David Sinclair

Sinclair, David, auch Dave Sinclair, britischer Keyboards-Spieler (Orgel, Klavier, Synthesizer), * Herne Bay, Kent (England) 24.11. 1947; Dave Sinclair ist der Cousin Richard Sinclairs

David Sinclair erhielt zwar im Alter von acht Jahren ein wenig Klavierunterricht, lernte später aber autodidaktisch das Instrument zu spielen. Als Schüler der Simon Langton Grammar School for Boys in Canterbury kannte er etwa Robert Wyatt, Hugh Hopper, Brian Hopper und Mike Ratledge. Als die Hopper-Brüder 1964 mit Robert Wyatt und seinem Cousin Richard die Band The Wilde Flowers gründeten, war David Sinclair zwar noch nicht dabei, wurde aber 1966 Mitglied und war der erste Keyboard-Spieler der Band, die bis dahin auf den Klang von Tasteninstrumenten verzichtet hatte. Er spelte bei The Wilde Flowers aber weniger Keyboard als vor allem Bass, denn Hugh Hopper war zum Saxophon gewechselt. 1967 gaben The Wilde Flowers auf, nachdem zuvor nach und nach sowohl Robert Wyatt und Richard Sinclair als auch Hugh Hopper die Band verlassen hatten.
Dennoch war Dave Sinclair entschlossen, eine Karriere als Musiker einzuschlagen. Mit seinem Cousin Richard sowie den übrig gebliebenen Wilde Flowers, dem Gitarristen Pye Hastings und dem Schlagzeuger Richard Coughlan, gründete er Anfang 1968 Caravan. Ein Zufall kam den vier Musikern zugute, als sie bei Verve einen Schallplattenvertrag erhielten: Verve war entschlossen, an dem Boom in der Popmusik teilzuhaben und deshalb mehr oder weniger verzweifelt auf der Suche nach Bands. Zwar gab die Firma ihr Vorhaben schon bald wieder auf und zog sich vom Pop- und Rockmarkt zurück, die erste LP von Caravan aber wurde 1968 bei Verve veröffentlicht. In der klassischen Besetzung mit Pye Hastings, David Sinclair, Richard Sinclair und Richard Coughlan entstanden auch die ersten drei, die klassischen Alben der Band.
1971 verließ David Sinclair Caravan und gründete dem Gitarristen und Sänger John Murphy und dem Schlagzeuger Pete Pipkin ein Trio. Mit dem Trio ging es indes nicht recht voran, die Musiker trafen sich zwar zu Jam Sessions, aber es kamen zunächst weder Songs noch gar Plattenaufnahmen zustande. Mit Murphy blieb Sinclair über Jahre in einer kreativen Gemeinschaft zwecks Schreiben von Songs verbunden.
1970 schon hatte Sinclair Robert Wyatt bei dessen erster Solo-LP »The End of an Ear« (1970) geholfen. Wyatt bot dem Organisten Ende 1971 an, in seiner neue gegründeten Band Matching Mole die Keyboards zu spielen. Sinclair nahm zwar an, fühlte sich in der Gruppe aber nicht recht wohl und blieb nur bis Anfang1972. Danach fand er sich mit Cousin Richard in der Band Hatfield and the North wieder, aber auch dieses Engagement war nicht von Dauer, denn er kehrte zu Caravan zurück. In dieser Phase seiner Mitgliedschaft bei Caravan war Sinclair an den Alben »Live with the New Symphony« (1974) und »Cunning Stunts« (1975) beteiligt. Danach gründete er mit Richard Sinclair und Murphy die Band Sinclair & the South.
In diesen Jahren war das Publikumsinteresse an der Musik der Canterbury Scene stark gesunken. Parallel zu seiner Arbeit mit Sinclair & the South widmete er sich in den Jahren 1975 bis 1977 den Aufnahmen zu einem Solo-Alben, das für’s Erste schließlich doch nicht zustande kam, erst 1993 wurden die neu eingespielten Songs unter demTitel »Moon over Man« veröffentlicht. Immerhin entstand aus den Aufnahme-Sessions die Band The Polite Force, mit der Sinclair in den Jahren 1976 bis 1978 vor allem lokal, in Canterbury und Umgebung, präsent war. Unterbrochen wurden diese Aktivitäten immer wieder von Reunions von Caravan, mal nur für mehr oder weniger ausgedehnte Tournee, mal für Plattenaufnahmen in Kombination mit kleinen Konzertreisen. Mal saß Sinclair bei The Polite Force an den Keyboards, dann 1978 bei Camel, dann Anfang der 1990er-Jahre bei Caravan of Dreams und Mirage, und immer wieder bei Caravans zahlreichen Reunions. 2003 endlich legte David Sinclair sein erstes »echtes« Solo-Album vor. An den Aufnahmen zu der CD hatten neben Cousin Richard Mitglieder von dessen Band In Cahoots mitgewirkt.
David Sinclair ist gemeinsam mit seinem Cousin Richard verantwortlich für den »Canterbury Sound«, der wesentlich auf dem Gesang und dem Bassspiel Richard Sinclairs und dem Orgelspiel David Sinclairs, insbesondere dem speziellen, relativ stark verzerrten Orgelklang beruht. Sinclair sind aber auch einige der zentralen Kompositionen und Arrangements der Canterbury Scene zu verdanken, etwa »Song for Richard« und das Concept Album »In the Land of Grey and Pink« von 1972. David Sinclair hat sich viele Jahre lang auch als Restaurateur von Klavierinstrumente betätigt und diese Tätigkeit erst 2005 aufgegeben. Seitdem widmete er sich verstärkt seiner Musik, mehr noch aber dem Schreiben, zu dem ihm seine Wahlheimat Japan Inspiration bietet. Für die Aufnahmen für sein Solo-Album »Pianoworks I -Frozen In Time« konnte er alte Weggefährten gewinne, so neben anderen Robert Wyatt, Jimmy Hastings, Andy Latimer, Annie Haslam, Barbara Gaskin und Dave Stewart.


Diskografie

Moon over Man (1993)
Full Circle (2004)
Into the Sun (2004)
Pianoworks I – Frozen In Time (2010)
Stream (2011)
En Circle 82011)

Weitere siehe Caravan, Matching Mole, Robert Wyatt, The Polite Force


Weblink

http://dave-sinclair.co.uk/ (Offizielle Website des britischen Keyboard-Spielers David Sinclair)