Camel

Stichworte Canterbury-Scene | Deram Records | Querflöte | Caravan | Royal Albert Hall | Concept Album



Camel, britische Progressive-Rock-Band, 1971 aus dem Trio The Brew hervorgegangen; Camel zählt zu den Bands der so genannten Canterbury-Scene.

Bandbiografie

Der Gitarrist Andrew Latimer (* 1949), der Bassist Doug Ferguson, eigentlich Douglas Fergusons, (* 1947) und der Schlagzeuger Andy Ward, eigentlich Andrew John Ward, (* 1952) hatten in ihrer Heimatstadt Guildford ein Trio namens The Brew gegründet. Latimer betätigte sich zwar auch als Sänger und Keyboard-Spieler, doch nahmen die Musiker 1971 das Angebot des Keyboard-Spielers Peter Bardens (* 1944, † 2002) an, Mitglied der Band zu werden; Bardens hatte seit Mitte der 1960er-Jahre bei Them gespielt sowie bei Shotgun Express, zu der zeitweise Rod Stewart, Peter Green und Mick Fleetwood gehört hatten. Für einen einzigen Auftritt nannte sich das zum Quartett gewachsene Trio Peter Barden’s On, dann änderten die vier Musiker den Namen der Band in Camel.
Bereits 19872 stand Camel bei dem Schallplattenlabel MCA Records unter Vertag. Als jedoch die im selben Jahr veröffentlichte LP »Camel« nicht auf das Interesse des Publikums stieß, ließ MCA die Band fallen. Die fand allerdings in ↑Deram Records gleich ein neues Label und legte 1974 das Album »Mirage« vor. Die LP nimmt eine Schlüsselstellung im Schallplattenwerk der Band ein: Das Flötenspiel Latimers wurde stark in den Vordergrund gerückt, es gab mit »Nimrodel – The Procession – The White Rider« und »Lady Fantasy« zwei ausgedehnte Suiten und die Gestaltung des Covers – angelehnt an die Gestaltung der Zigarettenschachteln der amerikanischen Zigarettenmarke Camel – sollte noch Einfluss auf die weitere Karriere der Band haben. Denn als das Quartett als thematische Vorlage für die Musik des nächsten Albums die Erzählung »The Snow Goose« (1940) des amerikanischen Schriftstellers Paul Gallico (* 1897, † 1976) wählte, wehrte sich dieser gegen die Verwendung des Titels, in der Annahme, sein Name würde über den Bandnamen mit dem Namen der Zigarettenfirma in Verbindung gebracht werden. So trug das Album schließlich den Titel »Music Inspired by The Snow Goose«. Latimer und Bardens hatten die Musik für die Band und großes Orchester geschrieben, das Orchester jedoch kaum in auftrumpfender Manier eingesetzt, sondern die thematische Vorlage in viele kleine Episoden zerlegt und dementsprechend kleinteilig instrumentiert. Die Platte war seinerzeit nicht zuletzt wegen ihrer ruhig dahin fließenden Musik äußerst beliebt und Camel konnte 1975 die Musik gemeinsam mit dem London Symphony Orchestra in der Royal Albert Hall aufführen.
1976 präsentierte die Band mit »Moonmadness« ihr viertes Album. Danach begann eine Phase relativer Instabilität der Gruppe: Der Saxofonist Mel Collins wurde für eine Tour engagiert, blieb dann aber die nächsten Jahre Mitglied von Camel. 1977 ging Ferguson und wurde durch den Bassisten Richard Sinclair ersetzt, der vorher bei ↑Caravan Bass gespielt hatte. In dieser Besetzung spielte Camel die LPs »Raindances« (1977) und »Breathless« (1978) ein; Bardens verließ die Band direkt nach der Veröffentlichung von »Breathless«. An seiner statt spielten nun Dave Sinclair und Jan Schelhaas die Keyboards, allerdings nur für eine einzige Tournee. Danach gingen die Sinclairs und wurden durch den Bassisten Colin Bass und den Keyboard-Spieler Kit Watkins ersetzt. Mit der Musik von »I Can See Your House from Here« (1979) versuchte sich die Band an die Veränderungen des Musikmarktes durch kürzere Stücke anzupassen, dennoch enthielt das Album mit »Ice« ein Stück mit einer ausgedehnten Gitarrenimprovisation Latimers. Das Cover des Albums allerdings stieß auf Kritik: Es zeigt aus einer ungewohnten Perspektive einen gekreuzigten Astronauten, der auf die Erde hinabblickt.
