
Tanz der Lemminge / Dance Of The Lemmings (1971)
Carnival In Babylon (1972)
Wolf City (1973)
Live In London (1979)
Utopia (1973)
Vive La Trance (1974)
Hijack (1975)
Made In Germany (1975)
Pyragony X (1976)
Almost Alive (1977)
Only Human (1978)
Die Lösung (1989; mit Robert Calvert)
Nada Moonshine (1995)
Live In Tokyo (1976)
Bee as such (2009)

Literatur

Schober, Ingeborg: Tanz der Lemminge – Amon Düül – eine Musikkommune in der Protestbewegung der 60er Jahre; Reinbek 1979)

Weblink

http://www.amonduul.de/ (Offizielle Website der deutschen Rockband Amon Düül II)