Argent

Argent, britische Rockgruppe, 1968 gegründet

Bandbiografie

Der Organist Rod Argent, eigentlich Rodney Terence Argent, (* 1945) hatte von 1963 bis 1967 bei der britischen Band The Zombies Orgel gespielt, obwohl er zunächst als deren Sänger eingeplant war. Zeit ihres Bestehens war diese Band zumal in Großbritannien wenig erfolgreich, und auch, als die 1968 veröffentlichte letzte LP »Odyssey and Oracle« überraschend in den USA reüssierte, mochten sich die Musiker nicht zu einer Reunion bereit finden. So gründete Argent unter seinem eigenen Namen eine neue Band, zu der der Bassist Jim Rodford (* 1941), der Gitarrist und Keyboard-Spieler Russ Ballard (* 1945) und der Schlagzeuger Robert Henrit (* 1944) gehörten. Argent selbst spielte Hammond-Orgel, Klavier und elektrisches Klavier, übernahm einen Teil der Gesangsparts und steuerte einen Großteil der Kompositionen bei.

Ihre erste LP veröffentlichte die Band 1970 unter dem Titel »Argent« bei dem amerikanischen Schallplatten-Label Epic Records. Sie enthielt eine Mischung von Pop, Rock und Jazz, letzteren vor allem in den Soli Argents. Der Erfolg dieser ersten LP konnte zwar noch mit »Ring of Hands« (1971) gesteigert werden, doch nach der Veröffentlichung von »All Together Now« (1972) und »In Deep« (1973) verließ Ballard, der sich inzwischen als Garant für die kommerziell erfolgreichen Songs der Band entpuppt hatte, Argent und versuchte eine Solo-Karriere einzuschlagen. Rod Argent seinerseits holte als Ersatz den Sänger, Gitarristen und Bassisten John Verity (* 1949) und John Grimaldi (* 1955), der Violine, Cello und Mandoline spielte. In dieser Konstellation veröffentlichte Argent noch drei LPs, »Nexus« (1974), »Circus« (1975) und »Counterpoints« (1975), mit denen die Musiker um Rod Argent versuchten, den Anschluss an jüngere Entwicklungen wie etwa Progressive Rock zu halten; Argent hatte zu seinen Keyboards sogar noch einen Synthesizer gestellt. Als es Rod Argent indes nicht gelang, weiterhin mit seiner Band einigermaßen Erfolg zu haben, löste er Argent Ende 1976 auf. Rod Argent betätigte sich anschließend als Studiomusiker, eröffnete einen Keyboard-Laden und arbeitete auch als Produzent, so etwa für die Sängerin Tanita Tikaram. Auch mit Colin Blunstone, ehemals Gitarrist und Sänger bei The Zombies, kam er nach 2000 wieder für Konzerte und Plattenaufnahmen zusammen und war Mitglied von Ringo Starrs All Starr Band. 1997 veröffentlichte er mit »Classically Speaking« eine CD, die ihn als Interpreten von Klavierwerken etwa von Frederic Chopin, Edvard Hagerup Grieg, Maurice Ravel und Johann Sebastian Bach präsentierte – ein Fingerzeig seines autodidaktisch erworbenen pianistischen Könnens. 2010 versammelte Rod Argent seine Band noch einmal für eine Auftritt beim High Voltage Festival in London. Das Publikumsinteresse reichte dann auch noch für eine kleine Tournee durch Großbritannien.

Argent entstand gegen Ende der 1960er-Jahre, als Bands wie The Nice und Brian Auger’s Trinity und auch schon Deep Purple für eine Musik standen, in der sich Pop, Rock und Jazz, mitunter auch Elemente traditioneller Kunstmusik zu einem eklektizistischen Ganzen vermischten. So finden sich auf den LPs Argents Vokalharmonien im Stile der Beach Boys, Klavier-Boogie, auf Riffs basierende Jazzrock-Improvisationen, imitierte Klassik, eine vage Bearbeitung der Totensequenz »Dies Irae« und natürlich handfester Rock.

Manch ein Klang, den Argent seiner Hammond-Orgel gab, erinnert an Keith Emerson, Vincent Crane oder Jon Lord und zeigt, wie dicht die britischen Bands um 1970 beieinander waren. Nach 1970 änderte sich das Bild im Laufe weniger Jahre, Argent blieb bei Hammond-Orgel und elektrischem Klavier – von ihm stammen einige Improvisationen auf dem Instrument, die in der Rockmusik nicht ihresgleichen hatten – und wandte sich erst spät halbherzig dem Synthesizer zu.

So wirken selbst die späteren Alben wie »Nexus« und »Counterpoint« seltsam altmodisch, auf jeden Fall unzeitgemäß. Das Terrain, das 1970 noch verteilt wurde, hatten sich längst Bands wie Emerson, Lake & Palmer und Yes gesichert. Zu den Säulen des Progressive Rock gehören einige Stücke Argents, etwa die Suite »Pure Love« (1972) oder »The Coming of Kohoutek« (1974), allemal.

Diskografie

Argent (1970)
Ring of Hands (1971)
All Together Now (1972)
In Deep (1973)
Nexus (1974)
Encore: Live In Concert (1974)
Circus (1975)
Counterpoints (1975)
BBC Radio 1 In Concert (1995)
The Complete BBC Sessions (1997)
Greatest: The Singles Collection (2008)

Weblink

rodargent.com (Offizielle Website des britischen Organisten und Pianisten Rod Argent)