»Nude«, 1981 veröffentlicht, war dann wieder ein ↑Concept Album. Zwar hatten Watkins und Schelhaas die Band nicht verlassen, doch hatte der Keyboard-Spieler Duncan Mackay den Großteil der Keyboard-Parts eingespielt.
»Nude« war das letzte Album, das Camel als Band aufnahm. Ward hatte gesundheitliche Probleme und verließ die Band, die sich danach auflöste. Latimer musste indes noch den Vertrag mit Deram erfüllen, umgab sich mit einer Schar von mehr oder weniger bekannten Musikern, darunter Dave Paton, Chris Rainbow und Anthony Phillips, nahm »The Single Factor« (1982), dann »Stationary Traveller« (1984) auf. 1984 erschien noch ein Live-Album der Band, danach fand Latimer kein Label mehr für seine Musik, die zuletzt vom Publikum kaum mehr wahrgenommen wurde.
Anfang der 1990er-Jahre gründete Latimer ein eigenes Label und veröffentlichte auf diesem, Camel Productions genannten Label, 1991 die CD »Dust and Dreams«. Die Aufnahmen dazu hatte er bereits 1988 unter anderem mit dem Keyboard-Spieler Ton Scherpenzeel und dem Schlagzeuger Paul Burgess (10cc, The Tangent) begonnen. Die der Veröffentlichung folgende Tournee ergab ein Live-Album, »Never Let Go« (1993). Während Latimer zwar mit seiner Frau Susan Hoover unter dem Namen Camel das Konzeptalbum »Harbour of Tears« produzierte, aber keine Band mehr zusammenstellte, hatte Bardens mit Ward die Formation Mirage gegründet, die auch Musik von Camel im Repertoire hatte. Latimer seinerseits legte Ende der 1990er-Jahren noch die Alben »Coming of Age« (1997) und »Rajaz« (1999) vor. 2000 bildete er mit Bass, dem Schlagzeuger Denis Clement und dem Keyboard-Spieler Guy LeBlanc eine weitere Inkarnation von Camel. 2003 ging die Band auf eine Farewell Tour. Mitte des Jahrzehnts gehörten zu Camel neben Latimer Colin Bass, Denis Clement und Ton Scherpenzeel. Eine schwere Erkrankung Latimers verhinderte bis Ende des Jahrzehnts weitere Aktivitäten der Band.
Camel ist zwar nicht eine um den Gitarristen Andrew Latimer gestellte Band, dennoch ist der Gitarrist, Sänger und Flötist das Zentrum der Band. Einerseits durch den Klang der Flöte, andererseits durch den seinen ruhigen, vom Jazz stark beeinflussten Stil, Gitarre zu spielen, rückt die Band an das Klangideal anderer Formationen der ↑Canterbury-Scene wie etwa Caravan und National Health. Im Verein mit Bardens gelangen Latimer auch die eindrücklichsten Alben, unter denen »Mirage«, »Music inspired by The Snow Goose« und »Moonmadness« eine vorrangige Stellung einnehmen.



Diskografie

Camel (1973)
Mirage (1974)
Music inspired by The Snow Goose (1975)
Moonmadness (1976)
Rain Dances (1977)
Breathless (1978)
A Live Record (1978; Aufnahmen von 1974, 1975, 1977)
I can see Your House from here (1979)
Nude (1981)
The Single Factor (1982
Stationary Traveller (1984)
Pressure Points (1984)
Dust and Dreams (1991)
On the Road 1972 (1992)
Never Let Go (1993; Aufnahmen von 1992))
On the Road 1982 (1994)
Harbour of Tears (1996)
On the Road 1981 (1997)
Coming of Age (1998; Aufnahmen von 1997)
Rajaz (1999)
Gods of Light ’73-’75 (2000)
The Paris Collection (2001; Aufnahmen von 2001)
A Nod and a Wink (2002)



Weblink

http://www.camelproductions.com/ (Offizielle Website der britischen Rockband Camel)