Caravan

Stichworte Wilde Flowers | Decca Records Ltd. | Delivery | Egg | Beardfish



Caravan, britische Rockband, 1968 in Canterbury aus der Rockband Wilde Flowers hervorgegangen; die Band gehört zu der so genannten Canterbury-Scene, einer britischen Strömung des Jazzrocks.

Nach der Auflösung der Wilde Flowers beschlossen Dave Sinclair, eigentlich David Sinclair (* 1947; kb), sein Cousin Richard Sinclair (* 1948; voc, bg), Pye Hastings, eigentlich Julian Frederick Gordon Hastings, (* 1947; g, voc) und Richard Coughlan (* 1947; dr), eine neue Band zu gründen. Caravan, so der Name der Band, erhielt relativ schnell einen Plattenvertrag, allerdings nicht bei einem britischen Label, sondern bei dem amerikanischen Label Verve Records; Caravan war damit die erste britische Band, die bei einem amerikanischen Label ihren ersten Vertrag erhielt. Noch im selben Jahr veröffentlichte Verve das erste Album der Band, das als Titel den Bandnamen trug. Wenig später schloss Verve seine Rock- und Pop-Abteilung, so dass die Musiker sich nach einem neuen Label umsehen mussten. Sie fanden es in der britischen ↑Decca, die 1970 das zweite Album Caravans , »If I Could Do It All over again, I’d Do It over You«, auf den Markt brachte. Decca gründete etwa zur gleichen Zeit sein Progressive-Rock-Label ↑Deram, auf dem ein Jahr später die dritte LP der Band, »In the Land of Grey and Pink« erschien.
Diese drei Alben bilden das klassische Œuvre der Band, denn nach Veröffentlichung von »In the Land of Grey and Pink« verließ Dave Sinclair Caravan und ging zu Robert Wyatts Band Matching Mole. Bei Caravan wurde er durch den Keyboard-Spieler Steve Miller, vorher bei der Band Delivery, ersetzt. Durch die Umbesetzung änderten sich auch Klang und musikalische Richtung der Band – Miller sah sich eher als Jazz-Musiker. Das in dieser Besetzung produzierte Album »Waterloo Lily« (1972) fand aufgrund seiner starken Betonung des Jazz-*Elementes noch nicht einmal die Zustimmung aller Bandmitglieder, denn kurz nach der Veröffentlichung kehrten Richard Sinclair und Steve Miller Caravan den Rücken. Hastings und Coughlan gaben allerdings die Band nicht verloren, sondern fanden in dem Bassisten Stu Evans, dem Keyboard-Spieler Derek Austin und dem Viola-Spieler Geoffrey Richardson neue Mitstreiter.
Da es der Band allerdings zunächst nicht möglich war, ein Album aufzunehmen, ging sie auf ausgedehnte Tourneen. Tatsächlich kam in dieser Besetzung überhaupt keine Platte zustande. Erst als Dave Sinclair zurückkehrte und Evans durch John Perry ersetzt worden war, brachte Caravan wieder ein Album zustande. »For Girls Who Grow up Plump in the Night« (1973) wurde zwar von der Kritik anerkannt, doch hatte es Caravan zu keiner Zeit leicht auf dem britischen Musikmarkt; international spielte die Band überhaupt keine Rolle. Perry verließ die Gruppe bald nach Erscheinen der LP, für ihn kam Mike Wedgwood. Als Schlusspunkt dieser Phase kann die LP »Caravan and the New Symphonia« gelten, ein mit großem Aufwand produziertes Live-Album – die Band hatte ein Orchester engagiert, den Trend zu Aufnahmen dieser Art jedoch um Jahre verpasst.
In den folgenden Jahren veröffentlichte Caravan bis in die 1980er-Jahre hinein Alben. 1980 kehrte Dave Sinclair an die Keyboards zurück und war seitdem auf jeder Veröffentlichung zu hören. Seit Mitte der 1990er-Jahre gehört Caravan zu der Zahl ehrwürdiger Bands aus den 1960er- und 1970er-Jahre, die ihr Auskommen im Tournee-Zirkus suchen.
Mehr noch als Soft Machine steht Caravan für die Merkmale des Canterbury-Rocks, die seitdem zu den Topoi des Progressive Rocks zählen, und verantwortlich für diese sind der Organist Dave Sinclair und der Sänger Richard Sinclair. Dave Sinclair setzte nicht auf stupende Virtuosität – wie etwa die zur selben Zeit immens erfolgreiche Gruppe Emerson, Lake & Palmer, sondern auf einen zurückhaltenden, indes immer präsenten Orgelklang; Sinclair ist der Sänger der Canterbury-Scene schlechthin. Sein ruhig dahin fließender, unaufgeregter und dadurch sehr »englischer« Gesang war später auf vielen Platten des Canterbury-Rocks zu hören und wurde bis in jüngste Zeit, etwa von Rikard Sjöblom von der schwedischen Band Beardfish, zum Vorbild genommen.



Diskografie

Caravan (1968)
If I could do it all over again, I’d do it over You (1970)
In the Land of Grey and Pink (1971)
Waterloo Lily (1972)
For Girls Who grow plump in the Night (1973)
Caravan and the New Symphonia (1974)
Cunning Stunts (1975)
Blind Dog at St. Dunstans (1976)
Better by Far (1977)
The Album (1980)
Back to Front (1982)
BBC Radio 1 Live in Concert (1991; Aufnahme von 1975)
Live 1990 (1992; Aufnahme von 1990)
Battle of Hastings (1995)
Live in Holland: Back on the Tracks (1998)
Ether Way (1998; Aufnahmen von 1975-1977)
Live: Canterbury cames to London (1999; Aufnahme von 1997)
Surprise Supplies (1999; Aufnahme von 1974)
Bedrock in Concert (2002)
Live at Fairfield Halls, 1974 (2002; Aufnahme von 1974)
A Night’s Tale (2003)
Nowhere to hide (2003)
The Unauthorized Breakfast Item (2004)
The Show of our Lives – Caravan at the BBC 1968-1975 (2007; Aufnahmen von 1968-1975)
Paradise Filter (2013)



Website

http://www.caravan-info.co.uk/news (Website zu de britischen Rockband Caravan)