David Sylvian

Stichworte Mick Karn | Richard Barbieri | Robert Fripp | King Crimson



Sylvian, David, eigentlich David Alan Batt, britischer Rockmusiker (Gesang, Gitarre, Keyboards, Text, Komposition), * Beckenham (Kent) 23. Februar 1958

Biografie

David Batt hatte mit seinem Bruder, dem Schlagzeuger Steve Jansen, eigentlich Stephen Batt, dem Gitarristen Rob Dean, eigentlich Robert Dean, dem Bassisten Mick Karn und dem Keyborad-Spieler Richard Barbieri eine Band gegründet und sich zunächst am Glam Rock ihrer Vorbilder David Bowie und Roxy Music versucht. 1974 nannten die Musiker ihre Band Japan und erheilten von dem deutschen Schallplatten-Label Hansa Record seinen Vertrag. Innerhalb weniger Jahre, und erst Recht, nachdem Dean die Band verlassen hatte, präsentierte Japan eine ausgeklügelte, singuläre Musik, zu der es nichts Vergleichbares gab. Die Musiker gingen 1982 auseinander.
Sylvian hatte noch zur Zeit des Bestehens der Band gemeinsam mit dem japanischen Komponisten Ryuichi Sakamoto die Single »Bamboo Houses« veröffentlicht und 1983 mit Sakamoto an dem Songs »Forbidden Colours« für den Film »Merry Christmas, Mr. Lawrence« (1983; Regie: Nagisa Oshima), legte aber erst 1984 sein Solo-Debütalbum vor. Mit »Brilliant Trees« setzte er zwar einerseits das bei Japan Begonnene fort – so waren sein Bruder Steve Jansen und auch Richard Barbieri an den Aufnahmen beteiligt – andererseits verschob er den Fokus seiner Musik bereits mit diesem Album hin zu einer eklektizistischen Musik, in der auch Jazz und Elemente der Avantgarde-Musik eine Rolle spielten. So hatten an dne Aufnahmen die Jazz-Trompter Makr Isham und Kenny Wheelre, aber auch der Bassist Holger Czukay von der deutschen Band Can mitgewirkt.
In den folgenden Jahre setzte Sylvian den eingeschlagenen Weg fort, veröffentlichte 1986 das Doppel-Album »Gone to Earth«, dessen eine LP nur Instrumentalmusik enthielt, entfernte sich 1987 mit »Secrets of the Beehive« weit von gängigen Stilmitteln der Rockmusik und begann eine atmosphärisch dichte, oft auf dem Klang akustischer Instrumente basierende Musik zu konstruieren, in der der Klang seiner Stimme sich organisch einfügte. Gegen Endes des Jahrzehntes tat er sich mit Czukay und den Can-Musikern Jaki Liebezeit und Michael Karoli zusammen, um »Plight and Premonition« (1988) und »Flux and Mutability« (1989) einzuspielen.
Nach einer kurzen und folgenlosen Wiederbelebung von Japan – unter dem Namen Rain Tree Crow – lernte er die Sängerin und Schauspielerin Ingrid Julia Chavez (* 1965) kennen und bezog sie in die gerade laufenden Aufnahmen mit Sakamoto mit ein. Chavez und Sylvian heirateten 1992. In diese Zeit fiel auch die Anfrage Robert Fripps, ob Sylvian als Sänger an einer Neugründung von King Crimson beteiligt sein wolle. Zwar lehnte Sylvian es ab, ordentliches Mitleid der Band zu werden, doch spielten er und Fripp das Album »The Frist Day« (1993) ein. Gemeinsam schufen die Musiker auch die Ausstellung »Redemption – Approaching Silence«, die im Sommer 1994 sechs Wochenlang in New York zu sehen war.
Zu eigenen Aufnahmen kam Sylvian erst wieder Ende der 1990er-Jahre. »Dead Bees on an Cake«, 1999 veröffentlicht, enthielt eine Art Rückschau auf die Jahre seit der Auflösung von Japan. Der Weggefährte Sakamoto hatte mitgewirkt, der Jazz wurde von dem Trompeter Kenny Wheeler und dem Gitarristen Bill Frisell, die Musik Asiens von dem Tabla-Spieler Talvin Singh, die Avantgarde von dem Gitarristen Marc Ribot repäsentiert. Virgin Records brachte eine Reihe von Zusammenstellungen auf den Markt. In dieser Zeit gründete Sylvian auch sein eigenes Label und veröffentlicht seitdem auf Samadhi Records zwei eigene Alben, 2003 »Blemish« und 2009 »Manafon«.
David Sylvian hatte als eine Art Kopie von David Bowie und des späteren Bryan Ferry begonnen. Mit den letzten beiden Alben von Japan schien er indes seinen Stil gefunden zu haben, den er in den folgenden Jahren zielstrebig fortentwickelte. Sein starkes Interesse an der Kultur Japans ließ ihn die Klangwelt der Musik dieses Landes in stilisierter Form nachahmen, sein Interesse an Improvisation führte ihn zu bestimmten Formen des jüngeren Jazz und sein Interesse an der Philosophie Asiens ergab Texte, die in der Rockmusik ziemlich einmalig sein dürften – wenn Sylvians Musik denn noch als Rockmusik aufgefasst werden kann. Denn mitunter kreist Sylvian in selbstverliebtem Raunen, so dass manch ein Rockhörer eher an New Age Music denkt als an Rock oder Pop.



Diskografie

Brilliant Trees (1984)
Alchemy: An Index of Possibilities (1985)
Gone to Earth (1986)
Secrets of the Beehive (1987)
Plight & Premonition (1988)
Flux and Mutability
Weatherbox (1989)
Ember Glance: The Permanence Of Memory (1991)
The First Day (1993)
Darshan (The Road to Graceland) (1993)
Damage: Live (1994)
Dead Bees on a Cake (1999)
Approaching Silence (1999)
Everything and Nothing (2000)
Camphor (2002)
Blemish (2003)
World Citizen (2003)
The Good Son vs. The Only Daughter (The Blemish Remixes) (2005)
Snow Borne Sorrow by Nine Horses (2005)
Money for All by Nine Horses (2007)
When loud Weather buffeted Naoshima (2007)
Manafon (2009)



Weblink

http://www.davidsylvian.com/ (Offizielle Website des britischen Rockmusikers David Sylvian)