Barclay James Harvest

Stichworte Mellotron | Harvest Records | The Moody Blues



Barclay James Harvest, britische Rockband, 1966 in Saddleworth (Oldham, England) gegründet

Bandbiografie

Der Gitarrist John Joseph Lees (* 1947) und Woolly Wolstenholme, eigentlich Stuart John Woolstenholme, (* 1947), der neben Tenorhorn und Banjo diverse Instrumente ein wenig spielte, hatten seit Anfang der 1960er-Jahre schon in diversen Bands miteinander Musik gemacht, so etwa bei The Sorcerers und bei The Keepers. 1966 taten sich die beiden Musiker mit dem Sänger und Bassisten Les Holroyd, eigentlich Richard Leslie Holroyd, (* 1948) und dem Schlagzeuger Mel Pritchard, eigentlich Melvyn Paul Pritchard, (* 1948, † 2004) zu Barclay James Harvest zusammen. Woolstenholme kaufte ein Mellotron und lernte autodidaktisch dessen Spiel. Später verwendete er zwar auch Orgel und Synthesizer, doch blieb der Klang des Mellotrons lange eine Art Markenzeichen der Band. 1968 konnte Barclay James Harvest bei der britischen EMI eine erste Single veröffentlichen. Danach wurde die Band von der EMI an das für Progressive Rock eingerichtete Label Harvest Records weiter gegeben. Bei Harvest erschien 1970 das erste Album der Band, doch wurde »Barclay James Harvest« nur wenig beachtet.
Das änderte sich mit dem zweiten Album, »Once again« (1971). Das Album enthielt mit »Mocking Bird« den Song, der im Laufe der Jahre zu einem Klassiker der Band wurde. Barclay James Harvest ging nach Veröffentlichung des Albums mit einem Orchester auf Tournee und fand allein aus diesem Grund schon einige Beachtung beim Publikum. Auch bei den Aufnahmen zum dritten Album, dem ebenfalls 1971 veröffentlichten »Barclay James Harvest and Other Short Stories«, arbeitete die Band mit einem Orchester zusammen. Schon wenige Monate später folgte mit »Baby James Harvest« (1972) das vierte Album, doch zeigte sich dann, dass die rasche Abfolge von Studioarbeit, Schallplattenveröffentlichung und Tour den Musikern allzuviel abverlangte. Die Band trennte sich von Harvest, unterschrieb einen Vertrag bei Polydor Records und legte erst 1974 ein neue Album vor. »Everyone is Everybody else« zeigte dann, dass die Popularität Barclay James Harvests mittlerweile einen Grad erreicht hatte, dass selbst der Radio-DJ John Peel sich genötigt sah, die Band für ein Konzert bei der BBC einzuladen. Jahr für Jahr veröffentlichte die Band nun Alben und fand dabei wohl in Europa als auch den USA ein großes Publikum
Nach dem Album »XII« verließ Woolstenholme Barclay James Harvest, arbeitete für kurze Zeit an einer Solo-Karriere, zog sich dann aber aus dem Musikgeschäft zurück und kaufte sich ein Landgut. Der Publikumserfolg der Band hatte sich im Laufe der Jahre von den britischen Inseln auf den Kontinent verschoben. Das verbliebene Trio trug dem Rechnung, gab zumal in den beiden deutschen Staaten Konzerte vor hunderttausenden Zuhörern, trat 1980 vor dem Reichstag im Westteil Berlins, wie 1987 im Treptower Park im Ostteil der Stadt auf.
In den folgenden Jahren sank Barclay James Harvest langsam in der Publikumsgunst, wenn auch die Musik des Trios besonders in Deutschland populär blieb. 1998 trennten sich die Musiker: John Lees veröffentlichte im selben Jahr ein Album unter dem Bandnamen Barclay James Harvest through the Eyes of John Lees das Album »Nexus«, und holte zu diesem Zweck Wooly Wolstenhome von dessen Äckern. Woolstenholme seinerseits belebte danach auch seine Band Maestoso wieder, die er nach seiner Zeit bei Barclay James Harvest gegründet hatte; 2006 tat der Keyboard-Spieler sich mit Lees zu John Lee’s Barclay James Harvest zusammen. Holroyd und Pritchard ihrerseits nannten ihre Formation Barclay James Harvest featuring Les Holroyd; diese Gruppierung blieb auch nach Pritchards Tod bestehen, so dass es seit Mitte des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends drei Bands gibt, in denen Mitglieder der Band von 1966 die Musik von Barclay James Harvest spielen. — Barclay James Harvest waren stets »Poor Man’s Moody Blues«, wie die Band auf ihrem 1977 veröffentlichten Album »Gone to Earth« selbstironisch einen Song betitelte – in den Augen der Fans von Yes, Genesis oder Pink Floyd noch nicht mal das. Tatsächlich erreichte die Band zu keinem Zeitpunkt ihrer Karriere etwa die kalte Brillanz von ↑Emerson, Lake & Palmer, die Raffinesse von Yes oder den Willen zum Experiment wie ↑King Crimson. Der Vergleich mit The Moody Blues entbehrt allerdings nicht eines wahren Kerns, denn wie bei The Moody Blues gehörte zu Barclay James Harvest das Wimmern des Mellotrons dazu, war »Mocking Bird« ihr »Nights in White Satin«, war es vor allem der atmosphärisch dichte Klang der Band, der ihr über Jahrzehnte ein treues Publikum sicherte. Ob man die Musik der Gruppe nun dem Progressive Rock zurechnet – wofür es zumindest für die ersten vier Alben der Band einigen Grund gibt – oder aber einem mitunter sentimentalen Soft Rock, der schließlich in der Wiederholung des Immergleichen erstarrte, ist angesichts der langen Existenz von Barclay James Harvest eine eher akademische Frage. Wie auch die, ob die Band mit ihren Konzerten vor dem Reichstag in Berlin – also in unmittelbarer Nähe der Mauer – und 1987 im Treptower Park zum Ende der DDR beigetragen hat.



Diskografie

Barclay James Harvest (1970)
Once Again (1971)
Barclay James Harvest And Other Short Stories (1971)
Baby James Harvest (1972)
Everyone Is Everybody Else (1974)
Live (1974)
Time Honoured Ghosts (1975)
Octoberon (1976)
Gone to Earth (1977)
Live Tapes (1978)
XII (1978)
Eyes of the Universe (1979)
Turn of the Tide (1981)
Berlin – A Concert for the People (1982)
Ring of Changes (1983)
Victims of Circumstance (1984)
Face to Face (1987)
Glasnost (1988)
Welcome to the Show (1990)
Caught in the Light (1993)
River of Dreams (1997)
BBC in Concert 1972 (2002)
After The Day The Radio Broadcasts 1974-1976 (2008)

John Lees‘ Barclay James Harvest

Nexus (1999)
Revival Live 1999 – Through the Eyes of John Lees (2000)
Legacy (2007)

BJH featuring Les Holroyd

Revolution Days (2002)
Live in Bonn (2003)
Classic Meets Rock (2006; mit dem Prague Philharmonic Orchestra)



Weblinks

http://www.barclayjamesharvest.com/ (Offizielle Website der Band John Lee’s Barclay James Harvest)
http://www.barclayjamesharvest.co.uk/ (Offizielle Website der Band Barclay James Harvest featuring Les Holroyd)