Cressida (Band)

Cressida, britische Progressive-Rock-band, 1968 in London unter dem Namen Charge gegründet; der Name geht auf Kressida zurück, Tochter des Sehers Kalchas, die sich in Troilus, Sohn des trojanischen Königs Priamos, verliebte. »Troilus and Cressida« ist auch der Titel eines Dramas von William Shakespeare.

Der Gitarrist John Heyworth hatte mittels einer Anzeige in der Musikzeitschrift »Melody Maker« nach einer Band gesucht, die ihrerseits einen Gitarristen suchte. Es meldete sich de Band the Dominators, die sich allerdings in einem desolaten Zustand befand. Zeitgleich hatte auch der Sänger Angus Cullen sich von der Band engagieren lassen. Heyworth und Cullen kamen angesichts der unannehmbaren Situation von The Dominators überein, selbst eine Band zu gründen, vergruben sich im Elternhaus von Cullen und begannen Songs zu schreiben. In dem Bassisten Kevin McCarthy und dem Schlagzeuger Iain Clark, dann in dem Organisten Lol Coker die geeigneten Mitstreiter für ihre Band. Mit einem aus Eigenem und Cover Versions bestehenden Programm bestritt die Band einige Konzerte und eine Tournee durch Deutschland. In dieser Besetzung wurde auch ein Demoband aufgenommen, kurz danach aber verließ Coker die Band und wurde durch den Organisten Peter Jennings ersetzt. Die Demoaufnahmen führten zum Erfolg, Cressida, wie die Band sich nunmehr nannte, erhielt einen Vertrag bei Vertigo Records, einem gerade gegründeten Unterlabel von Phlips. Vertigo schickte Cressida mit Colosseum und East of Eden auf eine Tournee durch Deutschland, dann durch verschiedene Länder Europas.
Ende 1969 nahm die Band ihre erste LP für Vertigo auf. »Cressida«, so der Titel, enthielt zum größten Teil Kompositionen von Heyworth und Cullen, je eine von Jennings und Clark. Im Frühjahr 1970 wurde Heyworth dann aus der Band gedrängt und durch den Gitarristen John Culley ersetzt. Das Ende der Band ließ sich indes nicht mehr aufhalten, die zweite LP, »Asylum«, wurde 1971, nach Auflösung der Band veröffentlicht.
Clark wurde für kurze Zeit von Uriah Heep als Drummer engagiert, die anderen Musiker fanden für längere oder kürzere Zeit bei weniger bekannten Londoner Bands ein Betätigungsfeld. 2011 kamen Cullen, Clark, McCarthy und Jennings für ein Konzert zusammen, ein weitere war für 2013 geplant.
Cressida war eine der Bands, die zu spät kam und zu unbeständig war, um im noch jungen Progressive Rock eine größere Rolle spielen zu können, wenn dese Spielart der Rockmusik auch durchaus im Fokus des Interesses der Musiker stand. In gewisser Hinsicht lässt sich die Musik der Band, die im Übrigen heute leichter zugänglich als seinerzeit, mit der von Beggars Opera vergleichen: Hammond-Orgel und Klavier stehen im Vordergrund, die elektrische Gitarre spielt eine Nebenrolle, wenn ihr auch gelegentlich Raum für Improvisationen zugestanden wird. Längere Kompositionen finden sich überhaupt nicht unter den ersten Aufnahmen der Band, erst die zweite LP präsentiert zwei Stücke mit einer Länge um jeweils zehn Minuten. Dafür gibt es immer wieder Einsprengsel, die auf älteren Jazz verweisen, meist dem Klavier vorbehalten, aber auch eine kurze Gitarren-Episode im Idiom des so genannten Zigeuner-Jazz. Und Cullens Stimmklang erinnert mehr als einmal an den von Justin Hayward von The Moody Blues, auffällig etwa in »Down Down«. Zu übersehen ist bei all dem aber nicht, dass zu dieser Zeit Bands wie The Nice, Emerson, Lake & Palmer, Yes und Jethro Tull mit ganz anderen kompositorischen Mitteln formulierten, was in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre als Progressive Rock zu gelten hatte.
2012 wurden nicht nur beide Alben der Band unter dem Titel »Cressida – The Vertigo Years 1969-1971« wieder veröffentlicht, sondern unter dem Titel »Trapped in Time« auch die Songs der Demo-Bänder, die 1969 zum Vertrag mit Vertigo führten.


Diskografie

Cressida (1970)
Asylum (1971)
Cressida – The Vertigo Years 1969-1971 (2012)
Trapped in Time – The Lost Tapes (2012)


Weblink

http://www.cressida-group.co.uk (Offizielle Website der britischen Band Cressida)