Chase

Stichworte Concept Album | Progressive Rock



Chase, amerikanische Jazzrock-Gruppe, 1971 von dem Trompeter Bill Chase (* 1934, † 1974) in Las Vegas gegründet.

Bandbiografie

Bill Chase hatte sich schon als Kind für Jazz interessiert und deshalb das Spiel der Trompete gelernt. Seit Ende der 1950er-Jahre hatte er in verschiedenen Big Band gespielt und zu den Trompetensätzen der Ensembles von Maynard Ferguson, Stan Kenton und Woody Herman gehört. Als Mitte der 1960er-Jahre sich die Rockmusik allmählich dem Jazz öffnete und Jazzmusiker sich für den Rock zu interessieren begannen, setzte Chase 1971 seinen Plan in die Tat um, selbst eine Band nach dem Vorbild der gerade sehr erfolgreichen Formationen Chicago und Blood, Sweat & Tears zu gründen. Er übernahm allerdings nicht die Idee, die gesamte Bläsergruppe einer Big Band mit jeweils nur einem Instrument – Trompete, Alt-saxophon und Posaune – nachzubilden, sondern stellte der Rhythmus-Section vier Trompeter gegenüber: Neben ihm selbst gehörten die Trompeter Ted Piercefield, Alan Ware, und Jerry Van Blair zu der Band. Die Rhythmusgruppe bestand aus einer veritablen Rockband: Der Keyboard-Spieler Phil Porter, der Gitarrist Angel South, der Bassist Dennis Johnson und der Schlagzeuger Jay Burrid. Den Gesangspart übernahm Terry Richards.
Das Debüt-Album »Chase «, 1971 veröffentlicht, zeigte einen scharfen Kontrast zwischen den vier Bläsern und der Rockband. Der brillant gespielte Trompetensatz weckte das Interesse auch von Jazzhörern und die Band wurde für einen Grammy nominiert.
Die Besetzung der Band war allerdings nicht stabil. Für die Aufnahmen zum zweiten Album hatte Chase fast alle Musiker ausgetauscht, dennoch aber Großes versucht: »Ennea« (1971), ein Concept Album, enthielt auf einer Seite eine ausgedehnte, der altgriechischen Mythologie gewidmeten Suite. Nicht zuletzt wegen mangelndem Interesse der Rundfunksender an dem ambitionierten Werk, fand die LP allerdings längst nicht so viele Käufer wie Chase gehofft hatte. So kehrte er für das dritte Album wieder zu Arrangements kürzerer Songs zurück und gestand den Bläsern mehr solistischen Raum zu. Das 1974 vorgelegte Album »Pure Music« sicherte zumindest das kommerzielle Überleben der Formation.
Mit der erneut teilweise umbesetzten Gruppe machte Chase sich 1974 an die Aufnahmen zu einer weiteren LP. Das Album wurde allerdings nicht mehr fertig gestellt: Bill Chase kam bei einem Flugzeugabsturz am 9. August 1974 ums Leben. In dem Flugzeug hatten auch der Keyboard-Spieler der Band Wally Yohn, der Gitarrist John Emma und der Schlagzeuger Walter Clark gesessen und ihr Leben verloren. 1977 nahmen zum Gedenken an die vier Musiker Mitglieder der Band das Album »Watch closely now« auf.
Chase stand zwar Zeit ihres Bestehens im Schatten von Chicago und B, S & T, doch ist allein schon die Existenz der Band mit den vier Trompetern ein Ausdruck der Experimentierfreude, die Ende der 1960er-Jahre die Rockmusik bestimmte. Das rasante Spiel der vier Trompeter hatte allerdings auch wenig mit den eher behäbigen Bläsersätzen der etablierten Big Bands der 1940er- und 1950er-Jahre zu tun. Dass Chase nicht nur auf vom Jazz inspirierte Kompositionen festgelegt war, zeigte nicht zuletzt die Suite »Ennea«, mit der Chase zumindest in diesem einmaligen Fall auch dem sich entwickelnden Progressive Rock nahe stand.



Diskografie

Chase (1971)
Ennea (1972)
Pure music (1974)